Die Sternschnuppen im November

Textdaten
Autor: Dr. Abel
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Titel: Die Sternschnuppen im November
Untertitel:
aus: Die Burg. Illustrierte Zeitschrift für die studierende Jugend, 2. Jahrgang, S. 111–112
Herausgeber: Prof. J. Hartorius und Oberlehrer K. Faustmann, Mainz.
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Verlag der Paulinus Druckerei
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Erscheinungsort: Trier
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[111] Die Sternschnuppen im November. Von Dr. Abel.


Wenn die Nächte in der Mitte des November recht klar sind, dann können wir wieder die volle Pracht des alljährlich um diese Zeit wiederkehrenden großen Sternschnuppenfalles genießen. Millionen und Milliarden jener Körper kreisen als selbständige Weltkörper um die Sonne in einem oder mehreren Ringen, welche die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne an jenen Tagen durchschneidet. Je nach der größeren oder geringeren Dichtigkeit des Schwarmes, welchem die Erde begegnet, ist die Zahl der Sternschnuppen größer oder kleiner.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als man zuerst mit den Sternschnuppen sich näher zu beschäftigen begann, hielt man sie für Meteore oder Feuerkugeln, die von den gewöhnlichen Meteoren nur dadurch unterschieden waren, daß sie in ungeheurer Entfernung von unserer Erde im Weltenraum kreisten. Es war im Jahre 1798, als zwei Göttinger Studenten, Brandes und Benzenberg, zuerst genaue Beobachtungen über die Entfernung der Sternschnuppen von unserem Planeten anstellten. Ihnen folgten dann andere Astronomen, und jetzt weiß man, daß die Entfernung der Sternschnuppen durchschnittlich bei ihrem Erscheinen 16, bei ihrem Verschwinden 10 Meilen von der Erde ist. Für das Auge ist ihr plötzliches Auftreten und fast augenblickliches Verschwinden das Werk eines Augenblickes. Trotzdem haben die Astronomen es unternommen, die Geschwindigkeit und die Laufbahn der Sternschnuppen zu bestimmen. Sie fanden, daß die Geschwindigkeit der Sternschnuppe vier bis acht Meilen in der Sekunde beträgt. Das ist eine ganz ungeheure Geschwindigkeit, etwa gleich jener, mit der die Planeten um die Sonne kreisen und weit bedeutender, als die meisten Geschwindigkeiten irdischer, deshalb von uns angestaunter Dinge. „Geschwind wie der Wind!“ sagt das Sprichwort, und doch legt der Sturm in [112] der Sekunde nur höchstens 30–40 Meter zurück. Man vergleiche damit die vier bis acht Meilen, welche die Sternschnuppe in einer Sekunde durchmißt!

Von besonderem Interesse ist das periodische auftreten außergewöhnlich großartiger Sternschnuppenschwärme. Als der oben genannte Brandes am 9. Dezember 1798 in der Post von Göttingen nach Bremen fuhr, zählte er in einer Nacht 480 Sternschnuppen durch das eine Wagenfenster, das ihm natürlich nur eine beschränkte Aussicht auf den Himmel gewährte; er berechnete danach, daß in jener Nacht mindestens 2000 Sternschnuppen gefallen sein müßten. Einen weiteren Anstoß zur Erforschung der Sternschnuppenschwärme gab im darauffolgenden Jahre der große Alexander v. Humboldt, der sich damals zu Cumana in Südamerika befand. „Die Nacht vom 11. zum 12. November“, erzählte er, „war kühl und ausnehmend schön. Gegen Morgen, von halb drei Uhr an, sah man gegen Osten höchst merkwürdige Feuermeteore. Tausende von Feuerkugeln und Sternschnuppen fielen hintereinander, vier Stunden lang. Ihre Richtung war sehr regelmäßig von Nord nach Süd. – – Gleich zu Anfang der Erscheinung war kein Stück am Himmel so groß als drei Monddurchmesser, das nicht jeden Augenblick von Feuerkugeln und Sternschnuppen gewimmelt hätte. Alle Meteore ließen lange Lichtstreifen hinter sich zurück. Das Leuchten dieser Lichtstreifen hielt 7 bis 8 Sekunden an. Manche Sternschnuppen hatten einen sehr deutlichen Kern, von dem sehr starke Lichtfunken ausfuhren. Die Feuerkugeln schienen wie durch Explosion zu platzen; aber die größten verschwanden ohne Funkenwerfen und ließen leuchtende, breite Streifen hinter sich.“ Die Einwohner Cumanas waren in hohem Grade erschreckt über das außergewöhnliche Flammen und Funkenspeien des Himmels und glaubten, das Ende der Welt sei gekommen.

Was haben wir nun von den Sternschnuppen zu halten? Was sind sie? Reste zertrümmerter Himmelskörper; also dasselbe wie die Kometen. Die Sternschnuppen-Körperchen sind des Kometen sprühende, funkelnde Vorreiter, denen er in stiller Pracht und Majestät folgt. Der Komet selbst ist nur eine Zusammenhäufung derselben Materie, aus welcher der Sternschnuppenschwarm besteht, eine Anhäufung, die dicht genug ist, um die Kometenmasse sichtbar zu machen, selbst auf große Entfernungen von der Erde. Kometen und Sternschnuppen bestehen aus demselben Stoffe, letztere sind jedoch nur so kleine Teile dieser Materie, daß sie, im Weltenraume kreisend, nicht sichtbar sind und erst bemerkbar werden, wenn sie in die Atmosphäre unserer Erde kommen. Gleich den Kometen, oder wenigstens gleich dem sogenannten Schweif derselben, sind sie gasartiger Natur. Alle Beobachter sagen aus, daß die Fixsterne durch die Schweife der Kometen hindurchschimmern, ohne gerade an funkelnder Leuchtkraft zu verlieren, und auch durch die Sternschnuppen hindurch hat man die Fixsterne sehen können. In geschlossenen, langgestreckten, elliptischen Ringen kreisen die Sternschnuppen wie die Kometen um die Sonne; in diesen Ringen befinden sich an einzelnen Stellen ungeheure Anhäufungen derselben; schneidet dann unsere Erde auf ihrer Bahn diese Stellen des Sternschnuppenringes, dann finden jene glänzenden Schwarmerscheinungen statt, vor denen wir bewundernd stehen und die Allmacht des Schöpfers preisen.