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Die politische Erkundung des Majors von Ribaupierre durch Franken und Schwaben: Reichsstadt Schwäbisch Gmünd

Textdaten
Autor: Karl Roger von Ribaupierre
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Titel: Reichsstadt Schwäbisch Gmünd
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aus: ... sollen bayerisch werden. Die politische Erkundung des Majors von Ribaupierre durch Franken und Schwaben im Frühjahr 1802.
S. 30–31
Herausgeber: Hanns Hubert Hofmann
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Erscheinungsdatum: o.J. [1954]
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Quelle: Scan auf Commons
Kurzbeschreibung: Bericht für das Kurfürstentum Bayern, das 1802 als künftiger Landesherr der Noch-Reichsstadt im Gespräch war
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
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[30] REICHSSTADT SCHWÄBISCH GMÜND

Der Umfang der Stadt zeigt an, daß ihre Bevölkerung, nun von 5000 Seelen, sehr abgenommen haben muß. Mit Kirchen, Klöstern und Kapellen ist die Stadt reichlich versehen.

Verfassung

Der Bürger hat das Recht, zu jeder Stelle zu gelangen. Die am Ruder ruhende Schwägerschaft aber hat schon Mittel in Händen, die besseren Stellen für sich zu behalten und das Erreichen der geringeren mit solchen Unkosten zu verknüpfen, daß sie nur ad bonores gesucht werden können.

Verwaltung

Von dem siebenjährigen Kriege her sind noch Schulden vorhanden. Nichts desto weniger waren die Abgaben stets so beträchtlich angesetzt, daß in der ganzen benachbarten Gegend sich der Landmann glücklich schätzt, kein Gmünder Untertan zu sein.
So toll geht es zu, daß man auf die Frage, worin die Bedrückungen bestehen, keinen anderen Aufschluß erhält als: – in allem. Auch der Bürger ist so mißvergnügt, daß er nicht zur Rede stehen, nichts von seiner Verfassung reden will.
Die Überzahl der besoldeten Stellen ist ein anschaulicher Stein [31] des Anstoßes, welcher nur mit der Verfassung wegzuräumen ist, deren Ende Bürger und Bauer wünschen. Sie sind überzeugt, daß es nahe ist. Der Anhang des Magistrats haßt württembergisch zu werden, die beträchtliche Gegenpartei wünscht an Bayern zu fallen, zweifelt aber wegen örtlicher Lage daran.

Wohlstand

Bei so bewanderten Umständen kann der Bauer vermöge seiner gut bebauten Felder und besseren Viehzucht sich nähren, seinen Wohlstand aber unmöglich erhöhen.

Goldschmiede

In der Stadt arbeiten, nach der geringsten Angabe der Einwohner, über 600 Gold- und Silberschmiedemeister – nach Rinks ganz neu erschienene „Geschichte der Stadt Gmünd mit einer Charte“, welche mir später bekannt wurde, sind deren nur 300. Sie verfertigen meistens sogenannte Galanterieware in Gold zu sechs Karat. Es gebricht ihnen an den benötigten Kapitalien, um selbst ihre Ware im großen in das Ausland zu spedieren. Es bleibt ihnen nichts übrig, als ein nachteiliger Tauschhandel in der Nachbarschaft oder für einige sehr reiche Gmünder Handelsleute zu arbeiten. Diese ziehen den Nutzen des Kunstfleißes an sich: sie spedieren ins Reich, nach Holland und Frankreich, das meiste aber nach Italien. Die Arbeit ist ebenso wohlfeil als zu Öhringen, aber nicht so geschmackvoll.

Militär

15 Infanteristen, fünf Reiter zu Fuß; einer wie der andere hat täglich 13 kr für Löhnung und Brot.
Zwei Gemeine, streng ordonanzmäßig angezogen, tragen den Herrn Bürgermeister in einer Sänfte auf das Rathaus.

Anmerkungen (Wikisource)

Zum Kontext: Klaus Jürgen Herrmann: 200 Jahre Säkularisation und Mediatisierung in Schwäbisch Gmünd. "Wo ein Gmünder hinreist und er sagt, daß er aus dem Königreich Württemberg wäre, wird er verlacht, bedauert", in: einhorn-Jahrbuch Schwäbisch Gmünd 2002, S. 81-110 (mit Abdruck des Berichts von Ribaupierre S. 82f.).