Allgemeines Deutsches Kommersbuch:206

Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 410, 411
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[410]           452.     Des Mädchens Klage.     (III. 28.)

     Langsam.

     1. Den lie=ben lan=gen Tag hab i nur Schmerz und Plag,
den lie=ben lan=gen Tag hab i nur Schmerz und Plag, und
sollt am A=bend doch nit wei=ne. Wann i am Fen=ster steh,
so in die Nacht nei seh so ganz al=lei=ne, da muß i
wei=ne. Wann i am Fen=ster steh, so in die Nacht nei seh so ganz al=
lei=ne, da muß i weine.

     2. |: Denn, ach! mein Lieb ist tot, dort ob'n beim lieben Gott! :|
Der war mit Herz und Seele meine! |: I seh ihn nimmer mehr, das
druckt mi gar zu sehr und i muß weine, bin i alleine. :|

     3. Ach Gott! er hat mer's g'sagt, wann i ihn oft so plagt: Du
wirst e mal um mi noch weine! Wann i fortzogen bin ganz weit ins
Ausland hin, dann, liebe Kleine, dann wirst du weine!

     4. Ach du mein guter Gott! 's wär besser doch als tot, i wollt
gewiß dann gar nit weine! Wann er nur wieder käm, in seinen Arm
mi nähm und sagt: „Bist meine, du liebe Kleine!“

     5. Jetzt kommt er nimmer mehr, mir wird mei Herz so schwer,
und abens muß i immer weine! Wann d' Stern spazieren gehn, glaub
i sein Aug zu sehn, und bin alleine, da muß i weine!


[411]           453.     Gefunden.     (II. 76.)

     Munter.

     1. Der Jä=ger in dem grü=nen Wald wollt su=chen sei=nen
Auf=ent=halt. Er ging im Wald wohl hin und her, ob
auch nichts, ob auch nichts, ob auch nichts anzu=tref=fen wär.

     2. Mein Hündelein ist stets bei mir in diesem grünen Laubrevier.
|: Mein Hündlein wacht, mein Herz das lacht, :| mein Augen, mein
Augen, mein Augen leuchten hin und her.

     3. Es ruft mir eine Stimme zu, ich weiß nicht, wo es ist, ja ist.
Wie kommst du in den Wald hinein? du strahlenaug'ges Mädchen,
wie kommst du in den Wald hinein?

     4. „Um dich mir aufzuspüren, ging ich in diesen Wald, ja Wald.
Ich ging im Wald wohl hin und her, mein Augen leuchten weit um=
her, ob auch nicht, ob auch nicht ein Jäger anzutreffen wär.“

     5. Du sollst mir nicht mehr wandeln in diesem grünen Laub=
gestrauch. Bleib du bei mir als Jägerin, so lang als ich auf Erden
bin. Du strahlenaug'ges, strahlenaug'ges Mädchen, sei meine Jägerin!

     6. Er küßte sie so zärtlich und führte schön sie in sein Haus.
„Gern bin ich deine Jägerin, so lang als ich auf Erden bin. Du
herzgeliebter, herzgeliebter Jäger, gern bin ich deine Frau.“


          454.     Die Fahnenwacht.     (II. 22.)

     Gemessen. Peter von Lindpainter. 1847.

     1. Der Sän=ger hält im Feld die Fah=nen=wacht, die
Hand am Schwert stets fer=tig zum Ge=fech=te, hell