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Autor:
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Titel: Deutschland und Frankreich
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aus: Die Gartenlaube, Heft 1
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[19] Deutschland und Frankreich. Während die beiden Völker sich, die Hand am Schwertesgriff, gegenüberstehen und „die Wacht am Rhein“ keinen Augenblick die Waffe aus der Hand legt, in jüngster Zeit, wo die Gerüchte einer drohenden russisch-französischen Allianz die Luft durchschwirren, noch weniger als früher: hören die beiden Völker nicht auf, sich für einander zu interessiren und ihre geistigen Schätze mit einander auszutauschen.

Neuerdings interessirt es die Franzosen zu erfahren, wie man in Deutschland uber sie denkt und urtheilt, und ein französischer Autor, Grand-Carteret, hat sich die Mühe nicht verdrießen lassen, Urtheile deutscher Politiker und Schriftsteller über Frankreich aus mehreren Jahrhunderten zusammenzustellen in einer Schrift: „Frankreich beurtheilt von Deutschland“ [1] Nun, unsere Nachbarn brauchen sich im ganzen nicht zu beklagen über diese Aussprüche, denn sie lassen auch ihren guten Eigenschaften Gerechtigkeit widerfahren. Einige dieser Urtheile werden als durchaus zutreffend von dem französischen Autor selbst bezeichnet. Neben der schwunghaften und begeisterten Kampfesmuse der Jahre 1813 und 1870 ging stets die unbefangene Würdigung der Vorzüge unseres Nachbarvolkes einher. Die Schrift führt auch die Urtheile unserer großen Regenten und Staatsmänner, Friedrich’s II. und Bismarck’s über Frankreich an. Bekannt ist, daß Heine und Börne begeisterte Franzosenfreunde waren und das junge Deutschland ebenfalls von Paris aus sehr viele Anregungen empfing, während Wolfgang Menzel von Börne als Franzosenfresser angegriffen wurde. Die spateren deutschen Touristen und Feuilletonisten geben ebenfalls Anlaß zu einer sehr reichen Blüthenlese von Bemerkungen über französisches Wesen, von charakteristischen Schilderungen französischer Zustände, besonders des Theaters. Frankreich setzt sich gleichsam auf den Lästerstuhl und laßt sich von Deutschland lorgnettiren und bekritteln, hält es aber doch der Muhe werth, alle diese kritischen Randglossen in einem Album zu sammeln und dem französischen Volke vorzuhalten. Man legt drüben Gewicht auf unser Urtheil: das war in früheren Zeiten nicht der Fall. Deroulède hat in seiner Zeitschrift: „Le Drapeau“ (Die Fahne) nur die deutschen Kriegslieder übersetzt, um die Franzosen zur Rache anzustacheln: Jetzt erfahren sie auch, wie viel wohlwollendes, mindestens Antheilvolles in Deutschland über sie geschrieben worden ist. Schwerlich wird dies ihren Groll über die Niederlagen von 1870 und 1871 entwaffnen; wir sind gerüstet und rüsten uns immer mehr, ihm zu begegnen: aber das geistige Zusammenstreben der so verschiedenartigen und doch sich ergänzenden Völker würde als schöner Zukunftstraum selbst einen abermaligen blutigen Kampf überleben.


  1. J. Grand-Carteret. „La France jugée par l’Allemagne“.