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Textdaten
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Autor: Heinrich Pröhle
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Titel: Die Männchen und die Bauernsöhne
Untertitel:
aus: Kinder- und Volksmärchen. S. 99-107
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Avenarius und Mendelsohn
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf commons
Kurzbeschreibung:
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30. Die Männchen und die Bauernsöhne.

I.

Es war einmal eine Prinzessin, die hatte ein Gesicht wie Milch und Blut so wacker, und Hände so weiß wie Schnee, und solche Prinzessinnen verlangten in alten Zeiten immer viele Ritter zu heirathen. Weil aber immer der Rechte nicht kam, beredete sie sich mit ihrem Vater und setzte aus drei Kränze, und wer die drei Kränze bekäme, den wollte sie zum Gemahl nehmen.

Nun war im nächsten Dorfe von der Königsstadt aus ein Bauer, der hatte drei Söhne, davon galt der jüngste für einfältig. Die beiden ältesten bekamen Pferde und ritten als Zuschauer mit ihrem Vater an dem Tage, welchen der König festgesetzt, auf das Kranzreiten. Der jüngste muß zu Hause bleiben und soll den Stall reinigen. Als er [100] aber in den Stall kommt, steht da ein schwarzes Pferd und davor ein weißes Männchen, das gibt ihm Ritterkleidung und sagt: er sollte sich auf das Pferd setzen, er sei Der, der den Kranz der Prinzessin erhalten könne, solle aber beim Kranzreiten mit Niemand reden. Der Junge setzt sich auf das Pferd und das Pferd jagt, als ein Vogel fliegt, nach der Stelle, wo der Kranz ausgegeben wird. Da waren viele Ritter, aber keiner davon konnte ihn im Reiten einholen, und so gewann er auch den Kranz. Dann jagte er schnell nach Hause, lieferte im Stalle Alles an das weiße Männchen ab und das verschwand damit. Am zweiten Tage reitet der Vater mit den ältesten beiden Söhnen, die den Bruder nicht erkannt haben, wieder auf die Augenweide. Als der dritte wieder in den Stall kommt, steht da ein Schimmel und das weiße Männchen ist wieder dabei und sagt: hier hätte er wieder ein Pferd, dazu solle er wieder die Ritterkleidung anlegen, aber ja mit Niemand reden. Er thut Alles, was das weiße Männchen befiehlt und erhält auch den zweiten Kranz. So gelangt er glücklich nach Hause, bringt den Schimmel in den Stall, das weiße Männchen ist wieder da, sagt auch zu ihm, die Kränze solle er ja verwahren, daß sie nicht abhanden kämen. Den dritten Tag solle er wieder Vater und Bruder vorweglassen und dann solle er wiederkommen, das würde noch ein heißer Tag für ihn sein. Darauf verschwindet das weiße Männchen von neuem mit Roß und Ritterkleidung.

Er that aber so wie das weiße Männchen befahl. So kam der dritte Morgen, wo Vater und Bruder wieder abzogen und dem dritten Bruder aufgaben, die Mahlzeit zu bereiten, damit sie zu essen fänden, wenn sie nach Haus kämen. Als sie aber fort waren, ging der in den Stall, da war das weiße Männchen wieder mit einem Bleßfuchse, kleidete ihn wieder als Ritter an und sprach: heute würde [101] er den dritten Kranz erhalten, aber die Ritter würden nach seiner Ferse schießen, um ihn zu zeichnen; dazu habe die Prinzessin den Befehl ausgegeben, weil sie nicht wüßte, wer er sei und wohin er gehöre. Er möge aber nicht ängstlich sein, sie schössen ihn nicht todt, und der Schuß würde nur zu seinem Glücke dienen.

Der Bauernsohn gewann auch diesmal den Kranz, aber nun hatten alle Ritter einen Kreis geschlossen, um ihn nicht durchzulassen. Doch das Fuchspferd floh wie ein Pfeil durch sie hindurch. Da schossen sie ihm nach und so erhielt er den Schuß in den linken Hacken. Wie er vor den Stall kam, da war das weiße Männchen gar sehr geschäftig, es hatte schon die Stallthür aufgemacht, zog ihm die Ritterkleidung ab, legte ihn im Hause ins Bett und befahl dann: den Vater möchte er sogleich zum Arzte schicken, daß der ihn verbinde, und verschwand.

