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Titel: Ein Zeuge der Urwälder Deutschlands
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 115
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1887) b 101.jpg

Ein Zeuge der Urwälder Deutschlands
Originalzeichnung von L. Beckmann


[115] Ein Zeuge der Urwälder Deutschlands. (Mit Illustration S. 101.) Der Baumstumpf, den unser Bild zeigt, ist der Rest einer vielleicht tausendjährigen Eiche, welche im Sommer 1883 in der Nähe von Dötzingen bei Hitzacker im Ufersande der Elbe aufgedeckt wurde. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Elbe in früherer Zeit ein weiter nördlich gelegenes Flußbett hatte. Dies beweisen die noch jetzt dort üblichen Benennungen: „Bracke - Hacken – taube Elbe etc.“ Auch weiß man, daß das jetzt am linken Elbufer gelegene Schloß zu Blekede (jetzt Amtssitz) von Heinrich dem Löwen am rechten Elbufer zum Schutz gegen die Wenden und Slaven erbaut wurde. Durch irgend ein Naturereigniß, vielleicht in Folge einer Eisstauung, hat die Elbe dann ihr altes Bett verlassen und sich ein neues gebildet in den weiten Urwäldern, welche damals die Ebene bedeckten, Alles vor sich niederwerfend und verheerend.

Durch den seit 1866 energisch betriebenen Bau von Buhnen[1] wird der Strom vom jetzigen Ufer abgeleitet und nicht allein mehr beengt, sondern gleichzeitig auch vertieft, wodurch er selbst beim niedrigsten Wasserstande noch immer für größere Schiffe fahrbar bleibt. Der mitten im Strombett lagernde Sand verschiebt sich von Jahr zu Jahr und lagert sich hinter den Buhnen an, dort große Uferstreifen bildend. Hierdurch sind nun in den letzten Jahren Tausende von Eichenstämmen, welche seit Jahrhunderten im Flußbett versandet lagen, aufgedeckt worden und diese müssen, da sie die Schifffahrt gefährden, gehoben werden. Es werden daselbst manche Stämme von kolossaler Stärke gefunden, welche trotz ihrer Verstümmelung ein herrliches Bild von der Wälderpracht dortiger Gegend in früheren Zeiten geben.

Der stärkste unter allen aufgedeckten Stämmen war der von uns abgebildete. Der mit dem Herauswinden des Holzes betraute Schiffbauer Jahnke setzte eine Ehre darin, diesen Riesenstamm möglichst ungetheilt ans Ufer zu schaffen; jedoch mußten zunächst die drei mächtigen Hauptäste von je 15 Meter Länge unter Wasser abgesägt werden. – Der in der Nähe wohnende Graf von Oeynhausen zu Dötzingen, dessen Forstrevier durch die Elbe begrenzt wird, beschloß, den nunmehr astlosen Riesenstumpf auf seinem Gute vor dem Herrenhause aufzustellen, damit derselbe noch für lange Jahre Zeugniß geben könne von den Urwäldern, welche in früherer Zeit dort den Boden bedeckten und uns nur noch aus Sagen bekannt sind.

Der Transport des Baumkolosses, welcher etwa auf eine Meile Entfernung fortgeführt werden mußte, war natürlich mit großen Schwierigkeiten verbunden. Da der Stamm, so wie er am Ufer lag, in seiner ganzen Länge unmöglich fortbewegt werden konnte, so beschloß man, denselben in vier Theile zu zerlegen. Um dieses bewerkstelligen zu können, mußten zunächst drei Sägeblätter an einander geschweißt werden. Nach dieser Zertheilung wurde nun jeder Block für sich zwischen zwei Kähnen befestigt und bis auf eine Viertelstunde vom Gute zu einer geeigneten Abladestelle geschafft. Von hier aus mußten die einzelnen Blöcke auf einem besonders dazu angefertigten Rollwagen nach dem Gute gefahren werden; der Transport jedes Blockes erforderte 12 bis 16 Pferde.

Auf dem Gutshofe angelangt, mußten die einzelnen Theile wieder vereinigt werden. – Mit Hilfe der an geeigneter Stelle bereits aufgestellten Hebzeuge und mächtigen Winden gelang es, die Blöcke in ihrer ursprünglichen Stellung vollständig genau wieder auf einander zu setzen und zusammenzufügen. Die von der Rinde größtentheils entblößte Rieseneiche zeigt, wie sie jetzt steht, genau gemessen folgende Dimensionen: Höhe 7,4 Meter; oberer Umfang 9 Meter; oberer Durchmesser 2,86; mittlerer Umfang 7,6 Meter; mittlerer Durchmesser 2,43; unterer Umfang 8 Meter; unterer Durchmesser 2,55; Kubikinhalt 34,9 Fest Meter.




  1. Buhnen: schmale in das Flußbett hineingebaute Dämme, um der Strömung eine andere Richtung zu geben