Der Sohn des Kaufmanns

Textdaten
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Autor: Ernst Meier
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Titel: Der Sohn des Kaufmanns
Untertitel:
aus: Deutsche Volksmärchen aus Schwaben, S. 143-153
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: C. P. Scheitlin
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[143]
42. Der Sohn des Kaufmanns.

In England lebte einmal ein reicher Kaufmann, der hatte einen einzigen Sohn, Namens Karl, der wünschte sich schon als Knabe nichts so sehr, als daß er einmal eine Reise nach Italien machen dürfe. Allein seine Eltern fürchteten, es könnte ihm auf einer so großen Seereise leicht ein Unglück zustoßen; deshalb erlaubten sie es ihm nicht, zumal er noch so jung war. Da mußte er warten, und wurde nun alle Tag um einen Tag, und alle Jahr um ein Jahr älter, bis er das zwanzigste Jahr erreicht hatte.

Da kam eines Tags ein Bote zu Karls Vater mit der Nachricht, daß sein Schiff, welches allerlei Waaren aus Italien holen sollte, untergegangen sei. Das war ein Schrecken für den Kaufmann! Er klagte und jammerte und wußte sich gar nicht zu faßen. – Da sagte endlich der Sohn: „Lieber Vater, es ist ja schon so Mancher um ein Schiff betrogen worden, indem man fälschlich angegeben hat, es sei gescheitert. Weißt Du was? laß mich nach Italien reisen! Da kann ich mich an Ort und Stelle nach dem Schicksale unsers Schiffs erkundigen und will es schon herausbringen, wenn ein Betrug damit vorgegangen ist.“ Dieser Vorschlag schien dem Vater gut, und er traf sogleich alle Einrichtungen und rüstete seinen Sohn aus, so daß er mit dem nächsten Schiffe gleich abreisen konnte.

Nach kurzer Fahrt landete das Schiff unterwegs an einer Küste, bei einer Stadt, in der man einige Einkäufe machen und Erfrischungen zu sich nehmen wollte. Während [144] der Zeit war Karl an’s Land gestiegen und hatte sich in ein Wirthshaus begeben, das dicht am Ufer lag, und sah hier dem Spiel der Wellen zu, wie sie sich hin und hertrieben und eine die andere verdrängte, und konnte sich nicht satt daran sehen. – Endlich war das Schiff wieder vollständig ausgerüstet, der Wind war günstig, man lichtete die Anker, zog die Segel auf und nun gieng’s lustig fort in das weite wogende Meer hinein.

Ohne einen Unfall kam Karl sodann an der Küste von Italien an, landete in der Hauptstadt des Königreichs und miethete sich eine Wohnung in einem schönen Gasthofe, der mitten in der Stadt lag. Von seinem Fenster aus konnte er hier in vier lange Straßen hineinsehen.

Da hörte er eines Tags einen gewaltigen Lärm und ein Geschrei auf der Straße, daß er schnell an’s Fenster sprang und hinaussah. Da waren unten eine Menge Männer und Weiber und Kinder versammelt und sahen zu, wie eine zusammengerollte Kuhhaut durch die Straßen geschleift wurde. „Was soll das bedeuten?“ fragte Karl den Wirth. „Das ist ein Kaufmann, sagte dieser, der hat Bankerott gemacht, und ein solcher wird nach dem Gesetze aufgehängt und seine Leiche dann in eine Kuhhaut genäht und in der ganzen Stadt herumgeschleift, dann auf das Feld geworfen und den Vögeln zum Fraße Preis gegeben.“

Da bedauerte Karl den armen Mann und fragte den Wirth, ob denn Niemand die Leiche beerdigen dürfe? „O ja, sagte der Wirth, wer den dritten Theil der ganzen Schuld bezahlen will, der darf es thun.“ Darauf erkundigte sich [145] Karl nach der Größe der Schuld, und als er sah, daß sein Geld hinreichend sei, so gieng er zum Richter und bezahlte den dritten Schuldtheil und erhielt dafür die Leiche, der er nun ein ehrliches Begräbnis zukommen ließ.

