Das weiße Männchen und die Jungfrau

Textdaten
<<< >>>
Autor: Heinrich Pröhle
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das weiße Männchen und die Jungfrau
Untertitel:
aus: Kinder- und Volksmärchen. S. 59–61
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Avenarius und Mendelsohn
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[59]
14. Das weiße Männchen und die Jungfrau.

In einer Waldung wohnte ein Mann, der hatte bei seiner Geburt den Zettel erwischt, wo auf beiden Seiten nichts steht, darum war er sehr arm und mußte im Walde sein Brot suchen. Eines Morgens ging er auch ins Holz, betete und jammerte um seine Nahrung, da kam ein weißes Männchen [60] und fragte ihn, was er da ankte und seufzte. Da stellte er alle seine Noth vor. So sagte das weiße Männchen: er solle von Allem genug haben, wenn er nach vierzehn und drei Viertel Jahren ihm geben wolle, was er nach drei Viertel Jahren bekäme. Der Mann willigte ein und hatte seitdem von Allem die Hülle und die Fülle, und so kam die Zeit heran, da erhielt seine Frau ein kleines Mädchen. Das Mädchen wuchs wie Wasser an Leibeskraft und Verstand. Der Alte aber gedenkt daran, daß nun die Tochter dem weißen Männchen gehört, und daß bald die Zeit kommt, wo es sie hinwegholen wird. Er wird tiefsinnig und Mutter und Tochter fragen ihn, warum er sich mit so vielen Gedanken plage. Er aber will es erst nicht bekennen, was er für einen Pact mit dem Männchen gemacht hat, endlich bekennt er es doch. Der Tag kommt heran, er versteckt die Tochter und denkt, das weiße Männchen soll sie schon suchen, bis es sie findet. Da kommt in der Mittagsstunde eine Kutsche mit vier Schimmeln und das weiße Männchen sitzt darin. Es fragt nach dem Mädchen, die Mutter aber sagt: das wäre nicht zu Haus. Das weiße Männchen steigt aus der Kutsche, geht hin wo das Mädchen verborgen ist, nimmt es, setzt es in die Kutsche und wie ein Wind sind sie entflohen. Es bringt das Mädchen in ein großes Schloß, überliefert ihm ein Bund Schlüssel und sagt, wie es sich zu verhalten hat; verbietet ihm aber eine Kammer, auf die es bei Verlust seines Lebens nicht gehen soll. Das junge Mädchen war neugierig, wie nun junge Mädchen sind, hörte auch Musik auf der Kammer, schaute durchs Schlüsselloch, konnte aber so nichts sehen. Am andern Morgen steckte es den Schlüssel ein, schloß auf und schaute ein wenig hinein, da sah es viele viele Lichter. Die Musik aber ward immer schöner. So steckte es den Kopf tiefer hinein und erblickte viele Todte und einen Lebendigen, der mitten [61] unter den Todten war und die Lichter besorgte, der war der Tod und die Lichter waren Lebenslichter. Das weiße Männchen aber wußte gleich (denn es wird wol selber der Tod gewesen sein), daß das Mädchen auf der Kammer gewesen war. Nun fragte es das Mädchen dreimal, ob es auf der Kammer gewesen wäre, und das Mädchen sagte immer nein. Da wird das weiße Männchen so ärgerlich, nimmt es und geht mit ihm auf eine hohe Klippe, da stürzt er es herunter.