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Textdaten
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Autor: Paul Matschie
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Titel: Der kleinste von der Lemurengruppe
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 68
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[68] Der kleinste von der Lemurensippe. (Mit Abbildung.) Lemuren hießen bei den alten Römern böse Geister der Verstorbenen, die in den Nächten spukten und die abergläubischen Menschen vielfach beunruhigten. Der Name Lemuren wurde in der Neuzeit von der Wissenschaft einer Tierfamilie aus der Ordnung der Halbaffen beigelegt, deren Mitglieder viel Gespenstisches in ihrer äußeren Erscheinung und ihrer Lebensart aufweisen. Einst, in grauer Vorzeit, waren diese Geschöpfe auf der Erde zahlreicher vertreten. Heute begegnen wir mehreren Arten derselben nur noch auf den südasiatischen Inseln, Madagaskar und dem Festlande von Afrika. Sie sind zumeist Nachttiere und erwecken durch ihr Treiben die Scheu der Eingeborenen, welche an die sonderbaren Gestalten allerlei abergläubische Vorstellungen knüpfen. In den Urwäldern, wo sie in den Baumkronen ihr Wesen treiben, pflegen einige der Lemurenarten beim Einbruch der Dunkelheit einen Höllenlärm anzuschlagen, der den Neuling in der Wildnis oft genug mit Grausen erfüllt. Andere wieder schleichen lautlos von Ast zu Ast, der Beute nach. Ohne das geringste Geräusch gleitet das Nachtgespenst von Ort zu Ort, während seine ungewöhnlich großen Augen wie feurige Kugeln leuchten. Trotz der unheimlichen Erscheinung sind die Tiere dem Menschen nicht gefährlich und als Mitglieder einer eigenartigen Sippe für den Naturforscher von höchstem Interesse. Zumeist nähren sie sich von Früchten und Insekten, aber auch von kleinen Vögeln, die sie mit großem Geschick fangen und deren Nester sie plündern.


Die Gartenlaube (1897) b 068.jpg

Zwergmaki (Microcebus myoxinus).
Nach dem Leben gezeichnet von Anna Matschie-Held.

Auch der Zwergmaki, den unsere Abbildung darstellt, gehört zu dieser Tierfamilie. Er ist der kleinste unter den Halbaffen, seine Leibeslänge beträgt nur 14 bis 15 cm, die Schwanzlänge 16 bis 17 cm, sein weicher Pelz ist oben grau und ändert je nach der Jahreszeit etwas in der Färbung ab; der Bauch ist weiß. Die Augen umgiebt ein bräunlicher Ring, ein weißer Streif dicht über die Nase, die Rückenmitte zeigt eine dunkle Längsbinde. In dem kleinen Kopfe sitzen zwei große Augen nahe bei einander, die Ohren lassen sich, wie bei den Ohrenmakis, zusammenfalten. Der Zwergmaki ist ein Nachttier, welches während des Tages zusammengerollt in einer Astgabel oder einer Baumhöhle ruht, nach Einbruch der Dämmerung aber sehr lebhaft wird und äußerst geschickt in den Zweigen sich bewegt. Seine Nahrung besteht aus saftigen Früchten, Vogeleiern und Insekten. Er lebt in den dichten Urwäldern des nördlichen und östlichen Madagaskar und verläßt selten oder nie die Kronen der Bäume, in denen er ein rundes, zierliches Nest aus Moos und dünnen Zweigen baut. Während der trockenen Jahreszeit hält er in einem Astloche eine Art von Winterschlaf. Ueber die Lebensweise dieses eigentümlichen Tieres weiß man bis jetzt noch recht wenig, auch die Beobachtung desselben in der Gefangenschaft wird dadurch erschwert, daß der Zwergmaki erst gegen 8 Uhr abends munter wird. Im Berliner Zoologischen Garten, wo sich das Tierchen seit längerer Zeit sehr wohl befindet, giebt man ihm gekochten Reis, Obst, Aniskuchen und täglich einige Mehlwürmer.

P. Matschie.