Der Vater aber zürnte, als er nach Hause kam und kein Feuer auf dem Herde lodern sah, und als er seinen jüngsten Sohn im Bette erblickte, da sagte er, er werde ja wol faulkrank sein. Nun sagte der Sohn, er hätte einen Schuß, der müßte verbunden sein, und der Vater spottete: „Du alberner Junge, du wirst mir einen schönen Schuß im Bein haben! Wer heute seinen Schuß im Bein hat, der ist ein gemachter Mann, er freit die Königstochter und bekommt das Königreich. Der Teufel hat dich doch nicht dort gehabt, daß die Ritter auf dich geschossen haben?“ Der Arzt wird aber geholt, verbindet ihm den Hacken, ist sehr verwundert über den Schuß im Beine des Bauernsohnes und breitet seine Verwunderung in der ganzen Welt aus.

Alsobald kommt eine Kutsche vom Königshofe und holt den Bauernsohn dahin ab, nachdem zuvor auch die drei Kränze bei ihm gesucht und im Ausladeholz im Stalle gefunden sind. [102] Nun ist die Prinzessin aber nicht mit diesem Bauernburschen zufrieden gewesen. Der König sagt, sie hätte es einmal ausgegeben um die Kränze, also wollten sie ihn krönen. Aber die Königstochter beruhigt sich noch immer nicht, läßt eine Mauer bauen, die war zwölf Fuß hoch und nicht mehr als sechs Quadratfuß lang, da sollte er in einer bestimmten Zeit vierundzwanzigmal herumjagen, und wenn ein Anderer darauf ritte und der wäre glücklicher als er, so wollte sie Den freien. Sie hoffte aber, er würde herunterstürzen und mit seinem Pferde den Hals brechen.

Die Königstochter war aber so schön, daß sogleich viele Ritter sich mit ihren Rossen auf die Mauer drängten, die stürzten Alle herunter und brachen den Hals.

Am zweiten Tage sollte der junge Bauer der Erste sein. Am Abende vorher sagte ihm der alte König, er solle sich das beste Pferd in seinem Stalle auswählen. Allein er konnte die ganze Nacht nicht schlafen und in der letzten Stunde kam das weiße Männchen und sprach: es hätte ihm in den Marstall unter die Pferde des Königs ein Pferd hingestellt in die Ecke, das würde schon auf der Mauer gehen können. Er solle aber das Beste nicht vergessen, wenn er den Sieg davongetragen hätte und zu seinem Glück gelangt wäre.

Der Bauernsohn wählt sein Roß im Marstalle des Königs, thut als suche er lange hin und her, läßt dieses und jenes Pferd auf den Königshof herausführen, hat aber an allen so viel zu tadeln wie ein Roßkamm, wenn er Pferde aufkauft, und geht endlich noch einmal in den Stall hinein und sagt, so würde er wol das hinterste Pferd nehmen müssen, das schiene ihm noch das beste. Das ist aber das von dem weißen Männchen gewesen. Am andern Morgen wurde das Gerüst wieder an die Mauer gestellt, an dem die übrigen Reiter mit ihren Pferden mühsam emporgeklimmt [103] waren, und die Stallknechte kamen herzu, um das Pferd langsam am Zügel auf dem steilen Wege die Mauer hinan zu führen. Aber das lief das Gerüst hinan wie eine Katze. Alle Minister und Räthe sahen ihm zu, denn es war für das ganze Land von Wichtigkeit, ob das Pferd herabstürzen würde, und wenn es sich droben erhielt, so ward der Bauernsohn König.

Wie das Roß des weißen Männchens auf der Mauer war, da war es, als wäre es als Füllen dort auf der Mauer von seiner Mutter geworfen, als wäre es dort gesäugt und sein Lebtage geweidet worden, denn es machte ganz curiose Sätze, sodaß alle Minister und Räthe sich des Todes verwunderten und der alte König, der ein Pferdekenner war, sagte, er habe nicht geglaubt, daß er ein solches Pferd in seinem Marstall habe. Und so galoppirte es vierundzwanzigmal mit dem Bauernsohne um die Mauer herum, und warf dabei immer ganz vergnügt den Kopf auf und ab, und als beim vierundzwanzigsten Male die Stallknechte wieder das Gerüst, das unterdessen weggenommen war, an die Mauer legten, um das Pferd mit dem Bauernsohne herunter zu lassen, da sprang es, wie eine Katze, mit seinem Reiter von der Mauer herunter mitten unter die Stallknechte, sodaß die vor Schrecken das Gerüst zu Boden fallen ließen.

