Textdaten
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Autor: Wilhelm Busch
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Titel: Der dumme Hans
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aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 35–36
Herausgeber: Otto Nöldeke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
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Erscheinungsort: München
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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16. Der dumme Hans.

Es ist einmal ein Junge gewesen, der war ein rechter dummer Hans, aber sonst ganz ordentlich und fleißig. Den schickte eines Tages seine Mutter in das nächste Dorf, wo seine Base gerade Hochzeit hielt, und sagte, als er wegging, zu ihm: »Hans, mein Junge,« hat sie gesagt, »nun mach dich nur recht lustig auf der Hochzeit, komm aber nicht zu spät wieder heim.« »Seid ohne Sorge, Mutter,« sprach Hans, »ich will lustig sein, daß es eine Art haben soll,« nahm seinen Hut und ging die Straße hin dem Dorfe zu. Als er aber vor seiner Base Haus kam, war darin eine Brunst entstanden und schlug die helle Lohe schon zum Dache heraus, so daß die Hochzeitsgäste hin und her rannten vor Schrecken und in großer Verwirrung. Da lief Hans eilig herzu, schwang lustig seinen Hut und schrie in einem fort: »Ju! Hochzeit.« Das verdroß aber die Leute sehr; darum riefen sie: »Stopft doch dem Narren das Maul; er will uns hier wohl noch gar zum besten haben.« Es waren auch gleich einige handfeste Männer bereit, die faßten Hans am Kragen und prügelten ihn, daß er schreiend aus dem Dorfe lief, auch nicht eher wieder zu laufen aufhörte, bis er bei seiner Mutter war. »Schon wieder da, Hans?« hat die Mutter gesagt. »Hat’s dir auf der Hochzeit nicht gefallen?« »Ach ja, Mutter, das schon,« sagte Hans; »aber als ich hinkam, da brannte meiner Base Haus, und da habe ich in einem fort geschrien: ju! Hochzeit! ju! Hochzeit! und da haben mich die Leute geprügelt und da bin ich weggelaufen«. »Das war nicht recht, Hans,« sagte die Mutter; »da hättest du rufen müssen: He, Feuer, Feuer! Wasser her! Wasser her!« »Gut Mutter,« sprach Hans, »wenn’s wieder [36] so kommt, will ich’s schon besser machen.« Nun schickte ihn nach einiger Zeit die Mutter in die Stadt, beim Bäcker Brod zu kaufen; als er da die Glut im Backofen bemerkte, fing er gleich groß Geschrei an: »Feuer! Feuer! Wasser her! Wasser her!« griff auch in Eile den ersten besten Eimer und goß Wasser damit in die Flamme. Auf den Lärm sammelte sich bald eine große Menge Menschen mit Feuereimern, den Brand damit zu löschen; wie die sahen, daß sie gefoppt waren und nirgends Feuer war, außer im Backofen, prügelten sie den Hans zur Stadt hinaus, daß er heulend zu seiner Mutter lief. »Ei, Hans, was heulst du denn so?« fragte ihn die; »hat der Bäcker kein Brot gehabt?« »Das schon,« sagte Hans; »aber als ich hinkam, sah ich den Backofen, der brannte lichterloh, da habe ich geschrien: He Feuer! Feuer! Wasser her! Wasser her! und da sind die Leute herzugelaufen und haben mich zur Stadt hinaus geprügelt.« »Ich sehe wohl ein, Hans,« hat darauf die Mutter gesagt, »es wäre für dich das beste, wenn du eine Frau nähmest.« »Schon recht! Mutter!« sprach Hans; »wenn nur eine käme.« Da ist Hansens Mutter ausgegangen und hat auch bald eine gefunden, die den Hans wohl nehmen wollte; aber vorher wollte sie ihn erst sehen und auch die ganze Hausgelegenheit. Wie nun der nächste Sonntag war, fegte die Mutter das Haus und streute weißen Sand, und als die Braut ankam, brachte die Mutter das Essen herein; den Hans aber schickte sie mit dem Kruge in den Keller, für die Braut einen frischen Trunk zu holen. Nun saß vorn an im Keller eine Gans auf einem Nest voll Eier und brütete. Wie der Hans an ihr vorbei gehen wollte, machte die Gans den Hals lang und zischte, wie Gänse thun. »Sieh mal!« sagte Hans, »du wolltest wohl beißen!« drehte sich um und klapps! gab er ihr mit dem Kruge einen auf den Kopf, daß sie auch gleich todt war. Da freute sich Hans, daß die Gans nicht mehr beißen konnte und sagte: »Um die alte Gans ist es mir gar nicht zu thun; aber wer soll nun die Eier ausbrüten!« Da fiel ihm ein, daß in der Kellerecke ein Faß mit Honig stand; er zog darum eilig seine Kleider aus, kletterte in das Faß und drehte sich in dem Honig um und um; dann rupfte er die Gans, wickelte sich in die Federn und setzte sich schnell auf die Eier, um sie selber auszubrüten. Mit dem, so guckt die Braut in den Keller, zu sehen, warum Hans mit dem Bier so lange außen bleibt. Da sah sie denn den wunderlichen Vogel auf dem Neste sitzen, der zischte und schnatterte wie eine Gans. Als das die Braut sah, klappte sie schnell die Thüre zu und ist aus dem Hause gelaufen.