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Textdaten
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Autor: Gustav Heubner
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Titel: Die Frauenhand
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 417
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[417]
Album der Poesieen.
Nr. 18
Die Gartenlaube (1858) b 417.jpg

Die Frauenhand.

Als der Herr der Welt den Menschen
Einst aus Edens Thal verstieß.
Ließ er ihm doch mild das Beste
Vom verlornen Paradies.
Denn auf seinem Lebensgange
Von der Wiege bis zum Grab,
Führt ihn mit der Liebe Scepter
Und der Anmuth Zauberstab,
Ordnend, bildend und verschönend,
Segnend, heilend und versöhnend,
Durch das ird’sche Pilgerland
Freundlich – zarte Frauenhand.

Tritt das Kind in’s Leben ein,
Und begrüßt das Licht des Tages
Mit des Schmerzes bangem Schrei’n.
Doch mit liebeglüh’ndem Walten,
Unermüdlich Tag und Nacht,
Hegt und nährt den schwachen Funken,
Pflegt und wartet, sorgt und wacht,
Zieht im Geiste und Gemüthe
Jeden guten Keim zur Blüthe,
Gründet ihm des Lebens Stand –
Mütterliche Frauenhand.

Keck mit ungestümem Drange
Stürmt der Jüngling in die Welt,
Probt im Lebenskampf die Kräfte,
Die kein sichrer Zügel hält.
Durch des Daseins Höh’n und Tiefen
Tobt er fort in wildem Lauf;
Doch in einer schönen Stunde
Geht des Lebens Stern ihm auf.
Und im grünen Zweig der Myrthe
Reicht ihm Maß und Ziel und Würde
Und des Glückes Unterpfand –
Eine holde Frauenhand.

Brütend über tiefen Plänen,
Von der Sorge hart bedrängt,
Finstre Wolken auf der Stirne,
Sitzt der Mann, das Haupt gesenkt.
Da mit unerhörbarem Schritte
Schwebt es leise zu ihm her,
Legt sich’s weich mit sanftem Drucke
Auf die Stirne, heiß und schwer.
Und magnetische Gewalten
Glätten schnell die düstern Falten;
Müh’ und Gram und Sorge bannt –
Eine liebe Frauenhand.

Müde von der Lebensarbeit,
Matt von schwerer Tageslast,
Sehnt am stillen Feierabend
Sich der Greis nach Ruh’ und Rast.
Da bewährt, gleich lauterm Golde,
Sich die Liebe wahr und echt;
Und es legt zum süßen Schlummer
Ihm das Kissen sanft zurecht.
Pflegt ihn bis zum letzten Hauche,
Drückt ihm zu das müde Auge,
Führt ihn bis an’s bess’re Land –
Eine treue Frauenhand.

Gustav Heubner.