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Das hundertjährige Jubiläum der Geographischen Anstalt von Justus Perthes in Gotha

Textdaten
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Autor: S.
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Titel: Das hundertjährige Jubiläum der Geographischen Anstalt von Justus Perthes in Gotha
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 595–596
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[595] Das hundertjährige Jubiläum der Geographischen Anstalt von Justus Perthes in Gotha. Am 11. September feiert die weltbekannte geographische Anstalt Justus Perthes in Gotha das Fest ihres hundertjährigen Bestandes. 1785 gründete Justus Perthes aus Rudolstadt mit der Uebernahme des Hofkalenders und Almanach de Gotha, welche im Verein mit den später hinzugetretenen gräflichen und freiherrlichen Taschenbüchern noch heute einenu der wichtigsten und bekanntesten Verlagsartikel der Firma bilden, ein selbständiges Verlagsgeschäft. Aber erst unter der Leitung seines Sohnes Wilhelm (1816–53) wurde die geographische und speciell die kartographische Richtung die herrschende. Vor allem erfolgreich erwies sich die Verbindung mit dem damaligen Legationssekretär Adolf Stieler in Gotha († 1836), dessen Name auch heute noch von allen, die sich mit geographischen Dingen beschäftigen, von Groß und Klein gekannt ist. Seit nahezu 70 Jahren steht sein Handatlas (1. Ausgabe 1817–31) unerreicht da, denn in beständiger Verjüngung begriffen spiegelt er alle Fortschritte der geographischen Wissenschaft auf das getreueste wieder. Wesentlich trägt dazu der Umstand bei, daß alle Karten in Kupfer gestochen sind, denn dieses Metall eignet sich am besten für Aenderungen, Verbesserungen und Zusätze. Außerdem werden noch fortwährend neue Karten gezeichnet und gestochen, so daß die Gesammtsumme aller Blätter des Handatlasses bereits 197 beträgt. Demselben Reproduktionsverfahren unterliegt Stieler’s Schulatlas, der seit 1820 sich nicht bloß in den deutschen, sondern auch in den französischen, italienischen, ungarischen, schwedischen und finnischen Schulen eingebürgert hat.

Die hervorragendsten Autoren Wilhelm Perthes’ waren neben Stieler noch Heinrich Berghaus, dessen unvollendeter Atlas von Asien und physikalischer Atlas zuerst den Weltruf der Firma begründeten, ferner Karl von Spruner, der Schöpfer des großen, aus 118 Karten bestehenden historischen Handatlasses und endlich Emil von Sydow, der in seinen Wandkarten, in seinem methodischen Handatlas und in seinem Schulatlas zum ersten Mal die orographische Gestaltung des Festlandes in markanten Zügen darzustellen wußte. So war durch vereinte und von glänzenden Erfolgen begleitete Bemühungen von Autoren und Verleger der Boden vorbereitet, auf dem Bernhardt Perthes, der im Jahre 1853 seinem Vater in der Leitung des Geschäftes folgte, durch die Heranziehung geeigneter Kräfte als fest angestellte Mitarbeiter die Verlagshandlung in eine geographische Anstalt umschaffen konnte. Von größter Bedeutung war die Uebersiedelung Petermann’s von London nach Gotha und die Begründung der seit 1855 erscheinenden „Mitteilungen“, an der Petermann und Behm fast in gleichem Maße betheiligt waren. So wurde Gotha für ein paar Jahrzehnte der Mittelpunkt aller geographischen Bestrebungen in Deutschland; die Afrika- und die Polarforschung erhielten von hier aus die mächtigsten Impulse. Leider starb Bernhardt Perthes schon 1857 im blühendsten Mannesalter, aber die umsichtige Leitung Rudolf Beffer’s und Adolf Müller’s, welcher die Interessen des nachgeborenen Sohnes des Besitzers vertrat, führte die Anstalt auch über

[596] diese Klippe ungefährdet hinweg. Von bedeutenderen neueren Unternehmungen sei die Neubearbeitung von Spruner’s historischem Handatlas durch Menke, Grundemann’s Missionsatlas und die periodischen Publikationen: „Das geographische Jahrbuch“ von Behm und „Die Bevölkerung der Erde“ von Behm und Prof. Wagner genannt. Hoffen wir, daß man in abermals hundert Jahren der gegenwärtigen Anstalt ebenso rühmend gedenken werde, wie wir der Vergangenheit.
S.