Der schlaue Mischebier

Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Der schlaue Mischebier
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aus: Das Buch für Alle, Illustrierte Familienzeitung, Jahrgang 1912, Heft 5, S. 121
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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[121] Der schlaue Mischebier. – Unter diesem Namen war in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Soldat eines der Potsdamer Garderegimenter weit und breit berühmt. Franz Mischebier, ein biederer Pommer, war von Mutter Natur mit dem allerbescheidensten Maße von Geistesgaben ausgerüstet worden, und er wurde wegen seiner ungeheuren Begriffstutzigkeit bald ein Schrecken der Kompanie und seiner Vorgesetzten.

Die großen Frühjahrsbesichtigungen kamen heran. Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige Kaiser Friedrich III., besichtigte dabei gerade die Kompanie, bei der Mischebier stand. Er stellte persönlich verschiedene Fragen an einzelne Leute. Dabei geriet er auch an Mischebier.

„Sag mal, mein Sohn, du hast doch schon Posten gestanden – nicht wahr?“ Er sagte es sehr gemütlich.

„Zu Befehl, hoher Herr Kaiser,“ gab Mischebier prompt zur Antwort, denn „Kaiserliche Hoheit“ als Anrede, wie den Soldaten befohlen worden war, hatte er sich auf diese Weise gemerkt.

Der Kronprinz lächelte. „Nun, dann wirst du mir wohl sagen können, was du tun mußt, wenn sich in der Nähe eines Pulverschuppens eine größere Menge von Menschen ansammelt?“ forschte er dann weiter.

„Zu Befehl. Ich sag’ den Leuten, sie sollen weggehen.“

„Sehr gut“, lobte der Kronprinz. „Wenn nun aber einer von den Leuten nicht gehorcht, sondern ganz dicht auf dich zukommt, was sagst du dann?“

„Belästigen Sie mich nicht weiter, hoher Herr Kaiser!“ ruft Mischebier mit strahlendem Gesicht, überzeugt, eine besonders gute Antwort gefunden zu haben.

Der Erfolg dieser Antwort war durchschlagend. Noch nie hatte der Kasernenhof ein solches orkanartiges Gelächter zu hören bekommen.

Der Kronprinz, der sich selbst vor Lachen kaum zu halten vermochte, schenkte Mischebier einen Taler mit den Worten: „Mein Sohn, du bist der schlaueste Soldat in der ganzen deutschen Armee!“

W. K.