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Autor: Victor Blüthgen
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Titel: Die Schätze der Rumpelkammer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 594–595
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Informationen zum zeitgenössischen Antiquitätenmarkt und -handel
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Die Schätze der Rumpelkammer.

Von Victor Blüthgen.

Es gewährt einen eigenen Reiz, die Schätze eines Antiquitätenhändlers zu besichtigen. Der Duft einer oft viele Jahrhunderte weit zurückliegenden Vergangenheit umweht sie; die Phantasie des Geschichtskundigen belebt sich an ihnen, und der Geist einer Zeitepoche, den er in sich aufgenommen hat, gewinnt in tausend kleinen Formen Leib und Blut. Die Physiognomie des täglichen Lebens, wie sie diese Kannen, Krüge, Möbel, Spiegel, Nippsachen, Kleider- und Wäschestücke andeuten, führt dem Gefühle eine Zeit viel unmittelbarer nahe, als die Ueberlieferung ihrer Staatsactionen und großen Kriege; denn an den letzteren sind nur Einzelne betheiligt gewesen, vielfach solche, welche ihre Zeit überragten; dort spiegelt sich dagegen die große Masse wieder, mit ihrem Geschmacke, ihren Sitten und Gewohnheiten, ihrer Arbeit und ihrem Vergnügen.

Ein Gang durch Museen bringt zwar Aehnliches vor Augen, wie der Antiquitätenladen, allein da ist alles so glatt und der unmittelbaren Berührung entrückt. Hier darf ich anfassen und sogar für meinen Gebrauch kaufen, was mir beliebt; die Dinge stehen noch sozusagen mitten im Leben, und die Erde, der Staub, die geheimnißvolle Dunkelheit des Fundortes, die ganze Atmosphäre der armseligen Hütte oder des alten Schlosses haften noch an denselben. Und dazu der Reiz des Wechsels: heute ist etwas da, morgen nicht mehr; dafür ist anderes eingetroffen, frisch entdeckt oder auf eine interessante Weise, oft auf fein diplomatischen Umwegen, erworben. Das hört nie auf, belebt und fesselnd zu sein.

Die meisten Gegenstände, welche das Lager des Antiquitätenhändlers birgt, haben einen größeren oder geringeren Kunstwerth; nur ein mäßiger Theil fällt ausschließlich in die Kategorie der Raritäten und Curiosa. Naturgemäß sind ja diejenigen Bestandtheile der Häuslichkeit mit der größten Sorgfalt geschont worden und haben deshalb vorzugsweise den Wechsel der Zeiten überstanden, welche einen besonderen Werth hatten, und man muß sich dessen erinnern, wenn man sich auf Grund des Erhaltenen in das Aussehen einer bürgerlichen Wirthschaft früherer Zeit hineindenken will. Die geringwerthigen Sachen werden immer die verbreiteteren gewesen sein.

Gerade das aber, was an Kunstformen in Zeichnung, Malerei, Schnitzerei, getriebener Arbeit, Guß, Töpferei u. dergl. m. übrig ist, verleiht jenen Gegenständen einen allgemeineren Werth für das Leben der Gegenwart. Es ist bekannt, daß die Blüthe des deutschen Kunstgewerbes durch den dreißigjährigen Krieg ruinirt worden ist. Nicht nur, daß alles fremde Volk, das sich damals auf deutschem Boden tummelte, raubte und fortschleppte, verdarb und vernichtete, was kunstfrohe Jahrhunderte zuvor geschaffen, nicht nur, daß Deutsche selbst zur Gewinnung von Geldmitteln vielfach Kunstwerke aus Edelmetall auf den Metallwerth reducirten: vor allen Dingen wurde wenig Neues geschaffen, und der Sinn für die alte Kunst und die Ueberlieferung der Technik gingen allgemach verloren. Bis in das achtzehnte Jahrhundert hinein dauerte der Todeskampf des altdeutschen Kunststils.

