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Titel: Die Staatslotterien in Deutschland
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 92
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[692] Die Staatslotterien in Deutschland. Bekanntlich ist es im deutschen Reiche gesetzlich verboten, aus dem Glücksspiel ein Gewerbe zu machen. Nichtsdestoweniger unterhalten einige deutsche Staaten ständige Classenlotterien, aus deren Ertrag sie nicht unerhebliche Summen in ihre Cassen abführen. Der Gesammtumsatz der in Preußen Sachsen, Hamburg, Braunschweig und Mecklenburg-Schwerin bestehenden Staatslotterien beziffert sich auf etwas mehr als neunzig Millionen Mark jährlich, von welcher Summe gegen zehn Millionen den Staatscassen zufallen. Preußen erzielt durch seine Lotterie eine Einnahme von rund vier Millionen, Sachsen eine solche von fünf Millionen und die freie Hansastadt Hamburg streicht jahraus jahrein auf diesem Wege rund eine Million Mark in ihren Säckel ein. So hoch ist der Zoll, welchen die „Dummen“, wie der Volksmund in derber Weise sagt, jährlich der Spielwuth entrichten.

Die oben genannten Lotterien geben zusammen gegen 750,000 Loose aus, und da an jedem Loose sich in der Regel mehrere Personen betheiligen, so beträgt die Zahl der Lotteriespieler im deutschen Reiche gewiß mehrere Millionen. Dabei ist aber das Lotteriewesen keineswegs im Rückgange begriffen es hat vielmehr in den letzten Jahrzehnten an Ausdehnung gewonnen; denn die Zahl der Loose der sächsischen Lotterie ist in diesem Zeitraume von 34,000 auf 100,000, die der Braunschweiger von 25,000 auf 84,000 und die der Hamburger von 22,300 auf 84,000 gestiegen.

Von den verderblichen Wirkungen des Lotteriespiels im Allgemeinen brauchen wir nicht ausführlich zu berichten, da dieselben zur Genüge bekannt sind. In Deutschland werden sie noch dadurch verstärkt, daß einige Staaten das Verbot erlassen haben, in fremden Lotterien zu spielen. Um dieses Verbot kümmern sich aber bekanntlich die Wenigsten; man macht kein Hehl aus solchem ungesetzlichen Handeln, welches im Volke durchaus mild beurtheilt wird. Wahrlich! die Lotterien widersprechen den Grundsätzen der Volkswohlfahrt, die aus der Sparsamkeit und Vorsorge ihre Kraft schöpft, und es ist darum zu wünschen, daß auch wir in Deutschland bald dem Vorgange anderer Länder folgen und dieselben abschaffen