Wie nun der Bauernsohn wieder unten auf der Erde war, da gab ihm der König das Königreich und als Gemahlin seine Tochter, die weigerte sich jetzt nicht länger, den Bauernsohn zu freien. Als der ihre Hand ergriff und mit der Linken noch das Roß des weißen Männchens am Zügel hielt, da drängten sich die Reitknechte, um es ihm abzunehmen, und siehe da! mitten unter den Reitknechten war auch das weiße Männchen, das wurde fast von ihnen erdrückt, drängte sich aber doch durch und nahm es ihm ganz [104] ehrerbietig aus der Hand und führte es wieder in den königlichen Marstall. Wie es ihm aber den Zügel aus der Hand nahm, da flüsterte es ihm wieder leise zu: „Vergiß das Beste nicht!“ Da ließ der Bauernsohn das weiße Männchen aus dem Stalle holen und machte es zu seinem obersten Minister, und hat mit seiner Hülfe gar weise das Land regiert, und das ist das Beste gewesen, und das Andenken dieses Königs war gesegnet bei Kind und Kindeskind.


II.

Ein andermal war auch ein Vater, der hatte gleichfalls drei Söhne, davon waren wieder zwei klug, der dritte aber war fromm und einfältig. Der Vater aber gab ihm eines Tages einen Sack zu tragen und schickte ihn in die weite Welt. Der Dumme ging traurig und kam in einen großen Wald. Da verlief er sich und setzte sich unter einen Baum und fing bitterlich zu weinen an. Auf einmal kam ein graues Männchen und fragte ihn: Was weinst du denn? Ach, sagte er, mein Vater hat mich in die Welt geschickt, und ich habe mich verlaufen und weiß nicht wohin und kann mich nicht zurechtfinden. Da führte ihn das graue Männchen aus dem Walde und gab ihm einen goldenen Schlüssel und sagte: Hebe ihn auf, und wenn du in Noth bist, wirst du ein Loch finden, wo du ihn hineinstecken kannst. Der Dumme bedankte sich und ging weiter, und er kam an den Hof eines Königs, da vermiethete er sich als Küchenjunge und blieb daselbst. Und der König hatte eine schöne Tochter, die hatte viele Freier. Sie war aber sehr stolz und wollte keinen von ihnen Allen. Da ließ der König einen Glasberg bauen, [105] hoch und steil und ganz glatt, und setzte die Prinzessin oben darauf, und ließ bekannt machen, wer auf den Berg hinaufreiten und seiner Tochter einen Kranz vom Kopfe nehmen könnte, der sollte sein Reich haben und seine Tochter zur Frau bekommen. Da kamen am bestimmten Tage viele Prinzen und vornehme Herren, und wollten auf den Berg reiten und die schöne Prinzessin heirathen. Wie sie aber hinauf reiten wollten, fielen sie Alle herunter, weil der Berg sehr glatt war, zerschlugen sich Arme und Beine und Viele blieben todt liegen. Da wollte Niemand mehr reiten, und die Prinzessin wartete bis zum Abend. Der Einfältige aber hatte sich sterblich in die schöne Prinzessin verliebt, ging traurig auf dem Felde spazieren und dachte: Hätte ich doch ein Pferd und schöne Kleider, ich wollte wol auf den Glasberg reiten! Da stieß er mit einem mal mit dem Fuß auf etwas Festes und es klang hohl, und wie er hinsah, war auf der Erde eine eiserne Thür und ein Schlüsselloch. Da zog er seinen goldenen Schlüssel, den ihm das Männchen gegeben hatte, aus der Tasche, und wie er ihn hineingesteckt hatte, sprang die Thür auf und er sah eine Treppe, da stieg er tief hinab und kam in eine Kammer, da hingen die schönsten Kleider an den Wänden mit Gold und Silber und Edelsteinen, und er ging weiter in die zweite Kammer, da sah er große Haufen von Goldstücken, und Silber und kostbare Steine auf der Erde liegen, und in der dritten Reihe standen eine Menge Pferde, und das schlechteste war schöner als die in des Königs Marstall. Da zog sich der Dumme ein schönes Kleid an, das war von