Eben weil die Ueberreste der Renaissance Deutschlands in Schmuck und Geräth, welche aus jener Zeit vor dem Unglückskriege stammen, uns so spärlich erhalten geblieben sind und zugleich doch den Höhepunkt der älteren deutschen Kunst bezeichnen, eben deshalb ist jeder Fund aus dieser Zeit so werthvoll. Jede noch unbekannte Form, und wäre sie nur an einem vereinzelt erhaltenen Stuhlbein erkennbar, bereichert unsern Vorrath an originalen Kunstideen und Kunstmustern, durch welche wir allmählich Kunst und Geschmack wieder in die Eintönigkeit unserer Wohnungen einzuführen vermögen.

Denn das achtzehnte Jahrhundert bringt uns keine deutsche Kunst wieder, sondern importirt nur den Kunstverfall Frankreichs nach Deutschland, vom Rococo bis zur Verwilderung im Barock, und nach der kurzlebigen Episode des antikisirenden französischen Imperialstils hört mit den Freiheitskriegen jedes künstlerische Schaffen im Gewerbe auf. Da beginnt jene dürftige Nüchternheit im Häuserbau wie in der Beschaffung der Möbel, Geräthe, Wäsche, des Schmuckes, welche mit der Dutzendfabrikation und der Thatsache endigte, daß man überall, vom äußersten Westen bis zum äußersten Osten Deutschlands, beim Mittelstande dieselben dürftigen, kunst- und geschmacklosen Stühle, Tische, Kommoden, Schränke, Spiegel, Papiertapeten, Rückenkissen und gehäkelten, gestärkten und gebläuten Schutzdeckchen finden konnte.

Die Uebung der Gewerbe vor zwanzig Jahren konnte füglich der Meister entbehren; dieselben durften ruhig spazieren gehen und irgendwo einkehren – die Gesellen, ja die Lehrjungen daheim waren für die Leistungen der Zeit genügend. Jetzt ist da Wandel geschafft und rasch fortschreitende Besserung unverkennbar; denn es ist – und diesmal dem Himmel sei Dank! – „Mode“ unter Gebildeten geworden, sich „stilgerecht“ einzurichten.

Weit zahlreicher, als die Renaissancesachen, sind die französirenden Formen des vorigen Jahrhunderts erhalten. Die besseren sind nicht ohne Reiz, wenn auch vieles nur um des Materials willen, wie die Porcellane und Schmucksachen; anderes ist wegen der sorgfältigen und feinen Arbeit kostbar. Jedenfalls ist der Reichthum an Formen außerordentlich. Manchen mag es reizen, neben Renaissancezimmern auch ein Zimmer à la Rococo auszustatten, dessen spielende, leichte und graziöse Art doch auch unsere Maler gern in Blldern wiedergeben, und man kann sich ein solches Zimmer unschwer in überkommenen, geschickt reparirten Originalbestandtheilen einrichten, welche an Preis den guten Renaissance-Arbeiten beträchtlich nachstehen und ebenso zum Theil den werthvollen Leistungen unserer neu aufblühenden Kunstindustrie.

Nicht diese Erwägungen aber sind es, die mich veranlaßten, dem Leser die Thür einer Antiquitätenhandlung aufzuschließen, sondern zwei andere Gesichtspunkte. Es handelt sich erstens darum, auf Geldwerthe aufmerksam zu machen, welche in so manchem Haushalt, bis in die ärmste Gebirgshütte hinein, als todtes Capital lagern und zum Theil ein Vermögen repräsentiren, das der Antiquitätenhändler unter Berechnung seines Profites mit Vergnügen flüssig macht; es handelt sich zweitens darum, zu verhüten, daß diese Capitalien, und mit ihnen unersetzliche Reste der Kunst unserer Vorfahren, aus Unkenntniß ihres Werthes zerstört werden.

