Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die unterbrochene Zeitungslectüre
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 40, S. 637, 640
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[637]
Die Gartenlaube (1868) b 637.jpg

Unterbrochene Zeitungslectüre.
Nach dem Originalgemälde von Webb in Düsseldorf..

[640] Die unterbrochene Zeitungslectüre. (S. Abbildung auf S. 637.) Braucht es zur Erklärung unserer trefflichen Illustration eines besondern Hinweises auf das verrätherisch genug vom gastlichen Tisch herabhängende Zeitungsblatt, um in ihm eine Gabe jener berüchtigten Eris zu erkennen, deren Apfel einst die Götter entzweite und der noch heutzutage bei den Menschen dieselbe Wirkung thut? Wer wollte es etwa dem gnädigen Herrn auf seinem vom großen Weltverkehr abgelegenen Stammschloß verargen, wenn er seinen nothgedrungenen Umgang mit seinem Pastor, dessen Gewand sogar von der Mode der jüngeren Zeit noch nicht berührt ist, nicht so weit mißbrauchen läßt, die anstößigen Meinungen desselben ohne den Ausdruck entschiedener Entrüstung zu vernehmen?

Was in aller Welt mag aber der Milch der frommen Denkungsart hier so nachtheilig gewesen sein?

Verbirgt sich hinter den großen Brillengläsern des Schnupfenden ein National-Liberaler, der seine Opposition contra Mühler-Eulenburg vertheidigt gegen den feudalen Abonnenten der Kreuzzeitung? Oder hat der Gutsherr in seinem Eifer für den glaubensfesten Knak vergessen, daß er einem Mitgliede des Bremer Protestantenvereins gegenüber saß? Glaubt der Dampfende mehr an die Energie Bismarck’s, während der Schnupfende alle seine Hoffnungen auf die Gewandtheit Beust’s setzt? Schwärmt der Herr auf und zu nur für die Farben Schwarz-roth-weiß und springt dagegen der alte Jenaische Burschenschafter und jetzige Hochwürden für sein geliebtes Schwarz-roth-gold ein?

Suchen wir nun auch vergeblich nach der Ursache des plötzlichen Zwistes, den ein vielleicht an sich ganz unbedeutender Artikel der Zeitung hervorgerufen, so beruhigen uns doch verschiedene Andeutungen über die Tragweite desselben. Der Edelmann hat die Pfeife nicht weggeworfen, sondern er zieht nur vollere Wolken aus ihr hervor, und das wirkt zornstillend; und der geistliche Herr hat nicht die Flucht, sondern nur die Dose ergriffen. Das Hauptmerkmal ist aber der kluge neutrale Spitz, der es, bei aller Treue für seinen Herrn, auch mit dem Pastor, welcher ihm manches Wursthäutlein spendet, nicht verderben will und auch bei diesem Zerwürfniß erfahrungsgemäß denkt: „Es macht nix, sie werden schon wieder gut!“