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Textdaten
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Autor: Moritz Gottlieb Saphir
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Titel: Der Wochenkrebs (2. Jänner 1854)
Untertitel:
aus: Der Humorist. Montagsblatt.
2. Jänner 1854, S. 1-2
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag:
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Erscheinungsort: Wien
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Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
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Der Wochenkrebs.
von M. G. Saphir.

     Der Wochenkrebs zum neuen Jahr stellt sich im neuen Holzschnitt dar; wie er in stiller Majestät, zur Freud’ der Menschheit „v—o—o—o—r—r—w—w—ä—ä—ä—r—tz!!“ geht! Er geht also, parole d’honneur, mit seiner Zeit stets Scheer in Scheer!

     Der Wochenkrebs, er schaut sich um, und grüßt sein liebes Publikum, und wünscht vorerst viel und bares Geld, der ganzen, großen Menschenwelt, Gesundheit, Glück und frohen Muth, und Alles, was sonsten Noth noch thut; und wer ein großer Waghals ist, dem wünscht Verstand er auch zur Frist; und der Welt im Ganzen wünscht er Ruh’, Frieden und Credit dazu!


     Es kommt zu nichts, es kommt zu nichts! Das sagt der Wochenkrebs zum Anfang 1854 wie am Ende von 1853!!

     Der Wochenkrebs hat letzthin im Theater an der Wien ein paar Türken bei den „Gefoppten“ gesehen, und hat sich an die zwei Flotten erinnert, von welchen man nicht weiß, ob’s Amphibien sind oder bloß Wesen, die nicht in’s Wasser gehen!

     Alles, was die Welt Krieg befürchten läßt, bestätigt den Wochenkrebs grade in der Ueberzeugung: es kömmt zu nichts!

     Das Schmoll- und Vexier-Spiel des Lord Feuerbrands genirt den Wochenkrebs nicht einen Augenblick!

     Er hat wie ein Rezensent, der mit der Theaterdirection nicht zufrieden ist, seine Eintrittskarte zurückgeschickt, aber er hat die Eintrittskarte wieder angenommen, weil man ihm versprochen hat, seine Lieblingsstücke, französische Spektakelstücke, auf’s Repertoir zu bringen. Aber es wird nicht viel werden! Man wird John Bull vor der Hand, wie jeden Buldogg, damit zum Schweigen bringen, daß man ihm einen Brocken hinwirft, in den er sich verbeißt!! Man wird die Zwillingsflotten im schwarzen Meer „bras dessus bras dessous“ auf- und abgehen lassen, sie werden bald fragen: „Habt’s keine Türken g’sehen?“ und bald: „Habt’s keine Russen g’sehen?“ Sie werden im schwarzen Meer kreuzen, aber die paar „Kreuzer“ bringen den Wochenkrebs nicht um! Wenn sie das schwarze Meer werder gekreuzigt haben, werden sie wieder eingehen in die Pforte der Ruhe!

     Auch da unten in den Fürstenthümern ist es, trotz allen Kriegsgetümmel in den Zeitungen, auch zu gar nichts gekommen! Zu keiner [2] „entschiedenen Schlacht,“ zu keinem „blutigen Entscheidungswurf!“ Bloß bei Krajowa könnte es zu General Au–„Rep-Händel“ kommen, die aber nichts bedeuten.

     Ungeheuer spaßig ist der türkisch-amtliche Bericht über die Schlacht bei Sinope! Dieser Bericht sagt: „In dieser Schlacht liegt ein großer Ruhm!“ O, gewiß! Es liegt so viel Ruhm in ihr, daß man sie eine ordentliche „Ruhm-Nieder-Lage!“ nennen könnte! Die Russen sind aber starke „Rhum-Trinker!“ Es heißt ferner in jenem Bericht: „Die Türken können auf ihre Niederlage stolz sein!“ Da sieht man, auf was die Menschen alles stolz sind!

     Auch in Asien haben demnach die Türken einige „Stölzer“ gewonnen!

     Aus Macedonien schreibt man, daß sich die Christen vor der türkischen Christenfreundlichkeit in die Gebirge geflüchtet haben!

     In Frankreich lebt die Welt wie unser Herrgott in Frankreich! Wenn auch in Lyon keine Seide gesponnen wird, so ist doch Luxus in Uebermaß! Die Hofmäntel sind dem conträren Wind günstig! Und am Ende wird man die politischen Mäntel auch da mit dem Winde tragen, der am wenigsten in einem Sturm auszuarten droht!

     Aber von anderen zwei Seiten droht Europa ein brennender Krieg! Zwischen „Schwarzenburg-Rudolstadt“ und „Schwarzenburg-Sondershausen“ und zwischen M. G. Saphir und Rußland!

     Zwischen die zwei Schwarzenburge soll es bereits zu einer Schlacht gekommen sein! und das wegen einer Chausséehaus-Frage! Zwei westliche Mächte sollen bereits Ordre gegeben haben, in der Lippe zu kreuzen, um jeden Zusammenstoß zwischen den kreuzfahrenden Partheien zu verhindern! Reuß-Gleitz-Schleitz wird neutral bleiben! Kossuth soll bereits Hilfstruppen zugesagt haben! In der Schlacht bei „Kottendorf“ blieben ein Sondershauser und zwei Rudolstädter; in beiden Ländern ist daher eine neue Volkszählung vorgenommen worden!

     Bedenklicher noch ist der Krieg, der zwischen dem „Humorist“ und Rußland zu entbrennen droht! Dem „Humorist“ wurde nämlich von einem russischen Cavalier russischer Thee sammt Zugehör versprochen, der Gesandte von Meyendorf sollte ihn mitbringen. Aber bis zur Stunde ist kein Thee gekommen, und selbst auf ein Ultimatum vom „Humoristen“ ist russischer Seits keine Antwort erfolgt. Nun weiß der „Humorist“ zwar, daß die Türkei jetzt von Rußland so viel Thee bekömmt, daß der Vorrath vielleicht zu wenig wird, allein nichtsdestoweniger dürfte der Humorist auf seiner Forderung bestehen.