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Textdaten
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Autor: Wilhelm Busch
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Titel: Der Königssohn
Untertitel:
aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 131-132
Herausgeber: Otto Nöldeke
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Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
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Erscheinungsort: München
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Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[131]
39.

Es heirathete mal ein König seine eigene Tochter, und als sie schwanger ward, fürchtete er sich, daß es ruchbar werden möchte und er seines Reiches entsetzt würde. Da brachte er seine Tochter um, schnitt das Kind aus ihrem Leibe und ließ es von einer Amme groß säugen.

[132] Der Knabe war 12 Jahre alt, da wollte der König eine Reise thun. Er gab seinem Sohne die Schlüssel zu allen Zimmern; aber einen Schlüssel zeigte er ihm, in das Gemach, wo der zu paßte, da sollte er nicht hineingehen. Als der Vater fort war, ging der Knabe in alle Zimmer; und endlich nahm er, obgleich es ihm streng verboten war, den letzten Schlüssel, der paßte in die Kellerthür, und als er da hineinging, so lag da eine Frau im Sarge; das war aber die ermordete Königstochter. Da gab ihr Gott, daß sie sich aufrichten und sprechen konnte: »Der König ist dein Vater und mein Vater«, sprach sie da, »und ich bin deine Mutter.« Dann hieß sie ihm, daß er sich Haut nähme von ihrem Leibe zu Handschuhen, und daß er hinginge in den Stall und schnitte einer trächtigen Mähre das Füllen aus dem Leibe; wenn das groß wäre, so sollte er sich darauf setzen und die Handschuhe anziehen von ihrem Leibe und ausreiten zu einer Königstochter, die sie ihm nennen würde. Die hätte gelobt, den zu heirathen, der ihr ein Räthsel aufgäbe, das sie nicht rathen könnte. Dann sollte er zu ihr sprechen:

»Ungeboren bin ich,
Ungeboren reit ich,
Und trage meine Mutter an der Hand.«

Das würde sie nicht herausbringen können, was das wäre.

Der Königssohn that, wie ihm seine Mutter geboten hatte. Er zog das ungeborene Füllen groß und ritt zu der Königstochter; die konnte das Räthsel nicht errathen und mußte ihn zum Manne nehmen.