Von dem Schiffe seines Vaters konnte er aber gar nichts erfahren, deshalb reiste er bald wieder nach England zurück. Nach einer glücklichen Fahrt landete das Schiff endlich an derselben Küste und in demselben Hafen, wo es auch bei der Hinreise sich eine Weile aufgehalten hatte. Karl begab sich wieder in das Wirthshaus, wo er eine so schöne Aussicht auf das Meer hatte. Da sah er alsbald ein kleines Schiff anfahren, aus dem stiegen zwei Männer und zwei Mädchen heraus und kamen in dasselbe Wirthshaus, in welchem Karl sich aufhielt. – Nachdem sie sich die Tageszeit geboten und einander ausgefragt hatten, wo sie hergekommen und wo sie hin wollten, fiengen sie an zu spielen, und da hatte Karl so großes Glück, daß er ihnen alles Geld, was sie bei sich hatten, abgewann. Darauf sagten jene: „jetzt kauf uns auch die zwei Frauenzimmer ab, daß wir nur weiter kommen können!“ Das that Karl sogleich und gab ihnen, was sie forderten; denn er merkte wohl, daß die Männer Seeräuber waren und die armen hübschen Mädchen irgendwo mit Gewalt weggenommen hatten; und dann schiffte er vergnügt mit ihnen weiter und brachte sie in das Haus seines Vaters.

Der Vater machte ein bitterböses Gesicht, als Karl mit den zwei Mädchen ankam; und weil Karl bestimmt erklärte; daß er die Mädchen niemals verlaßen werde, so verwies [146] der Vater sie alle miteinander aus seinem Hause. Da kaufte Karl sich einen kleinen Kaufladen und richtete ein eigenes Handelsgeschäft ein, und die beiden Mädchen, die Schwestern waren, halfen ihm dabei; die jüngste besorgte den Haushalt, und die älteste und schönste wurde Ladenjungfer, und alle beide waren so sparsam und fleißig und sorgten so gut für ihren Herrn, daß er schon nach wenigen Jahren seinen Kaufladen bezahlen konnte und ein schuldenfreies Haus hatte.

Als Karls Vater dieß erfuhr, und hörte, wie Jedermann die beiden Mädchen so sehr lobte, da gedachte er sich selbst davon zu überzeugen und verkleidete sich und gieng eines Morgens, als sein Sohn gerade ausgegangen war, in den Laden, um ein Stück Tuch zu kaufen. Die Ladenjungfer legte ihm allerlei Proben vor; allein er handelte so genau und das Mädchen, das ihn nicht erkannte, hielt dagegen so fest an dem geforderten Preise, indem sie sagte, sie dürfe ohne den Willen ihres Herrn das Tuch nicht billiger hergeben, daß der Mann, ohne etwas zu kaufen, wieder fortgieng. Für sich aber dachte er: „das muß doch ein ordentliches Mädchen sein; die ist gehörig auf den Vortheil meines Sohnes bedacht.“ Und dann nahm er sich vor, daß er sich mit seinem Sohne wieder aussöhnen und ihn wieder unterstützen wollte, ließ ihn deshalb zu sich rufen und sagte zu ihm: „Es ist nicht länger gut, daß Du so allein und ledig Dein Geschäft führst; nimm Dir eine Frau, und ich will Dir Geld geben, daß Du deinen Handel größer und freier einrichten kannst!“ „Wenn ich einmal heirathen werde, sagte [147] Karl, so nehme ich aber keine andere, als eine von den beiden Mädchen, die ich gekauft habe.“ „Nun, wie Du willst, sagte der Vater; ich glaube, daß es sehr ordentliche Mädchen sind, und wenn sie auch kein Geld haben, so magst Du doch immerhin eine von ihnen heirathen; ich habe nichts mehr dagegen.“

Da gieng Karl vergnügt heim und sagte den beiden Mädchen alles, was er mit dem Vater gesprochen hatte, worüber ihnen das rothe Blut schier in die Wangen schoß, daß sie wunderlieblich anzusehen waren. Karl sagte aber weiter: „Ich habe euch alle beide so lieb, daß ich nicht weiß, welcher von euch ich den Vorzug geben könnte; ich will deshalb das Loos befragen; das wird mir wohl anzeigen, welche von euch der Himmel mir zur Frau bestimmt hat.“ Die Mädchen waren damit zufrieden, und so zog Karl das Loos, und zog sich die älteste und schönste, die alsbald auch seine liebe Frau wurde.

