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Textdaten
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Autor: M. H.
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Titel: Die Drei Zinnen und die Rienzschlucht
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 407
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die drei Zinnen und die Rienzschlucht.
Nach dem Gemälde von J. Thoma.

Photogravüre im Verlag von V. A. Heck in Wien.

[407] Die Drei Zinnen und die Rienzschlucht. (Zu dem Bilde S. 401.) Eine alte Völkerscheide ist das Toblacher Feld im Pusterthal, jene flache, von mächtigen Bergzügen umstarrte Erhebung, von welcher die Wasser westwärts durch die Rienz in die Etsch, ostwärts zur Drau und dem Schwarzen Meere abfließen. Hier war’s, wo in den Tagen der Völkerwanderung die kriegerische Kraft der Bayern den von Südosten her andrängenden Schwärmen der Slovenen Halt gebot, um dieselben nachher in jahrhundertlangen Kämpfen immer weiter gegen Osten zurückzutreiben. Heute ist das ganze Gebiet des Pusterthals, dessen Mittelpunkt das Toblacher Feld bildet, zur deutschen Zunge gehörig; aber hart im Süden, wo in das grüne Thal die gewaltigen hellen Felsmauern der Südtiroler Dolomitberge hereinragen, zieht die italienische Staats- und Sprachgrenze und genug welsche Laute kann auch der Reisende vernehmen, der aus der Südbahnstrecke zwischen Franzensfeste und Lienz das Pusterthal befährt.

Der Rienzfluß tritt auf das Toblacher Feld aus einer engen Thalspalte, die von Süden, von der italienischen Grenze, herabzieht. Durch diese Thalspalte führt eine prächtige uralte Straße, der Ampezzaner Straßenzug, nach Italien hinüber; eine Straße, auf welcher schon in Römerzeiten die Legionen marschierten auf der dann im Mittelalter ein lebhafter Handelsverkehr zwischen Venedig und den Alpenländern getrieben ward, und die in der Gegenwart wegen ihres Reichtums an prächtigen Landschaftsbildern berühmt geworden ist. Die Italiener nennen sie strada d’Allemagna. Die erste etwa zehn Kilometer lange Strecke dieser Thalschlucht ist das Höhlensteiner Thal. Bei der vielbesuchten Poststation Höhlenstein (Landro) erschließt sich jener romantische Blick in die oberste Thalschlucht der Rienz, welchen unser Bild darbietet. Val Rimbianco heißt ihr welscher Name. In schäumenden Stürzen wälzt sich die Rienz zwischen finstren Bergwänden hier herab; im Hintergrunde aber steigen wie riesige zertrümmerte Türme die „Drei Zinnen“ empor, deren bedeutendste die stolze Höhe von 3003 Metern erreicht. Diese Felstürme gehören zu dem Stilvollsten und Imponierendsten, was die Hochgebirgsnatur in Tirol geschaffen hat; sie sind recht eigentlich der ausgezeichnetste Typus der Südtiroler Kalkalpen. Die höchste der Drei Zinnen ward 1869 zum erstenmal erstiegen, seitdem zählt sie lange nicht mehr zu den schwierigsten Aufgaben für die Kletterzunft der Alpenfreunde. Immerhin gehört ein schwindelfreies Haupt und ein wohlgeschulter Fuß dazu, um durch steile Schnee- und Felsrinnen, über schmale Felsbänder und in engen Kaminen die luftige Höhe zu erreichen. Von ihr schweift dann freilich der reichbelohnte Blick weit umher durch die bizarren Gestalten der Dolomitberge, hinab in die grünen Thäler und nördlich bis zur eisgepanzerten Tauernkette.
M. H.