Textdaten
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Autor:
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Titel: Die Drahtseilbahn
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aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 608–609
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Erklärung der Funktionsweise von Seilbahnen, besonders der der „Neuen Welt“ (heute Berlin)
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[608]

Die Drahtseilbahn in der „Neuen Welt“ zu Berlin.
Originalzeichnung von Willy Stöwer.

[609] Die Drahtseilbahn. (Mit Abbildung S. 608.) In ihrer ursprünglichen Form dienten die Drahtseilbahnen fast ausschließlich zum Bergabfördern von Erzen, Erdreich und dergleichen; allmählich ist aber die Verwendung derselben mannigfacher und ihre Einrichtung vollkommener geworden. Früher war einfach ein mit den Enden aneinandergespleißtes Seil über zwei Endrollen geschlungen, von welchen aus es in seiner Längsrichtung voran bewegt wurde; an dieses Seil wurden die Förderwagen einfach aufgehängt, und wenn dann die vollen zu Thal fuhren, zogen sie zugleich die leeren zu Berg. Jetzt hat man die Einrichtung verbessert; man verwendet verschiedenartige Seile, deren eines, das schwerere Tragseil, doppelt vorhanden und auf Pfosten hoch in der Luft dauernd gelagert ist. Diese Seile dienen ausschließlich zum Tragen der Förderwagen, während einem zweiten, leichteren Seile, dem Zugseile, ausschließlich die Ertheilung der Vorwärtsbewegung zufällt. Dieses ist um zwei wagerecht stehende Rollen geschlungen und stets in Bewegung den Tragseilen entlang. Letztere sind mit dem einem Ende fest mit dem Gerüste verbunden; das andere Ende ruht in einer elastischen Spannvorrichtung, damit die erforderliche Nachgiebigkeit gesichert sei.

Während die Seilbahnen bisher nur zur Güterbeförderung bestimmt waren, hat ein Berliner Vergnügungslokal, „Die neue Welt“, zur Unterhaltung und zur Beförderung seiner Gäste eine Drahtseilbahn angelegt. In einer kühnen, nahezu 120 Meter langen Spannung vermittelt diese Bahn zwischen zwei Stationsthürmen den Verkehr über den „See“ hinüber. Unsere Abbildung zeigt, wie die leichten zierlichen, für je zehn Personen bestimmten Wagen hoch oben durch die Luft schweben. Die Stelle der üblichen Räder wird hier durch je zwei Paare von Rollen vertreten, welche am Rande passend zur Seildicke ausgedreht sind. Diese Rollen sind in eisernen Rahmen gelagert und laufen über die Tragseile, während die Voranbewegung von dem dünnen Zugseil bewirkt wird, an welches der Rollenrahmen angeschlossen wird. Nunmehr geht gleichzeitig ein Wagen hinüber und herüber. Die hierzu erforderliche Kraft wird von einem Gasmotor geliefert.

In der links befindlichen Nebenzeichnung sieht man den in einem der Stationsthürme untergebrachten Maschinisten, wie er als „Direktor von’s Janze“ die Bremse handhabt, mit der „Halt“ kommandiert wird, sobald die Wagen an ihren Stationen angekommen sind.

Die Seilbahn dient hier dem Vergnügen; sie liefert aber auch den Beweis für die praktische Brauchbarkeit solcher Anlagen für das Verkehrswesen. Zur Ueberbrückung von Flüssen, Thälern, Schluchten, insbesondere auch für militärische Zwecke, soll die Seilbahn außerordentlich geeignet sein, da ihr Bau schnell und billig fertigzustellen ist und die Ueberwindung von Schwierigkeiten in der Bodengestaltung hier nur eine untergeordnete Rolle spielt. Man vermuthet, daß ähnliche Bahnen bald in größerer Zahl eingerichtet werden; unter anderem sind solche Anlagen geplant über den Rhein bei Düsseldorf und über die Aare bei Bern.