Nachdem sie mehre Jahre glücklich mit einander gelebt hatten, las die Frau einmal in der Zeitung. Da wurde aus Italien geschrieben: der König habe bekannt machen laßen, daß wer seine beiden Töchter, die von Seeräubern geraubt worden, ihm wieder zuführen könnte, der sollte König von Italien werden. – Da dachte die Frau: es ist doch beßer, Königin von Italien zu sein, als eine Kaufmannsfrau; und als ihr Mann nach Hause kam, entdeckte sie ihm, wer sie und ihre Schwester eigentlich seien und bat ihn dann, daß er doch sein Hab und Gut verkaufen und sie nach Italien zu ihrem Vater zurückbringen und dort König [148] werden möchte. Ja, dazu hatte Karl wohl Lust, verkaufte sein Haus, nahm Abschied von Vater und Mutter und segelte mit seiner Frau und ihrer Schwester vergnügt wieder in’s Meer hinaus, um König von Italien zu werden.

Unterwegs wollten sie an derselben Küste, wo Karl die beiden Prinzessinnen den Seeräubern abgekauft hatte, landen, und sprachen eben mit einander von jener Zeit, als sie von der andern Seite her zwei große Schiffe an’s Land fahren sahen. „Ach, das sind ja italienische Schiffe!“ rief die jüngste Schwester. „Und ich glaube, sagte die andere, ich sehe italienische Soldaten darauf.“ Deshalb warteten sie, bis die Leute ausstiegen. Aber wie erschrack die junge Frau, als unter den Soldaten, die aus dem Schiffe kamen, plötzlich ein italienischer Prinz erschien und vor ihr stand; sie kannte den Prinzen recht gut; denn es war eben der, der schon lange gewünscht hatte, sie zu heirathen. Seit sie aber von den Seeräubern entführt war, hatte er sich mit zwei Schiffen auf’s Meer begeben und kreuzte hin und her, um sie aufzusuchen und wollte nicht von ihr ablaßen, weil er sie so sehr lieb hatte.

Als er nun seine Geliebte wieder vor sich sah und den Mann an ihrer Seite, sprach er ganz heftig: „wer ist der Mensch da?“ Denn er hielt ihn für den Räuber. „Der ist mein Gemahl!“ sagte sie. „So? der ist dein Gemahl?“ rief der Prinz ganz wüthend, und gab sogleich Befehl, daß die Soldaten den Mann todtschießen sollten. Da fielen ihm aber die beiden Schwestern zu Füßen und baten ihn so dringend, ihren Freund doch nicht zu erschießen, daß der Prinz für den Augenblick nachgab. Alsbald aber ließ er [149] ihn auf ein Brett binden und das Brett in’s Meer werfen, daß die Wellen es forttrieben. Dann führte er die beiden Prinzessinnen in dasselbe Wirthshaus, wo Karl sie von den Seeräubern losgekauft hatte. Da stellten sie sich an’s Fenster und blickten in das Meer hinaus und sahen alsbald, wie die Wellen ihren Retter auf und ab trieben, und fiengen bitterlich an zu weinen, weil sie ihm gar nicht helfen konnten. Das ärgerte aber den Prinzen und er hieß sie von dem Fenster weggehen und sprach: „Wenn euer Leben euch lieb ist, so schwört mir hier auf der Stelle, daß ihr daheim eurem Vater sagen wollet: ich hätte euch von den Seeräubern erlöst, und sagt nur kein Wort von dem Menschen da!“ Die Prinzessinnen aber waren so bestürzt, daß sie zu allem Ja sagten, wozu er sie zwang. Dann fuhren sie mit einander zu ihrem Vater zurück; der war überaus glücklich, als er seine Kinder wiedersah, und machte sogleich Anstalt, die älteste Tochter mit dem Prinzen zu vermählen und ihm das ganze Reich zu übergeben. –