Silber, steckte sich aber die Taschen voll silberner Thalerstücke, und nahm ein weißes Pferd und ritt heraus und schloß die Thür wieder zu, und da rief's: Komm noch zweimal wieder! Und er ritt an den Glasberg und Niemand kannte ihn, und Alle fragten: Wer ist der fremde Prinz? Und dem Trompeter, der vor [106] dem Glasberge stand, gab er die ganze Hand voll Thaler, und wie er an den Berg kam, gab er seinem Pferde die Sporen, und heida flog's auf den Berg, und er nahm der Prinzessin den Kranz von dem Kopfe und sprengte auf der andern Seite hinunter und über die Leute weg und war verschwunden, und ritt zu der Thür hin, und zog die schönen Kleider aus und die seinen an, und ging an den Hof zurück in die Küche, und der König wartete und kein Prinz kam. Da ließ er bekannt machen, wer den Kranz hätte, der sollte sich melden. Als am andern Tage der König und die Prinzessin sich zu Tische setzten, da trug der Dumme als Küchenjunge die Suppe auf, und er warf in die Schüssel den Kranz, und wie der König eingießen wollte, stieß er auf Etwas und zog den Kranz heraus; da wurde er böse, und ließ untersuchen, wer den Kranz hineingelegt hätte, aber sie erriethen nicht, daß der Küchenjunge es gethan hatte. Und weil sich Niemand fand, der den Kranz in die Suppe geworfen hatte, ließ der König zum zweiten male bekannt machen, wer auf den Glasberg reiten und seiner Tochter den Ring vom Finger ziehen könne, der sollte König werden und seine Tochter zur Frau haben. Als der Dumme das hörte, ging er wieder auf das Feld hinaus, und bald stieß er wieder mit dem Fuße auf die eiserne Thür, da steckte er wieder seinen goldenen Schlüssel in das Schlüsselloch, ging hinein und stieg die Treppe hinab. Da zog er ein goldenes Kleid an, nahm ein schwarzes Pferd und steckte sich die Taschen ganz voll Gold. Wie er abzog, rief's ihm nach: Komm noch einmal wieder. So ritt er wieder an den Glasberg, gab dem Trompeter eine Hand voll Gold, sprengte auf den Berg, zog oben der Prinzessin den Ring vom Finger und sprengte noch lustiger wieder herunter als das erste Mal. Wiederum war er verschwunden und brachte sein Roß und sein Kleid wieder dahin, wo er es hergenommen [107] hatte. Dann warf er wieder als Küchenjunge den Ring in die Suppe, und weil der König nicht wußte, wer es gethan hatte, ließ er bekannt machen, wer auf den Glasberg hinaufreiten und seiner Tochter den Schuh vom Fuße ziehen könne, solle sie heiraten und König werden. Da ging der Dumme wieder aufs Feld an die eiserne Thür, legte ein Gewand an, das ganz von Edelsteinen glänzte, steckte auch viele Edelsteine in die Tasche und nahm ein geflecktes Pferd. Wie er nun aus der Thür war, schlug sie mit gewaltigem Krachen hinter ihm zu, und es rief hinter ihm her: Komm nicht mehr wieder! Der Dumme gab dem Trompeter die ganze Hand voll Edelsteine, war im Nu auf dem Berge, zog der Prinzessin den Schuh vom Fuße, und jagte auf der andern Seite wieder herunter. Wiewol nun die Stimme ihm zugerufen hatte, er solle nicht mehr wiederkommen, so wollte er doch sogleich wieder nach der Thür eilen, um in der Höhle sein Kleid abzulegen und das gefleckte Pferd einzustellen. Aber er fand jetzt die Thür gar nicht mehr wieder, und wie er noch nach ihr suchte, kam die Prinzessin ohne Schuh daher, und zog mit ihrem Gefolge um den Glasberg herum, um nach dem Königsschlosse heimzukehren. Da erkannten Alle den Ritter, der der Königstochter den Schuh vom Fuße gezogen hatte, und sie sahen auch, wie er den Schuh noch in der Hand hielt. Da wurde der Küchenjunge König und heirathete die Prinzessin, und wenn sie noch nicht gestorben sind, so leben sie heute noch. [108]