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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Der Kaiser und die Schlange
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 130-132
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 150.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[130]
453.
Der Kaiser und die Schlange.
Scheuchzer itin. alpina III. 381. aus Henrici Braenwaldii embracensis coenobii praeposti chron. ins. Cento novelle antiche 49. Der erste Theil der Sage umständlich in der Reimchronik Cod. pal. 336. fol. 271 - 273 Vergl. Gesta roman. 99 und 105. Deutsch 71.


Als Kaiser Carl zu Zürch in dem Hause, genannt „zum Loch“ wohnte, ließ er eine Säule mit einer Glocke oben und einem Seil daran errichten: damit es jeder ziehen könne, der Handhabung des Rechts fordere, so oft der Kaiser am Mittagsmahl sitze. Eines Tages nun geschah es, daß die Glocke erklang, die hinzu gehenden Diener aber niemand beim Seile fanden. Es schellte aber von neuem in Einem weg. Der Kaiser befahl ihnen nochmals hin zu gehen, und auf die Ursache Acht zu haben. Da sahen sie nun, daß eine große Schlange sich dem Seile näherte und die Glocke zog. Bestürzt hinterbrachten sie das dem Kaiser, der alsbald aufstand und dem Thiere, nicht weniger als den Menschen, Recht sprechen wollte. Nachdem sich der Wurm ehrerbietig vor dem Fürsten geneigt, führte er ihn an das Ufer eines Wassers, wo auf seinem Nest und auf seinen Eiern eine übergroße Kröte saß. Carl untersuchte und entschied der beiden [131] Thiere Streit, dergestalt, daß er die Kröte zum Feuer verdammte und der Schlange Recht gab. Dieses Urtheil wurde gesprochen und vollstreckt. Einige Tage darauf kam die Schlange wieder an Hof, neigte sich, wand sich auf den Tisch, und hob den Deckel von einem darauf stehenden Becher ab. In den Becher legte sie aus ihrem Munde einen kostbaren Edelstein, verneigte sich wiederum und ging weg. An dem Orte, wo der Schlangen Nest gestanden, ließ Carl eine Kirche bauen, die nannte man Wasserkilch; den Stein aber schenkte er, aus besonderer Liebe, seiner Gemalin. Dieser Stein hatte die geheime Kraft in sich, daß er den Kaiser beständig zu seinem Gemal hinzog, und daß er abwesend Trauern und Sehnen nach ihr empfand. Daher barg sie ihn in ihrer Todesstunde unter der Zunge, wohl wissend, daß, wenn er in andere Hände komme, der Kaiser ihrer bald vergessen würde. Also wurde die Kaiserin sammt dem Stein begraben; da vermochte Carl sich gar nicht zu trennen von ihrem Leichnam, so daß er ihn wieder aus der Erde graben ließ, und 18 Jahr mit sich herum führte, wohin er sich auch begab. Inzwischen durchsuchte ein Höfling, dem von der verborgenen Tugend des Steines zu Ohren gekommen war, den Leichnam, und fand endlich den Stein unter der Zunge liegen, nahm ihn weg und steckte ihn zu sich. Alsobald kehrte sich des Kaisers Liebe ab von seiner todten Gemalin und auf den Höfling, den er nun gar nicht von sich lassen wollte. Aus Unwillen warf ein

[132] Mal der Höfling, auf einer Reise nach Cöln, den Stein in eine heiße Quelle; seitdem konnte ihn niemand wieder erlangen. Die Neigung des Kaisers zu dem Ritter hörte zwar auf, allein er fühlte sich nun wunderbar hingezogen zu dem Orte, wo der Stein verborgen lag; und an dieser Stelle gründete er Aachen, seinen nachherigen Lieblingsaufenthalt.