„Was ist denn aber aus Karl geworden?“ fragst Du mich. Gib Acht! ich will Dir’s genau erzählen:

Er wurde erst noch eine lange Zeit von den naßen Wellen hin und her geworfen und konnte nicht sterben, weil er nicht untersank. Endlich aber kam ein großer Vogel auf ihn zugeflogen, trieb das Brett an’s Ufer auf eine Sandbank, hackte dann mit seinem Schnabel die Stricke entzwei und sprach zu Karl: „Ich bin der Geist des Kaufmanns, den Du einst hast begraben laßen. Zum Dank für diese Wohlthat will ich Dir nun wieder helfen. Geh nach Italien [150] in die Stadt, woselbst mein Grabmal ist! Dort gib Dich für einen Maler aus, und man wird Dich alsbald in das königliche Schloß bestellen und Dir ein Zimmer zum Bemalen übergeben. Dann mußt Du aber Niemand bei Dir dulden, mußt die Thür verschließen und den Oberflügel des Fensters aufmachen. Für das Weitere will ich dann schon sorgen.“ Nachdem der Vogel dieß gesagt hatte, flog er fort.

Nun benutzte Karl die erste Gelegenheit, um nach der Hauptstadt des Königs zu fahren und kam glücklich dort an. Da war ein großer Jubel in der Stadt; denn überall sprach man von der Vermählungsfeier des Prinzen mit der Prinzessin, und die ganze Stadt sollte festlich geschmückt werden.

Als Karl in’s Wirthshaus trat, fragte ihn der Wirth, wo er herkomme? „Ich komme aus England, und bin ein Maler.“ „Ei, sagte der Wirth, da kommt ihr ja grade recht; denn unser Hofmaler hier sucht schon seit einigen Tagen einen Gehülfen, der ihm einige Zimmer im Schloße bemalen helfen soll.“ Und sogleich schickte der Wirth zu dem Hofmaler und ließ ihm melden, daß ein fremder Maler bei ihm angekommen sei. Darüber war der Hofmaler sehr froh und kam auf der Stelle selbst und nahm ihn mit in das Schloß.

Nun wünschte aber Karl, daß er allein ein Zimmer erhalte, wo er malen solle, was der Andere gern zugab und ihn allein ließ. Darauf schloß Karl die Thür zu, öffnete den obern Flügel des Fensters und sah hinaus in die Luft und guckte und guckte, daß ihm Zeit und Weile lang wurde [151] und er sich gar nicht mehr zu helfen wußte; denn der Geist des Kaufmanns ließ sich nirgends sehen.

Endlich kam der Vogel angeflogen und hielt einen Degen im Schnabel, setzte sich in das offene Fenster und sagte: „nimm den Degen und hau mir den Kopf ab!“ Karl aber sagte: „Ach nein, das kann ich nicht!“ „Wenn Du das nicht thust, sagte der Vogel, so kann ich Dir auch nicht helfen.“ Da nahm er den Degen und hieb dem Vogel den Kopf herunter; da fiel der Kopf in’s Zimmer, der Rumpf aber flog fort, und mit einem Male stand der Geist des gehängten Kaufmanns vor Karl, worüber er so erschrack, daß er ohnmächtig wurde und bewußtlos zu Boden fiel.

