Der heilige Antonius von Padua/Drittens. Unserer Frauen Bildnis

« Zweitens. Liebe und Bekehrung Wilhelm Busch
Der heilige Antonius von Padua
Viertens. Zwei Stimmen von oben »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).

[87]

DRITTENS

Unserer Frauen Bildnis

Der heilige Antonius von Padua 15.png

Ein hoffnungsvoller junger Mann
Gewöhnt sich leicht das Malen an! –

Auch Bruder Antonio, welcher nun,
Von seinen Sünden auszuruhn,
Zu Padua im Kloster lebt
Und geistlicher Bildung sich bestrebt,
Hat es gar bald herausgebracht,
Wie man die schönen Bilder macht,
Und malt auf Gold, schön rot und blau,
Das Bildnis unsrer lieben Frau.
Umflattert von der Englein Chor
Tritt sie hervor aus des Himmels Tor.

[88]

Der heilige Antonius von Padua 16.png

Den blauen Mantel faßt die Linke,
Die Rechte sieht man sanft erhoben,
Halb drohend, halb zum Gnadenwinke,
So kommt die Königin von oben.

[89]

Doch ihr zu Füßen windet sich
Der Teufel schwarz und fürchterlich.
Dem Teufel war’s nicht einerlei,
Daß er so gar abscheulich sei.
Er fängt alsbald das Grübeln an,
Wie er den Bruder kränken kann.

Ein Kloster lag nicht weit von hinnen,
Besetzt mit Karmeliterinnen,
Und war als Kustorin allda
Die keusche Jungfrau Laurentia. –
Bescheiden, still und glaubensfroh,
Hat sie der gute Antonio,
Den alles Gute stets ergetzt,
Schon längst von Herzen hochgeschätzt.
Natürlich im allgemeinen und überhaupt,
Wie’s unsere heilige Kirche erlaubt.

Einst als er so in stiller Nacht,
Von Träumen umgaukelt, halb schläft, halb wacht,
Tritt bei des Mondes Dämmerhelle
Schwester Laurentia in seine Zelle

Der heilige Antonius von Padua 17.png

Und beugt sich nieder und seufzt und spricht:
„Antonio, Lieber, kennst du mich nicht?

[90]

Ich bin entflohn aus des Klosters Zwang,
Konnt’ nicht widerstehn meines Herzens Drang,
Bin aus Liebe zu dir und großem Verlangen
Mit dem Silbergerät davongegangen.
Auf auf, Antonio! tue desgleichen
Und laß uns in fremde Lande entweichen!“

Der heilige Antonius von Padua 18.png

Dem Bruder tät die Sache scheinen,
Nimmt die heiligen Gefäße aus den Schreinen,
Packt’s in die Kutten emsiglich
Und läßt das Kloster hinter sich. –

Aber da draußen im freien Feld
Ward ihm die Lieb und Lust vergällt.
Statt der guten Jungfrau Laurentia
War plötzlich der leidige Satan da.

[91]

„Heihei!“ – lacht der Teufel – „so ist’s der Brauch!
Du maltest den Teufel, nun zahlt er auch!“

Der heilige Antonius von Padua 19.png

Flugs flog er auf und dem Kloster zu
Und rüttelt die Paters aus ihrer Ruh.


[92]

Der heilige Antonius von Padua 20.png

Bruder Antonio wär’ schier verzagt,
Ringt seine Hände, weint und klagt,
Vermeinend, daß aus dieser Beschwer
Nirgends ein Ausgang zu finden wär’.

Doch sieh! Aus dunklem Wolkenflor
Tritt unsre liebe Frau hervor.

[93]

Der heilige Antonius von Padua 21.png

„Sei getrost, Antonio, ich bin voller Gnaden.
Der böse Feinde soll dir nicht schaden.
Mein Bildnis in des Klosters Hallen
Sah ich mit gnädigem Wohlgefallen!“

[94]

Sprach’s und winkte mit der Hand,
Schwebte nach oben und verschwand.
Alsbald so kommt der ganze Haufen
Der Klosterbrüder herzugelaufen
Und führen mit vielem Heh! und Hoh!
Zum Kerker den guten Antonio.

Der heilige Antonius von Padua 22.png

Doch in der Früh, als das Glöcklein läutet
Und jeder hinab zur Metten schreitet –
O Wunder! – da sitzt schon emsig und frei
Bruder Antonio vor seiner Staff’lei!

[95]

Der heilige Antonius von Padua 23.png

Im Gefängnis aber, in einer Ecken,
Hockt der Teufel mit Knurren und Zähneblecken.
Der Prior tunkt ein den langen Wedel
Und besprengt ihm den harten Teufelsschädel,

Der heilige Antonius von Padua 24.png

Und plärrend und mit Ach! und Krach!
Fährt er ab mitsamt dem Fensterfach.

Recht nützlich ist die Malerei,
Wenn etwas Heiligkeit dabei.


« Zweitens. Liebe und Bekehrung Wilhelm Busch
Der heilige Antonius von Padua
Viertens. Zwei Stimmen von oben »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.