Das Sedan-Panorama in Frankfurt am Main

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das Sedan-Panorama in Frankfurt am Main
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 600
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[600] Das Sedan-Panorama in Frankfurt am Main. (Mit Abbildung.) Unter dieser Bezeichnung ist am 2. September. v. J. in dem Palmengarten zu Frankfurt am Main ein Kunstinstitut eröffnet worden, welches in einem 1800 Quadratmeter großen Rundgemälde die denkwürdige Schlacht bei Sedan historisch-treu wiedergiebt. Das großartige Bild ist von Professor Louis Braun, München, in Verbindung mit dem Architekturmaler Frosch und Landschaftsmaler Biberbach mit künstlerischem Geschmack gemalt worden und nimmt unter den derartigen Kunstwerken Deutschlands vielleicht den ersten Rang ein.

Das Sedan-Panorama in Frankfurt am Main.

Beim Eintritt in den großen Rundbau, dessen Aeußeres den Lesern das nebenstehende Bildchen vorführt, befinden wir uns zunächst in einer Casematte, in der sich unseren Blicken ein Diorama darbietet. Es stellt am Ende des dunklen Ganges die Ruinen von Bazeilles, vom Mondlicht erhellt, dar. Von hier aus betreten wir das Podium des großen Panoramas, in welchem unter dem vollen Effecte des Sonnenlichtes das große Rundgemälde sich befindet. Wir stehen auf einem zwischen Frénois und Sedan gedachten erhöhten Punkte und haben den Stand der Schlacht etwa um die vierte Nachmittagsstunde vor uns. Was in nächster Nähe an Erdreich, Bäumen Sträuchern etc. zu erblicken ist, sind natürliche Gegenstände; wir können jedoch auch mit bewaffnetem Auge kaum unterscheiden, wo die Natur aufhört und das Gemälde beginnt. Im Vordergrunde erblicken wir die Vorstadt Tarcy, die Häusermassen von Sedan und hinter denselben am Horizont den Wald von Garenne, von dem sich, vertrieben durch die Abtheilungen des fünften und elften preußischen Armeecorps, französische Truppe auf die Festung zurückziehen. Auf der rechten Seite des Bildes sehen wir Balan, in welchem der Kampf noch in vollem Gange ist, die gegen Monelle vorrückende Reserve der Garde und der Sachsen, das brennende Bazeilles und die Dörfer Reminy und Port Maugy. Hinter den Batterien des zweiten baierischen Corps, welche ihre Feuerschlünde gegen Sedan richten, steht das deutsche Hauptquartier. Deutlich erkennt man hier den König von Preußen, Moltke und Bismarck während der Kronprinz mit seinem Stabe, von einer kleinen Ulanenabtheilung begleitet, auf der Straße nach Cheviègne der Stelle zureitet, auf welcher der König steht. Moltke weist mit der Hand gegen Floing hin; hier, jenseits der Maas, stürmen gerade die Schwadronen der französischen Cavalleriedivision Marguerite über die Höhe herab; schon ist beim ersten Anreiten ihr Führer gefallen, und General Gallifet hat sich an die Spitze gestellt. Aber in einer halben Stunde wird sich die Bravour der Verzweifelten an den sicher feuernden Linien der preußischen und hessischen Schütze breche und bald hierauf auf der Citadelle von Sedan die weiße Fahne erscheinen.

Das Gemälde giebt diese wichtigen Kämpfe, welche den Ausgang von Deutschlands neuer Größe bezeichnen so wahrheitsgetreu wieder, daß, um ein Beispiel anzuführen, gelegentlich eines Besuches des Panoramas am 20. October vorigen Jahres Kaiser Wilhelm beim Anblick der Scenerie sich sofort zu orientiren wußte. – So möge denn dieses Institut Alle, die es besuchen, an die schweren Stunden des heiligen Krieges und an Diejenigen erinnern, die auf jenen Gestaden für Deutschlands Ruhm und Ehre ihr Blut vergossen!