Die beiden Zauberer (Gräve, 1839)

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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Die beiden Zauberer
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aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 77–79
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Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
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XX. Die beiden Zauberer.

Geht man auf dem geraden Wege von Budissin nach Neschwitz, so gelangt man, nachdem das Gasthaus, der schwarze Adler und das Posthorn passirt ist, in ein kleines Birkenwäldchen, wo man rechter Hand eine große Steinwacke gewahrt. Als dieß Wäldchen noch eine Wildniß war, welche Bären und Wölfen zum Aufenthalte diente, wohnte daselbst ein alter, heidnischer Zauberer, dem die Erd- und Feuergeister dienten. Seine Macht benutzte er dazu Schätze über Schätze anzuhäufen, an deren bloßen Anblicke er sich, gleich jenem phädrischen Drachen[1] ergötzte.

Zu gleicher Zeit lebte nicht weit von ihm ein anderer jüngerer Schwarzkünstler, dessen Befehlen nur die Wassergeister gehorchten, und der dem Meister der Gnomen und Salamander grollte, daher er ihm, wo er nur wußte und konnte, zu schaden bemüht war und endlich in bösen Herzen sogar seinen Untergang beschloß.

Einst nun trat, gleich einem Flußgotte, der Gebieter der Wassergeister in des Alten Behausung, bei dem er wider Erwarten eine freundliche Aufnahme fand. Ein Mahl, welches Erd- und Feuergeister bereitet hatten, wurde [78] aufgetragen, wobei das weibliche Geschlecht derselben die Becher kredenzte. Während nun diese weidlich geleert wurden, entspann sich zwischen den beiden Magiern über ihre Wissenschaft ein Streit, bedeutender als zwischen den Allo- und Homöopathen.[2] Darüber wurde der Erd- und Feuergeistgebieter ungemüthlich, ja vergessend aller Rechte der Gastfreundschaft, anzüglich, und endlich gar beleidigend gegen den Jüngern, welcher – kalt wie sein Element – ihn zu beschwichtigen, sich vergebens bemühte. Getreu seinem Erd- und Feuersystem, benahm sich der Alte gleich einem gemeinen, mit Spiritus befeuchteten Erdkloß und ähnlich dem Riesen Antäus und dem feuerhauchenden Typhoeus trat er trotzig allen Anstand mit Füßen, warf seinen Gast zur Thüre hinaus, schleuderte manch irdenes Gefäß ihm nach und hetzte seine Feuergeister, gleich einer Kuppel Parforcehunde, auf ihn.

Daß darob auch dem Jüngern die Galle überlief, wird wohl Niemanden, dem nicht Fischblut die Adern füllt, wundern; daher beschloß er, augenblicklich Genugthuung zu nehmen.

Die Fenster des Himmels öffneten und die Brunnen der Erde ergossen sich. Von oben und unten, wie von allen Seiten, strömten Wasserwogen – Teiche und Seen durchbrachen ihre Dämme und unbezähmbar tos’ten die wilden Wasserhosen. Da erbebte – vielleicht das erstemal in seinem Leben – der sonst furchtlose Alte, wohl [79] – jedoch zu spät – des spätern Eulenspiegels Behauptung: „Wie das Wasser das stärkste Element sey,“ einsehend. Donnernd herrschte er seine Geister an, welche ihr Möglichstes aufboten. Allein eben so wenig als der Korporalstock Muth und Vaterlandsliebe einzubläuen vermag, vermochte sein drohender, beschwörender Ruf die brandenden Wellen – welche Erdwällen und Feuerbränden spotteten – zu zügeln. Ertränkt wurde der Salamander-Beherrscher, verschlämmt seine ungeheuren Schätze, und da, wo sie sich befinden, bildete (die Neptunisten erhalten hier einen neuen haltbaren Grund für ihr System) sich jene Steinmasse, die man noch sieht und welche unermeßliche Schätze birgt.


  1. S. Phaedri fabul. lib. IV. fab. 19.
  2. In Rio de Janeiro duellirten sich wegen ihrer Kunst im Jahr 1837 der Allöopath D. Campuci do Valle und der Homöopath T. G. dos Santo’s, von welchen Ersterer blieb.