Der Polyhistor

Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der Polyhistor
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 222-223
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[222]
Der Polyhistor.


An jenem Fluß, zu dem wir alle müssen,
Es mag uns noch so sehr verdriessen,
An jenem Fluß kam einst ein hochgelehrter Mann,
Bestäubt von seinen Büchern, an,

5
Und eilte zu des Charons Kahn.

Willkommen! fieng der Fährmann an,
Indem er sich aufs Ruder lehnte,
Und bey dem Wort, Willkommen! herzlich gähnte.
„Wer seyd Ihr denn, mein lieber Mann?“

10
Ein Polyhistor, sprach der Schatten,

Für den die Schulen Ehrfurcht hatten. – –

     Indem er noch vor Charons Kahn
Von seinen Sprachen sprach, von nichts als Stümpern redte,
Und von Quartanten schrie, die er geschrieben hätte,

15
Kam noch ein andrer Schatten an,

Mit einer demuthsvollen Miene.
„Und wer seyd Ihr, auch ein gelehrter Mann?“
Ich zweifle sehr, sprach er, ob ich den Ruhm verdiene?
Ich habe nichts, als mich studirt,

20
Nichts, als mein Herz, das mich so oft verführt,

Deß Tiefe sucht ich zu ergründen,
Um meine Ruh und andrer Ruh zu finden;
Allein so viel ich immer nachgedacht,
Und so bekannt ich mich mit der Vernunft gemacht:

25
So hab ichs doch nicht weit gebracht,

Wie mich viel Fehler überzeugen!

[223]
     Der Polyhistor hörts und lacht,

Und eilt, um in den Kahn zu allererst zu steigen.
Zurück! rief Charon ziemlich hart,

30
Ich muß zuerst den Klugen überfahren,

Kaum einer kömmt in hundert Jahren;
Allein an Leuten eurer Art,
Die stolze Polyhistor waren,
Hab ich mich schon bald lahm gefahren.