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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Die Wanderung der Ansivaren
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 4–5
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 024.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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366.
Die Wanderung der Ansivaren.
Tacitus ann. XIII, 54–56.

Die Friesen waren in einen leeren Landstrich unweit des Rheines vorgedrungen, hatten schon ihre Stätte genommen und die Äcker besäet, da wurden sie von den Römern mit Gewalt wieder ausgetrieben. Das Erdreich stand von neuem leer, die Ansivaren rückten hinein: ein nicht zahlreiches Volk, aber stark durch den Beistand, den ihm die umliegenden Stämme mitleidig leisteten, weil es heimathlos und von den Chaucen aus seinem Sitz verjagt worden war. Bojocal, der Ansivaren Führer, wollte sich und sein Volk unter den Schutz der Römer stellen, wenn sie diesen leeren und öden Platz ihnen für Menschen und Viehheerden lassen würden. Das Land habe vorzeiten den Chamaven, dann den Tubanten und hierauf den Usipiern gehört; und weil den Göttern der Himmel, den Menschen die Erde zustehe, so dürfe jedes Volk ein leeres Land besetzen. Darauf wandte Bojocal (die Abneigung der Römer voraussehend) seine Augen zur Sonne, rief die übrigen Gestirne an und stellte sie öffentlich zur Rede: „ob sie den leeren Grund und Boden bescheinen wollten? sie möchten lieber das Meer wider diejenigen ausschütten, welche also den Menschen das Land entzögen.“ Die Römer aber schlugen das Gesuch ab, und wollten keinen andern Richter anerkennen, über das was sie zu geben [5] oder zu nehmen hätten, als sich selbst. Das antworteten sie den Ansivaren öffentlich, und boten doch zugleich dem Bojocal ein Grundstück für ihn selbst, als ihrem guten Freund an (den sie sich durch ein solches Geschenk geneigt zu erhalten trachteten). Bojocal verachtete das, um dessentwillen er sein Volk hätte verrathen sollen und sagte: „Haben wir gleich keine Erde, auf der wir leben können, so soll uns doch keine gebrechen, auf der wir sterben.“ Darauf zogen sie feindlich ab und riefen ihre Bundsgenossen, die Bructerer, Tencterer und noch andere zum Kriege auf. Der Römer-Feldherr überzog schnell die Tencterer, daß sie abstehen mußten, und wie diese sich lossagten, befiel auch die Bructerer und die andern Furcht. Da wichen die verlassenen Ansivaren in das Gebiet der Usipier und Tubanten; die wollten sie nicht leiden. Von da vertrieben, kamen sie zu den Chatten und dann zu den Cheruskern. Ueber dem langen unstäten Herumziehen auf fremdem Boden, bald als Gäste, bald als Dürftige, bald als Feinde, wurde ihre Mannschaft und mannbare Jugend aufgerieben. Die Unmündigen fielen als Beute andern zu Theil.