Da steht irgendwo in einem einsamen Häuschen ein alter Krug, mit Figuren dran und bunt bemalt; es ist einer jener „Apostelkrüge“, von denen Kortüm’s „Jobsiade“ singt:

„Apostel nennt man große Krüge;
Darein geht Wein und Bier zur Genüge.“

Der Besitzer findet ihn ganz hübsch, aber welche freudige Ueberraschung würde es in einer Nothlage für ihn sein, plötzlich zu erfahren, daß man diese Krüge mit ein- bis dreihundert Mark bezahlt! Bei einer Hökerin steht ein alter Tisch mit eigenthümlich geformtem Fuß; der Tisch ist wurmstichig, zerbrochen; er soll zerhackt werden. Vielleicht kann diese Frau mit dem Erlös aus dem einzigen Tischfuß sich die Heizung für ein paar Monate kaufen. Irgendwo befindet sich ein alter bunter Porcellanofen mit Figuren dran; er taugt für seinen Zweck nicht mehr, und der Ofensetzer sagt: er sei nur zum Wegwerfen gut. So wird er denn ohne Umstände abgetragen, zerschlagen, auf dem Kehrichthaufen untergebracht. Und für ein paar dieser Figurenkacheln hätte der Antiquitätenhändler soviel bezahlt, daß die Besitzer sich den neuen Ofen davon hätten bauen lassen können. Die Bauern eines thüringer Dorfes fanden bei Verlegung einer Gruft auf dem Gottesacker eine alte kunstvoll gearbeitete Gnadenkette in Goldemail. Mein [595] Gewährsmann bekam sie zum Kauf angetragen, ließ aber den Leuten Zeit, sich über den Werth zu informiren; schließlich forderten sie fünfzehnhundert Mark. Er erwarb sie; sie repräsentirte das Zehnfache und mehr ihres Goldwerthes. Wie unvorsichtig oft Leute mit diesen Werthobjecten umgehen, davon bekam mein Gewährsmann ein drastisches Beispiel in die Hand. Er gab sich Mühe, aus einem Nachlasse etwas zu erwerben, der einer Wirthschafterin geworden, fand aber wenig Geneigtheit. „Hier, diese Dose will ich Ihnen schenken,“ rief endlich die Ungeduldige, „unter der Bedingung, daß Sie die Hand von dem Uebrigen thun!“ Und der Werth dieser Dose? – Tausend Mark.

Wenn nun auch die Ueberbleibsel aus früheren Jahrhunderten sämmtlich Werth haben, selbst zum großen Theil beschädigte Sachen, ja spärliche Reste, wie die Fetzen von gemusterten Zeugen, Spitzen, einzelne Möbeltheile, Beschläge u. dergl. m., welche Spuren von Kunst zeigen, so beabsichtige ich doch nicht, die Illusion zu erwecken, als wären mit jedem Stück Unsummen zu lösen. Der Werth ist ein sehr relativer und oft in kurzer Zeit wechselnder, je nach Angebot und Nachfrage. Gewöhnlichere und häufigere Sachen sind überhaupt billiger; so werden einfache Krüge und Gläser nur mit einer Mark bis zu einem Thaler bezahlt, die kostbaren, wie die genannten Apostelkrüge, Wappengläser, Kurfürstenkrüge und -gläser, die Kölner Pinten und andere mit hunderten. Die einfachsten alten Handtücher gelten vier bis zehn, die alten schönen Leinenhandtücher mit Spitzenbesatz bis fünfzig und mehr Mark.

Selbst der Antiquitätenhändler ist nicht immer sicher über den Werth einzelner Objecte; mein Gewährsmann verkaufte ein paar Gläser für fünfzig Mark und sah sie kurz darauf für zweihundert versteigern. Alte Portraits hatten früher wenig Werth; neuerdings hat sich derselbe durch einen sehr lustigen Umstand auffällig gesteigert: In Amerika ist es seit einiger Zeit bei einigen reichen Sonderlingen Mode geworden, sich – Ahnenbilder anzuschaffen. Natürlich weiß von diesen rasch reichgewordenen Ahnenlustigen ein großer Theil kaum etwas von seinem Großvater, aber der Amerikaner ist praktisch. Er kauft sich eine Anzahl alter Portraits zusammen, hängt sie auf – und die Ahnen sind da. Seine erfinderische Phantasie wird sich unschwer die Geschichte der einzelnen Personen und ihre Namen zurechtstellen, und schon der Enkel wird, die „Familientradition“ im Kopfe, ehrfurchtsvoll zu diesen altergebräunten „Vorfahren“ aufsehen. Große Mengen solcher alter Portraits werden von Hamburg aus nach Amerika exportirt.

