Der Informator

Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Der Informator
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Drittes Buch. S. 227-229
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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[227]
Der Informator.


Ein Bauer, der viel Geld und nur zween Söhne hatte,
Nahm einen Informator an.
Ich, sprach er, und mein Ehegatte,
Wir übergeben ihm, als einem wackern Mann,

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Was uns am liebsten ist. Führ er sie treulich an;

Er siehts, es sind zwey muntre Knaben,
Und freylich wird er Mühe haben;
Allein ich will erkenntlich seyn.
Ich halte viel aufs Rechnen und aufs Schreiben,

10
Dieß laß er sie fein fleißig treiben,

Und präg er ihnen ja das Christenthum wohl ein.
Ich kanns ihm nicht so recht beschreiben;
Allein, er wird mich wohl verstehn.
Ich möchte sie gern klug und ehrlich sehn:

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Dieß macht bey aller Welt gelitten,

Und ist vor Gott im Himmel schön;
Erfüll er also meine Bitten!
Hier geb ich ihm zwey Stübchen ein,
Und was er braucht, das soll zu seinen Diensten seyn.

20
     Der Lehrer fand ein Herz bey seinen Bauerknaben,

Als hundert Junker es nicht haben;
Denn zeugt nicht manches schlechte Haus
Oft Kinder mit den größten Gaben?
Und bildete die Kunst den rohen Marmor aus,

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Was würden wir für große Männer haben!
[228]
Wohl mancher, der im Krug so gern Mandate liest,

Trüg itzt verdient, als Staatsmann, seinen Orden;
Wohl mancher, der bey einem Bauernzwist,
Versehn mit Kühnheit und mit List,

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Aus Ehrgeiz gern der Führer ist,

Wär einst ein größrer Held geworden,
Als du, vornehmer Held, nicht bist!

     Der junge Mann, geschickt im Unterrichten,
Erfüllte redlich seine Pflichten;

35
Und dieß gefiel dem Bauer sehr.

Er hielt ihn ungemein in Ehren,
Kam oft, den Kindern zu zuhören,
Als obs die Pflicht der Väter wär.

     Nun war ein Jahr vorbey. Herr, sprach der gute Bauer,

40
Was soll für seine Mühe seyn?

„Ich fordre dreißig Thaler.“ Nein,
Nein, fiel der Alte hitzig ein,
Sein Informatordienst ist sauer.
So kriegte ja der Großknecht, der mir pflügt,

45
Beynah so viel, als der Gelehrte kriegt,

Der das besorgt, was mir am Herzen liegt.
Die Kinder nützen ihn ja durch ihr ganzes Leben.
Nein, lieber Herr, das geht nicht an,
So wenig giebt kein reicher Mann.

50
Ich will ihm mehr, ich will ihm hundert Thaler geben,

Und mich dazu von Herzen gern verstehn,
Ihm jährlich diesen Lohn ansehnlich zu erhöhn.

[229]
Gesetzt, ich müßt ein Gut verpfänden;

Auch das. Ists denn ein Bubenstück?

55
Viel besser, ich verpfänds zu meiner Kinder Glück,

Als daß sies, reich und lasterhaft, verschwenden.

 _______

     Hat dieß sich wirklich zugetragen?
Ja, wirklich. Glaub es auf mein Wort.
Ich wollte dir so gar den Ort,

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Wo dieser Bauer wohnt, und seinen Namen sagen;

Allein dieß wär für ihn betrübt.
Er würde nur Verdruß vom Edelmanne haben,
Weil der für sein halb Dutzend Knaben
Mit vielem Stolz kaum dreyßig Gülden giebt.