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     Da nur dreierlei Bauformen an der Kirche auf­treten, so müssen die frühgotischen Formen diesem Baumeister angehören. Die Zeit nach 1200 ist aller­dings in Deutschland die Grenzscheide zwischen ro­manischer und gotischer Kunst. In den beiden ersten Jahrzehnten des dreizehnten Jahrhunderts führt häufig ein Baumeister der alten Schule einen Bau in rein romanischen Formen auf, während ein jüngerer neben ihm schon rein gotisch baut oder es wird gar — wenn der romanische Bau seinen Meister vor seiner Vollendung verliert, der Bau gotisch fertiggestellt. So ist es z. B. dem Dom zu Magdeburg ergangen.*)

 

     Als weitere Nachricht ist uns der Bericht von einem grossen Brande im Jahre 1378 erhalten, welcher sich vom Fischmarkt aus auf die Kirche verpflanzte. Der Turmhelm brannte ab, die Giebel stürzten ein und zerschlugen das Kuppelgewölbe in der Vierung.

     Dass die Giebel, welche umgestürzt sein sollen, nicht die drei am Fusse des Vierungsturmes sein können, gegen welche die Dächer der Absiden an­laufen, dürfte ziemlich sicher sein. Es ist kaum möglich, dass, da der Turm stehen geblieben ist, diese Giebel umgestürzt sein können. Sie stehen entsprechend den Wänden des Vierungsturmes,

St. Aposteln Köln - Querschnitt - 1899.png

Fig 8. St. Apostelkirche. Querschnitt.
(Nach Dehio und v. Bezold.)

Es könnte also auch der Dreiconchenbau mit seinem Vierungsturm um diese Zeit noch ent­standen sein, denn die romanischen Formen verändern sich in der letzten Hälfte des XII. Jahrhunderts ziem­lich wenig. — Aber welcher Bau sollte dann von 1149 bis 1172 errichtet worden sein?

     Die frühgotischen Teile aber können schon ihren Formen nach nicht später als höchstens 1230 bis 1240 entstanden sein, und zuguterletzt be­zeugt eine Urkunde, dass 1240 die Vorhalle schon bestand.

     „ . . . . Notum, quod Methildis, que fuerat filia Euerardi Cleingedanc, et Gertrudis de morte parentum suorum obtinuit octauam partem domus, que dicitur Bungart, sitam prope porticum (S. Martini), ante et retro, ubicunque eam hereditarie in partitione attingit, ita quod iure et contradictione obtinebit. Actum anno domini MCCXL.**)

     Diese Vorhalle führte auch in die Brigidakirche, welche rechtwinklich an das südliche Seitenschiff von S. Martin anstiess. Daher ist dasselbe dort auch schmäler eingezogen. — Doch zurück zu Rudengerus. Auch der Wortlaut „fideliter laborans in edificio ecclesie nostre“ stimmt zu der Art seiner Bautätig­keit***), d. h. zu dem Einwölben der Kirche.


in Steinen, die er für sein Geld gekauft hatte, und einen Kelch 5 Mark unter Brüdern wert, Gott und dem h. Martin. Es be­stimmte aber dieser Rud., dass er den Zins des obenbesagten Hauses, so lange er lebe, frei erhielte.

*) Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 1896: Hasak, zur Geschichte des Magdeburger Dombaues.

**) Ennen und Eckertz, Quellen Bd. II, S. 207.

***) Während in Bock, Rheinlands Baudenkmale 2. Serie, vollständige Unsicherheit über die Zeitstellung der einzelnen Bauteile herrscht, hat Dittges die hier entwickelte Reihenfolge ebenfalls angenommen, allerdings ohne nähere Erweise.

 

die auf den inneren Gurten der kleinen Tonnen aufsitzen, auf den äusseren derselben. Ihr Einsturz hätte auch die Kuppel im Turm nicht beschädigen können. Er­sichtlich hat also der Turm früher oben vier Giebel besessen mit einem grossen Rhombendach, wie es der Turm von St Apos­teln heut noch aufweist.

     Mancher, dem der heutige Turm­helm zu versunken zwischen den vier schlanken Begleit­türmchen vorkommt, wird dadurch deren Form und Grösse besser erklärt und be­gründet finden. Der Bau des jetzigen Hel­mes ist erst unter Abt Adam Mayer (1454 bis 1499) durch ein Geschenk eines wohlhabenden Kölner Kaufmanns, Ewald von Bacharach, ermöglicht worden.

     Ein Begleittürmchen, das südwestliche, stürzte 1527 ein, das nordwestliche muste 1789 abgetragen werden und ist erst 1847 wieder aufgeführt worden, das vierte 1870. Die Annahme von Bock, dass die Begleittürmchen früher niedriger gewesen und erst im dreizehnten Jahrhundert erhöht worden wären, entspricht durchaus nicht dem Baubefund. Die Türmchen sind aus einem Gusse aufgeführt. Auch zu St. Aposteln ragen die zwei Begleittürmchen am Chor grade so keck über das Hauptgesims in die Luft.

     Wenn man sich die vier grossen Giebel oben auf dem Turm als noch bestehend vorstellt, dann erscheint der kleinen Türmchen Höhe nicht abson­derlich auffallend.

     Eine Anordnung ist noch von grossem Interesse. — Das Geschoss der Westtürmchen, welches in Höhe der Hochschiffsfenster zu einem grösseren viereckigen Raum ausgestaltet ist, zeigt Kreuzgewölbe mit Rippen!

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Empfohlene Zitierweise:
Max Hasak: Die Baukunst, 11. Heft. , 1899, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Baukunst_-_11._Heft_-_12.jpg&oldid=- (Version vom 31.7.2018)