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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Das oldenburger Horn
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 317–319
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Commons = Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 337.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[317]
541.
Das oldenburger Horn.
Hamelmann oldenb. Chronik 1595. Th. I. c. 10.

Wlnkelmann old. Chr. Th. 1. c. 3.


In dem Hause Oldenburg wurde sonst ein künstlich, und mit viel Zierrathen gearbeitetes Trinkhorn sorgfältig bewahrt, das sich aber gegenwärtig zu Copenhagen befindet. Die Sage lautet so: Im Jahr 990 (967.) beherrschte Graf Otto das Land. Weil er, als ein guter Jäger, große Lust am Jagen hatte, begab er sich am 20. July gedachten Jahres mit vielen, von seinen Edelleuten und Dienern auf die Jagd, und wollte zuvörderst in dem Walde, Bernefeuer genannt, das Wild heimsuchen. Da nun der Graf selbst ein Reh hetzte, und demselben vom Bernefeuersholze bis an den Osenberg allein nachrannte, verlor [318] er sein ganzes Jagdgefolge aus Augen und Ohren, stand mit einem weißen Pferde mitten auf dem Berge, und sah sich nach seinen Winden um, konnte aber auch nicht ein Mal einen lautenden (bellenden) Hund zu hören bekommen. Hierauf sprach er bei ihm selber, denn es eine große Hitze war: ach Gott, wer nur einen kühlen Trunk Wassers hätte! Sobald als der Graf das Wort gesprochen, that sich der Osenberg auf, und kommt aus der Kluft eine schöne Jungfrau wohl gezieret, mit schönen Kleidern angethan, auch schönen über die Achsel getheilten Haaren und einem Kränzlein darauf; und hatte ein köstlich silbern Geschirr, so vergüldt war, in Gestalt eines Jägerhorns, wohl und gar künstlich gemacht, in der Hand, das gefüllt war. Dieses Horn reichte sie dem Grafen und bat, daß er daraus trinken wolle, sich zu erquicken.

Als nun solches vergüldtes, silbern Horn der Graf von der Jungfrau auf und angenommen, den Deckel davon gethan und hinein gesehen: da hat ihm der Trank, oder was darinnen gewesen, welches er geschüttelt, nicht gefallen und deßhalben solch Trinken der Jungfrau geweigert. Worauf aber die Jungfrau gesprochen „mein lieber Herr, trinket nur auf meinen Glauben! denn es wird euch keinen Schaden geben, sondern zum Besten gereichen;“ mit fernerer Anzeige „wo er, der Graf, draus trinken wolle, sollt’s ihm, Graf Otten und den Seinen, auch folgends dem ganzen Hause Oldenburg wohlgehn, und die Landschaft zunehmen und ein Gedeihen haben.“ Da aber der [319] Graf ihr keinen Glauben zustellen noch daraus trinken würde, so sollte künftig im nachfolgende gräflich oldenburgischen Geschlecht keine Einigkeit bleiben. Als aber der Graf auf solche Rede keine Acht gab, sondern bei ihm selber, wie nicht unbillig, ein groß Bedenken machte, daraus zu trinken: hat er das silbern vergüldte Horn in der Hand behalten, und hinter sich geschwenket und ausgegossen, davon etwas auf das weiße Pferd gesprützet; und wo es begossen und naß worden, sind ihm die Haar abgangen. Da nun die Jungfrau solches gesehen, hat sie ihr Horn wieder begehret; aber der Graf hat mit dem Horn, so er in der Hand hatte, vom Berge abgeeilet, und als er sich wieder umgesehn, vermerkt, daß die Jungfrau wieder in den Berg gangen; und weil darüber dem Grafen ein Schrecken ankommen, hat er sein Pferd zwischen die Sporn genommen, und im schnellen Lauf nach seinen Dienern geeilet; und denselbigen, was sich zugetragen, vermeldet, das silbern vergüldte Horn gezeiget, und also mit nach Oldenburg genommen. Und ist dasselbige, weil er’s so wunderbarlich bekommen, vor ein köstlich Kleinod von ihm und allen folgenden regierenden Herren des Hauses gehalten worden.