Hoch im Preise stehen Metallarbeiten. So machen sich alte Rüstungen und Waffen, auch andere Eisenarbeiten, wie Gitter, sehr gut bezahlt, und reich gearbeitete Zinn- und Kupfersachen aus der Renaissance, namentlich Innungsgegenstände, werden zum Theil mit Silber aufgewogen. Weit kostbarer noch sind im Verhältniß die besseren Sachen in Edelmetall, besonders wenn sie Steinbesatz haben. Auch die guten alten Porcellane, das Meißner, Alt-Wiener, die von Sèvres und Wedgwood, das alte chinesische, sind sehr kostbar, vor allem Vasen, Figuren, Gruppen, Flacons; je älter sie sind, desto werthvoller schätzt man sie.

Es ist schwer, mit einem Blick über die Antiquitätenvorräthe einer bedeutenderen Handlung sich in der Mannigfaltigkeit der Gegenstände zurecht zu finden, die hier in Frage kommen.

Eine leicht unterscheidbare Gruppe bilden die Porcellane in Geschirren, Vasen, Figuren, die parallelen Arbeiten in Steingut, Majoliken, Fayencen. Den Löwenantheil in Steingut haben die Krüge, welche oft ihre Bestimmung als Hochzeits-, Trauerkrüge u. dergl. m. verrathen; das Uebrige sind zumeist urnenartige Sachen, Kannen, Schüsseln, unter welch letzteren die sonnenblumenartigen Taufschüsseln auffallen.

Von Glassachen sind besonders werthvoll die Gläser mit alter Emailmalerei, alte Fenstermalerei und gut geschliffene Sachen; sehr zahlreich treten die buntgemalten Gläser des vorigen Jahrhunderts auf, deren Farben aber nicht dauerhaft sind. Letztere Epoche zeichnet sich auf dem Gebiete der Uhren durch ungemeine Mannigfaltigkeit und oft durch die barocksten Formen aus, aber auch durch zuweilen äußerst künstliche Arbeit mit theurem Material; ebenso bietet diese Zeit die mannigfachsten Bijouteriewaaren, darunter Spielereien der wunderlichsten Art in Elfenbein, Silber- und Goldfiligran, geschnittenen Steinen u. dergl. m.

An Papiersachen fallen die zahlreichen Fächer aus dem vorigen Jahrhundert in’s Auge; daneben Bilderbogen mit Caricaturen. Von Büchern nehmen natürlich die geschriebenen, durch farbige Initialen oder gar bunte Handzeichnungen geschmückten aus der Zeit vor der Erfindung der Druckerkunst die erste Stelle ein.

Nun kommen Stoffe daran, Erbstücke an Taufkleidern, Hochzeits- und Festgewändern, die zuweilen durch Jahrhunderte von einer Generation der Familie zur andern gewandert sind, zum Theil wunderschöne Arbeiten der Handstickerei, auch andere durch die kunstvolle weibliche Hand geschmückte Gegenstände, ferner Gobelins, Spitzen, letztere unter Umständen enorm bezahlt, wie die Brabanter und Brüsseler.

Eine ganz eigene Kategorie bilden die Kirchensachen, in Metallgegenständen, Gewändern, Decken, Spitzen u. dergl. m., und sie liefern oftmals künstlerische Cabinetstücke von höchstem Werth.

