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Titel: Die Papierschlacht
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aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 116
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1896) b 0105.jpg

Die Papierschlacht.
Nach einer Originalzeichnung nach Oskar Gräf.


[116] Die Papierschlacht. (Zu dem Bilde auf S. 105.) Wie eine, Art von närrischer Influenza packt alljährlich um dieselbe Zeit die Menschen eine seltsame Lust, allerlei verrücktes Zeug zu vollführen und tollen Mummenschanz zu treiben. Das geschieht im Fasching, der sonst ganz gesetzte Leute zu verleiten vermag, einzustimmen in den lärmenden Chor der Narren und dem Prinzen Karneval zu huldigen. Die Fastnacht ist ein rechtes Allerweltsfest, und gewisse Grundzüge des fröhlichen Treibens sind und bleiben immer und überall die gleichen! Trotzdem finden jedoch in Einzelheiten ab und zu Neuerungen statt, die der Narrenmelodie einen Ton hinzufügen und einige Abwechslung in das Karnevalstreiben bringen. Dahin gehört beispielsweise das neuerdings aufgekommene Werfen mit Papierconfetti und Papierschlangen. Im Fasching des Jahres 1891 bewarf man sich auf dem Pariser Opernball und auf den Boulevards zum erstenmal mit kleinen Papierschnitzeln, die mit weitgehender Freiheit des Sprachgebrauches „Confetti“ – wie die in Italien gebräuchlichen

Die Gartenlaube (1896) b 0116.jpg

Wurfgeschosse aus Gipsmehl – genannt wurden, und gegenwärtig sind schon verschiedene große Fabriken ausschließlich mit der Herstellung dieser Schnitzel beschäftigt, deren jährliche Gesamterzeugung man auf Millionen Kilo schatzt. Gleichzeitig sausten damals, auch die ersten papierenen „Serpentinen“ durch die Luft, die sich gleich den Confetti auch rasch auswärts einbürgerten. Seitdem werden als Gegenstück zu der berühmten „Blumenschlacht“ bei dem Karneval von Nizza vielerorts während des Faschings „Papierschlachten“ geliefert, deren eine uns das Bild auf S. 105 vor Augen führt. Lustig genug geht’s da her, und Seine Tollheit der Prinz Karneval kann sich keine ergebeneren und getreueren Unterthanen wünschen. Wohin man blickt in dem großen, rings von Galerien umgebenen Saale, in dem der Maskenball stattfindet überall schaut man fröhliche Mienen, vor Karnevalslust funkelnde Augen und hört fröhliches Lachen und Scherzworte. Die Schellen klingen, die Pritschen klappern; hochauf schäumen die Wogen der Faschingsfreude, und die Papierschlacht, bei der sich der karnevalistische Uebermut so recht Luft machen kann, ist in vollem Gange! Vom Saale schwirren immerfort die bunten Papierschlangen zur Galerie empor. Besonders die Damen, die durch die Abwechslung ihrer bunten, phantastischen Kostüme dem Feste seinen Hauptreiz verleihen, haschen eifrig nach den emporfliegenden Papierraketen und beeilen sich dann, auch ihrerseits bunte Geschoße nach unten zu senden. Mit dem Zischen dieser durch die Luft sausenden Serpentinen vermischt sich das Knallen der Champagnerpfropfen, der Sekt schäumt in den Kelchen – ein rechtes Sinnbild der so rasch verrauschenden Karnevalslust selber. Doch wer mag jetzt schon an den düsteren Aschermittwoch denken, wo alles tollt und jubelt? Nein, gebt euch nur mit voller Seele dem Reize des Augenblicks in der nur einmal im Jahre wiederkehrenden karnevalistischen Heiterkeit, die keine ernsten Gedanken aufkommen läßt, hin - eingedenk des Dichterwortes:

„Der Weiseste unter den Weisen ist,
Der alle Weisheit bisweilen vergißt!“