Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Victor Blüthgen
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die letzte Jagd
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 93
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[93]
Die letzte Jagd.
Mit Bild von H. Prell nach dessen Oelgemälde.
Die Gartenlaube (1881) b 093.jpg

Und hörst du nicht des Hifthorns Schall
Im Eichenwald, Johann?
Was träumst du einsam hier am Stall,
Am leeren Stall, Johann?
Sie zogen alle zur frohen Jagd
Mit Speer und Hund und Roß:
Was bleibst du hier mit der Küchenmagd
Und der welkenden Greise Troß?

Und schlägt mein Herz auch wund und weh,
Erklingt dort Horn und Hatz,
Ich darf nicht jagen Hirsch noch Reh
Noch Bär und wilde Katz’.
Ich darf nicht reiten im Blätterglast,
Wo die gellende Meute tobt
Und der Hufschlag malmt den knatternden Ast –
Ich darf’s nicht; ich hab’ es gelobt.

Komm, setz’ dich auf die Steinbank, Kind!
Ich sag’ dir, wie’s gescheh’n.
Nicht viel im Gottesgarten sind,
Die sah’n, was ich geseh’n.
Ich sah dem Tod in den Rachen tief.
Und heute grauset mich’s noch;
Er dacht’, er hätt’ mich mit Siegel und Brief,
Und Gott betrog ihn doch.

Des Morgens war’s – da ritt ich aus;
Mein Roß, das war ein Schäck.
Dein Vater wollt’ ’nen Hirsch zum Schmaus,
Der’ wußt’ ich jeden Fleck.
Ich hatte bei mir zwei Rüden blos;
Die fanden im Walde die Spur
Und trieben ihn aus; er war nicht groß,
Zehn Enden zählte ich nur.

Und heidi! ging’s, und hussassah!
Aufstoben Ast und Blatt.
Wir waren bald dem Waldrand nah:
Was gilt’s – ich krieg’ dich matt.
Wir sausten über das blache Feld
Zu der tiefen Wildbachschlucht,
Dort, wo ich dir mal den Fuchs gestellt
Und die Jungen geholt aus der Bucht.

Die Schlucht, die Schlucht! D’ran dacht’ ich nicht;
Ich dacht’ nur an die Birsch,
Die Rüden vor dem Rande dicht
Anfielen jach den Hirsch.
Wir waren im Schuß: der Hirsch verschwand.
Als hätt' ihn die Erde verschluckt –
Hilf Himmel! Da bäumte der Schäck auf der Wand,
Und ich riß ihn zur Seite geduckt. –

Umsonst, wir stürzten, Mann und Thier;
Zu Berge stand mein Haar;
Da rief ich Gott zu Hülfe mir
Mit seiner Engel Schaar;
Da hab’ ich verschworen Jagd und Roß,
Vergönnt’ er das Leben mir doch.
Und das Roß nur zerbarst, mein trauter Genoß,
Und den Schwur, den halt’ ich noch.

Der Knabe saß, die Wange glüh,
Das Auge blitzeshell:
Wie ging’s dir denn? Johann, nun sieh’,
Nun hörst du auf so schnell!
Wie kamst du hinunter beim Sturz, Johann?
Wie war dir zu Muthe da?
Du bliebst wahrhaftig am Leben, Johann?
Da lachte der Alte: Ja!

Victor Blüthgen.