An Möbeln sind aus der Renaissancezeit große Wäscheschränke, Hölzstühle, vielfach mit schöner Schnitzerei an der Lehne, auch beschlagene Truhen und Laden, namentlich Innungsladen, reichlicher erhalten, seltener die zierlicheren Schränke mit Malerei oder eingelegter Arbeit und Schnitzwerk. Zahlreicher sind die Möbel des vorigen Jahrhunderts mit ihren geschweiften und gerundeten Formen und den Bronzebeschlägen vertreten. Die gerundete Linie, ferner in der Verzierung die Muschel und das die Natur nachahmende, nicht stilisirte Blumenornament, sowie der Bronzebeschlag sind für diese Zeit charakteristisch. Beschädigte und nur in Bruchstücken erhaltene Exemplare lassen sich ergänzen und brauchbar gestalten, wie ich bei meinem Gewährsmann sah, der auch die Bronzebeschläge nachgießen läßt, und der Umstand, daß er an letzteren alljährlich für zwei- bis dreitausend Mark verbraucht, bezeugt, daß die Liebhaberei an diesen Möbeln ziemliche Verbreitung erlangt hat, ebenso, daß von Zeit zu Zeit veranstaltete Auctionen von für den Gebrauch hergerichteten Ueberresten des vorigen Jahrhunderts stets ein gutes Resultat erzielen.

Interessante Ergebnisse liefert ein Blick auf die Fundorte dieser Reste einer vergangenen Zeit; der Antiquitätenhändler auf der Suche operirt, indem er sich diese Ergebnisse zu Nutze macht, mit einem gewissen Plane. Am meisten versprechen Gegenden, welche von den großen Kriegen der beiden letzten Jahrhunderte verschont geblieben sind; so die höher gelegenen Gebirgsgegenden, Fichtelgebirge, Harz und andere, ferner diejenigen Striche, welche in der Nähe ehemaliger Stätten der Wohlhabenheit und Kunstpflege liegen, und hier wieder besonders Orte, welche mit denselben durch belebte Verkehrswege, namentlich Wasserstraßen, verbunden waren. Ziemlich häufig quellen die Schätze aus verborgenen Wandschränken alter Häuser und Schlösser, deren gar manche noch heute der Entdeckung harren. Mein Gewährsmann hat selbst mehrere solcher Verstecke aufgespürt, so einen überklebten Wandschrank mit zahlreichen Bronzesachen von Werth. Alte Münzen wurden mit Vorliebe in der Nähe der Feuerstätten, um Oefen, Kamine vergraben, wie noch heute die Goldgräber der Minen ihren Fund gern unter den Feuerstätten vor den Augen habsüchtiger Genossen schützen. Alten Hausrath, Kleidung, Wäsche u. dergl. bergen Rumpelkammern und Böden, letztere vorzugsweise – es ist sonderbar – in der Gegend der Schornsteine. Sehr bedeutsam als Fundorte sind die Sacristeien alter Kirchen und noch manches arme Kirchspiel besitzt da ein Vermögen, ohne es zu wissen. Die kostbarsten Sachen aber liegen in Grüften verschlossen, und die Ueberführung von Särgen und Resten aus Erbbegräbnissen und Kirchengewölben sollten nie ohne Bewachung vorgenommen werden; denn massenhaft wird hier verschleppt, gestohlen und durch heimliches Einschmelzen ruinirt. In einem thüringischen Orte fand man vor einiger Zeit ein paar der theuersten Perlen, wahre Prachtstücke, auf Gräbern verstreut, welche bei einer solchen Gelegenheit verschleppt worden waren.

Doch genug! Die vorstehenden Mittheilungen werden genügen, um die Aufmerksamkeit in weiten Kreisen auf die Schätze der Rumpelkammer zu lenken. Nur möchte ich im Interesse der Volksmoral und Unkundiger, welche ich gern vor Schaden bewahrt sähe, hinzufügen, daß eine freie Verfügung über solche Antiquitäten nur Denjenigen zusteht, welche ein directes Eigenthumsrecht an denselben, durch Erbschaft u. dergl., haben. Leider sind vielfach die Gesetze über „Funde“ im engeren Sinne für den Finder und den billigen Wunsch einer baldigen Verwerthung des Gefundenen so ungünstig, daß in ihnen für den armen Mann die Versuchung liegt, solche Sachen, die ihm ein Glückszufall in den Schooß wirft, heimlich zu veräußern und, was für die Kunst das Schlimmste ist, sie zuvor durch Einschmelzen unkenntlich zu machen.