Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Die Felsenkirche
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aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 47–48
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
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Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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[47]
Die Felsenkirche.

Nach der ehemaligen Abtei Allerheiligen führt, von Oppenau her, der Weg durch ein wildes Thal aufwerts. Nicht weit davon liegt, auf einer einsamen Waldstelle, ein riesiger Felsen, der beinahe die Form einer halbzerfallenen Kirche hat. Wirklich soll er auch in uralten Zeiten eine Kirche, und zwar eine der ersten christlichen Kirchen des Landes gewesen seyn, die ein edler Alemanne gestiftet habe. Von diesem gebt folgende Sage:

Er hinterließ sieben Töchter, die eben so schön als fromm waren und auf der väterlichen Burg miteinander in tiefer Stille und Eingezogenheit lebten. Es war um die Zeit, als der Hunnenkönig Attila, die Geißel Gottes genannt, mit seinen unzählbaren wilden Horden an den Rhein kam, um auch Gallien zu überschwemmen. Er ließ eine ungeheure Menge Flöße bauen, um darauf überzusetzen. Von den Haufen, die ausgeschickt wurden, um das nöthige Holz dazu im Schwarzwalde zu fällen und herbeizuschaffen, kam einer durch Zufall auf die Burg, wo die Schwestern hausten. Diese rohen Kriegsmannen ehrten eben so wenig die Tugend als die Wehrlosigkeit, und wollten ihren frechen Begierden freien Zügel lassen. Die Jungfrauen sahen hier nur die Wahl zwischen Tod und Schande; aber sie waren augenblicklich entschlossen, ersteren vorzuziehen. Da rieth ihnen ein alter getreuer Diener, sich gegen Abend durch einen unterirdischen Gang in die Kirche zu flüchten, welche ihr Vater erbaut hatte. Er hoffte, bis dahin die wüsten Gesellen beim Trunke hinhalten zu können und meinte, sie würden nicht so leicht darauf verfallen, auch in die Kirche zu dringen, die hinter einem Wäldchen ziemlich versteckt lag. Die sieben Schwestern befolgten diesen [48] Rath und erreichten auch glücklich die heilige Stätte; aber ein treuloser Knecht, der ihre Flucht bemerkt hatte, verrieth den Hunnen das Geheimniß. Diese stürzten wutherfüllt nach der Kirche; als sie aber deren fußdicke eichene Pforte verriegelt fanden, fällten sie einen jungen Tannenstamm, um damit wider dieselbe Sturm zu rennen und sie zu sprengen. Doch als sie vom Walde zurückkehrten, um dies Vorhaben auszuführen, war der Eingang zur Kirche nicht mehr zu finden. Nirgends eine Spur mehr von einer Pforte; sogar die Fenster und anderen Oeffnungen waren verschwunden. Wohl stand die Kirche noch da, jedoch nur als ein mächtiger, undurchdringlicher Fels, aus dessen Innern leis und schauerlich ein Psalmenchor jungfräulicher Stimmen ertönte.

Noch vernimmt zuweilen der einsame Thalbewohner in stillen Nächten liebliche Gesänge, die aus dem Felsen zu erklingen scheinen, und das Herz mit frommem Sehnen erfüllen.

August Kopisch hat obige Sage kurz und kräftig gesungen, wie folgt:


 Die Felsenkirche.

Die wilden Hunnen werfen den Knecht:
„Wo sind die Fräulein? sag’ es recht!“ –

„Die sieben Fräulein sind entflohn
Zur Kirch’ und beten zu Gottes Sohn.“

Die Hunnen rennen zur Kirche dar.
Der Kirche Thür’ verschlossen war.

Die Hunnen fällen die hohe Tann
Und rennen wider die Thüren an.

Die Fräulein zu Maria schrei’n,
Die Kirche wird ein Felsenstein.

Der Wandrer, der vorüber zieht,
Hört noch im Stein der Frommen Lied.

Eine Reihe von Felsen in der nächsten Umgebung dieser Felsenkirche wird jetzt noch die „Siebenschwestersfelsen“ genannt; nahe dabei erhebt sich ein anderer Felsen „der Reitersprung“. (Siehe die folgende Sage.) Dieser Punkt wird vom „Känzele“, einer Felsenhöhle aus, am besten gesehen.

(S. Al. Schreibers „Sagen aus den Rheingegenden etc.“)