Die Geschichte eines Meteorsteines

Textdaten
Autor: H. Lense
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Titel: Die Geschichte eines Meteorsteines
Untertitel:
aus: Die Burg. Illustrierte Zeitschrift für die studierende Jugend, 2. Jahrgang, S. 109–110
Herausgeber: Prof. J. Hartorius und Oberlehrer K. Faustmann, Mainz.
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Verlag der Paulinus Druckerei
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Erscheinungsort: Trier
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Quelle: Commons
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FileBendegó meteorite, front, National Museum, Rio de Janeiro2.jpg
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[109] Die Geschichte eines Meteorsteines. Von H. Lense.


Der größte bisher auf der Erde gefundene Meteorstein wurde 1784 am Ufer des Flusses Bendengo in der brasilianischen Provinz Bahia von einem Hirten entdeckt. Vierzig Jahre blieb er unberührt liegen. Dann untersuchte ihn eine englische Kommission, berechnete sein Gewicht auf 8700 Kilogramm und stellte fest, daß er an der Oberfläche aus 91% Eisen, 6% Nickel und 3% Schlackenbeimengungen bestand.

Ein zu der Kommission gehörender Chemie-Professor sprach die Vermutung aus, daß sich vielleicht das schwerere Silber, von dem man an der Oberfläche nur ganz geringe Spuren gefunden hatte, in der Mitte des vor seinem Sturz auf die Erde bis zur Weißglut erhitzten Meteorsteins zusammengezogen habe. Daher ließ die brasilianische Regierung in den gewaltigen Koloß Sprenglöcher bohren und ging ihm mit Pulver zu Leibe; jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Zwar brachen Stücke ab, aber bis zur Mitte gelangte man doch nicht.

Inzwischen hatten auch andere Gelehrte ihr Gutachten abgegeben. Sie verwarfen sämtlich die Annahme des englischen Professors von dem Silberkern des Meteorsteines. Daraufhin wurden die Sprengversuche eingestellt. Die abgesprengten Stücke aber wurden an ausländische Museen verkauft.

Im Jahre 1862 wurde die Ruhe des mächtigen Himmelskörpers dann abermals gestört. Man wollte ihn nach der Stadt Bahia schaffen, um ihn zu einem Denkmal zu verwenden.

Er wurde zunächst vollständig aus der ihn zur Hälfte einschließenden Erde ausgegraben. Nachdem man eine aus Holz bestehende Gleitbahn angelegt hatte, spannte man eine Unzahl von Ochsen und Pferden vor, bis 100 Stück. Trotz dieser recht erheblichen Zugkraft vermochte man den Riesen in acht Tagen nur ganze 150 Schritt vorwärts zu bringen. Da gab man die Sache als aussichtslos [110] vorläufig auf. Wieder gönnte man dem auf die Erde verschlagenen Weltenbummler zwanzig Jahre Ruhe. Dann spendete ein reicher Brasilianer, Pedro Gonzales, die Summe von einer Million, damit der Meteorstein in das neue Nationalmuseum nach Rio de Janeiro gebracht würde.

Mit Hilfe von Dampfwinden und unter Benutzung eines zu diesem Zwecke besonders angelegten Schienenstranges, der Anschluß an die nächste Staatsbahnlinie hatte, gelang das große Werk auch tatsächlich.

Im Innenhofe des brasilianischen Nationalmuseums lagert jetzt der mächtige Erzkoloß, der trotz der Sprengversuche noch immer das schöne Gewicht von 5343 Kilogramm besitzt. Der großmütige Millionen-Spender Gonzales aber muß wohl ein ganz geriebener Geschäftsmann gewesen sein. Er hatte sich nämlich von der brasilianischen Regierung vertraglich zusichern lassen, daß die für den Transport des Meteorsteines auf seine Kosten gebaute Schienenstrecke, die etwa 30 Meilen weit durch flaches Land führte, in seinen Besitz übergehen solle. Da jenes Gebiet bald darauf der Kolonisation erschlossen wurde, machte Gonzales mit seiner Privatbahn, deren Geleise er inzwischen wesentlich verstärkt hatte, glänzende Geschäfte und soll nicht nur eine, sondern recht viele Millionen damit verdient haben.