Nachdem er auf die Art eine lange Zeit in tiefem Schlafe gelegen hatte, klopfte Jemand an der Thür, davon wachte er auf und sah, daß das ganze Zimmer bemalt war; an der Decke war das Firmament dargestellt, Sonne, Mond und Sterne, an den Seiten aber sein eigener Lebenslauf, von seiner ersten Reise nach Italien an bis zu dieser zweiten. Darauf öffnete er die Thür, um zu sehen, wer geklopft hatte; es war der König, der mit seinen beiden Töchtern die Malerei besehen wollte. Kaum aber waren sie hereingetreten, als die älteste Tochter ihn erkannte und rief: „Um Gottes willen, lieber Mann, wie bist Du hieher gekommen?“ Da erzählte er Alles, was ihm begegnet war, und seine Frau erzählte ihrem Vater nun, wie dieser Mann sie von den Seeräubern losgekauft und wie sie schon seit mehren Jahren seine Frau geworden sei; wie sie dann auf ihrer jetzigen Heimreise mit dem Prinzen zusammen getroffen [152] sei; der habe ihren Mann erst erschießen laßen wollen, und endlich auf ein Brett gebunden und in’s Meer geworfen; sie aber und ihre Schwester hätten ihm schwören müßen, zu sagen, daß er sie erlöst habe.

Darauf sagte der König zu Karl: „halt Dich ganz ruhig in dem Gasthofe bis zu dem Tage, wo die Vermählung meiner Tochter sein soll! Du mußt auf jeden Fall dabei sein.“ Und schon nach einigen Tagen wurde Karl zu einem großen Gastmahle geladen, welches der König vor der Hochzeit geben wollte. Da kamen viel vornehme Gäste in dem Saale zusammen, den Karl bemalt hatte, und aßen und tranken und bewunderten die schöne Malerei an der Decke und an den Seitenwänden. Und endlich stand der König auf und sagte: „Wer mir erklären kann, was die Bilder da bedeuten, der soll König von Italien werden.“ Da gaben sich Alle große Mühe und studirten, besonders der Prinz; allein er mochte sich besinnen so viel er wollte, so konnte er doch nicht herausfinden, was die Gemälde vorstellen sollten.

Da erhob sich endlich Karl, nahm einen kleinen Stock in die Hand und deutete auf die Bilder und sprach:

„Das da oben ist das ganze Firmament: Sonne, Mond und Gestirne. Das Bild da an der Seite stellt einen englischen Kaufmannssohn vor. Hier tritt er seine erste Seereise nach Italien an. Hier landet er unterwegs in einer Hafenstadt. Hier fährt er in die Hauptstadt des Königs von Italien ein. Hier kauft er einen Kaufmann los, den man erhängt und in eine Kuhhaut genäht hatte. Hier läßt er den Kaufmann begraben. Hier tritt er seine Rückreise [153] nach England an. – Hier landet er unterwegs in der Hafenstadt. Hier spielt er mit zwei Seeräubern. Hier kauft er ihnen zwei junge Mädchen ab. Hier betritt er sein Vaterhaus. Hier verstößt ihn sein Vater mitsamt den beiden Mädchen. Hier verheirathet er sich mit dem einen Mädchen. Hier reist er mit seiner Frau und ihrer Schwester wieder nach Italien. Hier landen sie unterwegs und besuchen dasselbe Wirthshaus, wo er seine Frau losgekauft. Hier sind zwei italienische Schiffe gelandet. Hier wollen die Soldaten den Kaufmannssohn todt schießen, während die beiden Frauenzimmer fußfällig für ihn bitten. Hier wird er, auf ein Brett geschnallt, in’s Waßer geworfen. Hier kommt ein Vogel und löst ihm die Banden. Hier kommt er in der königlichen Hauptstadt an. Hier bemalt er im Schloß ein Zimmer. Hier sitzt er im königlichen Schloß bei der Vermählung seiner Frau, und dieser Kaufmannssohn, – das bin Ich!“

Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, so wurde der Prinz auf Befehl des Königs festgenommen und in’s Gefängnis geworfen und zum Tode verurtheilt. Karl aber feierte jetzt zum zweiten Male seine Vermählung; da gieng’s erst recht fröhlich her, das kannst Du glauben, und dann ist er König von Italien geworden.

Anmerkung des Herausgebers

[310] 42. Der Sohn des Kaufmanns. Mündlich aus dem Oberlande. Bei Wolf entspricht des Todten Dank, S. 243. Eine entfernte Verwandtschaft hat der „Dummling“ in den Nächten des Strapparola. Vgl. die Kinder-Märchen der Brüder Grimm, Bd. 3. S. 275.