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Das Königreich Württemberg (Adam)/Gmünd, Hohenstaufen und Hohen-Rechberg

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Gmünd

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Gmünd, Hohenstaufen und Hohen-Rechberg.

Was diese Ueberschrift zusammenfügt, hat Natur und Geschichte verbunden, und wenn auch jetzt, wie bildlich schon hier angedeutet der Hohenstaufen mehr in den Hintergrund tritt, so gieng von ihm doch die Quelle des Ruhmes für Land und Volk und des Glückes für Gmünd hauptsächlich aus.

Nicht immer war der Gipfel jenes Bergkegels, der die ganze Landschaft überragt, so kahl. Schon vor achthundert Jahren krönte ihn die stattliche Burg eines edlen von Büren. Dieser nannte sich nach dem Berg von Staufen, Kaiser Heinrich IV. machte ihn zum Herzog von Schwaben und gab ihm seine Tochter Agnes zur Frau, und aus ihrer Nachkommenschaft giengen binnen hundert und siebenzehn Jahren sechs deutsche Kaiser hervor Konrad III., Friedrich I., Heinrich IV., Philipp, Friedrich II., Konrad IV., bis mit Konradin, dem letzten unglücklichen Sprossen, der edle Stamm erstarb. Die Burg selbst wechselte dann mehrmals ihren Herrn, bis sie i. J. 1378 bleibend in württembergischen Besitz kam. Aber auch diesen vernichtete mit der Burg selbst der Bauernkrieg und jetzt sind nur noch wenige Steine der alten Herrlichkeit zu sehen. Ein redendes Zeugniß vergangener Zeit bewahrt das Kirchlein in dem Dorfe Staufen am südlichen Abhange des Berges, wo es über einer zugemauerten Thüre heißt:

Hic transibat Caesar.
Der großmächtigst Kaiser wohl bekannt,
Friedericus Barbarossa genannt,
Das demüthig edel deutsche Blut,
übt ganz und gar keinen Uebermuth;
auf diesem Berg hat Hof gehalten,
[50] wie vor und nach ihm die Alten;
zu Fuß in diese Kirch ist gangen,
ohn’ allen Pracht, ohn’ Stolz und Prangen.
durch diese Thür wie ich bericht,
ist wahrlich wahr und kein Gedicht.
Amor bonorum, teror malorum.

Der Rechberg.

Weniger glanzvoll, aber festerbegründet war das Haus derer vom Rechberg und noch steht die alte Burg, fast die einzige im weiten Kreise, in altehrwürdiger Gestalt vor uns. Auf Hohenrechberg ist die Wallfahrts- und Pfarrkirche zur schönen Maria genannt. Von da führt eine mächtige steinerne Brücke über die zwischen dem Hauptberg und dem Mittelfelsen liegende Kluft und in das noch bewohnbare Schloß. Zwei Dörfchen, Vorder- und Hinter-Rechberg-Weiler, sind an der südlichen Seite des Berges hingestreut, indeß die beiliegenden Abbildungen Hohenstaufen und Hohenrechberg von der nördlichen dem Remsthal zugekehrten Seite zeigen. Ehemals war der Rechberg mit Wald bewachsen und erhielt seinen Namen, wie das ganze Rehgebirge, zu dem er gehört, von den zahlreichen Rehen, die ihn bevölkerten. Die Burg Rechberg kommt zuerst i. J. 1317 in einer Urkunde als Besitzthum der Herren von Hohenrechberg vor, die sich bald als freiherrliches Geschlecht auszeichneten, und i. J. 1626 von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Sie nannten sich Grafen von Rechberg und rothen Löwen, da sie von den alten Grafen vom rothen Löwen abstammten, und führen noch heute diese Abstammung im Wappen.

Nicht minder als die Geschichte zieht uns die Natur der Gegend an, in welcher der Hohenstaufen und der Rechberg ebensosehr hervorragen. Bilden sie für ihre Umgebungen schon stattliche Hauptpunkte, so ist die Aussicht von ihren Höhen unvergleichlich und schon dadurch ausgezeichnet, daß nach allen Seiten das Auge frei umherschweifen [51] kann. Gegen Norden liegt der Welzheimer-Wald und im Vordergrunde die Stadt Gmünd, gegen Nordost der Hornberg bei Ellwangen, östlicher der Albuch mit dem Rosenstein, in der Nähe der Stuifen, der Bernhardusberg, Staufeneck. Südlich verweilt das Auge auf dem Filsthal zwischen Geißlingen und Göppingen, gegenüber der Messelberg, Hohenstein, Hauberg, Breitenstein, Teck, der gelbe Fels, Neufen, Achalm, Hohenzollern, und hinter diesen die Kette der Vorarlberger und Schweizer-Alpen; westlich gegen den Schwarzwald, und nordwestlich der Stromberg – ein reiches Panorama voll mannigfaltiger Abwechslung. Da Hohenstaufen und Rechberg in gleicher Linie und nur anderthalb Stunden von einander entfernt liegen, so ist die Umsicht von beiden Bergen fast gleich.

Steigen wir nun herab nach der ehemaligen freien Reichsstadt Gmünd in dem freundlichen fruchtbaren Thale der Rems. Zahlreiche Thürme, Kirchen und Stadtmauern geben ihr ein stattliches Ansehen. Im Innern zeigt sie aber, daß die jetzige Oberamtsstadt nicht bei der alten Zeit stehen geblieben ist; reinliche Straßen und moderne Häuser nehmen den überraschten Wanderer auf. Aber der Wohlstand und die Bevölkerung sind nicht mehr wie früher. Die Stadt, welche wohl 15000 Einwohner fassen könnte, hat nicht einmal 7000, und die Gewerbe, die für Gmünd Jahrhunderte lang Quelle der Wohlhabenheit waren, haben dem veränderten Gange der Fabrikation und des Handels immer mehr weichen müssen. Schon Friedrich von Büren, der neue hohenstaufische Herzog von Schwaben (1080–1105), ließ es mit Mauern umgeben. Kaiser Friedrich der Rothbart verlieh ihm Stadtrecht und andere Freiheiten. Ueberhaupt wandten die Hohenstaufen alles an, um hier in ihrer Nachbarschaft das Gewerbe zu heben. Sie bedurften dessen für ihren Hofstaat, und legten dadurch [52] wohl den Grund zu dem Hauptgewerbe der Stadt, der Gold- und Silber-Schmiede. Bis zum Untergange der Hohenstaufen blieb Gmünd seinen Herren ergeben. Dann aber erwarb sie sich bei dem damals herrenlosen Zustand die Reichsfreiheit und überließ den adeligen Geschlechtern die Regierung. Doch wie sich diese übermüthig zeigten, jagten die Bürger sie aus der Stadt und zerstörten ihre Burgen in der Nachbarschaft (1284). Sie gaben sich nun eine andere Verfassung und wählten die Bürgermeister aus ihrer Mitte. Zwar wurden die Adeligen wieder aufgenommen, jedoch nie mit ausschließlicher Herrschaft.

Besondere Wichtigkeit hat Gmünd durch seine Kirchen für die Geschichte der Baukunst und für die Freunde der Kunst überhaupt, und zwar sind es namentlich die Johanniskirche und die Pfarrkirche zum heiligen Kreuz, welche unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Die letztere ist die größere; ihr Gewölbe ruht auf 22 Säulen und sie ist ganz im deutsch-mittelalterlichen (gothischen) Styl (1351–1377) erbaut. Ihre beiden Thürme stürzten aber i. J. 1497 ein und wurden nicht wieder aufgebaut. Die Johanniskirche ist ungleich älter und ihrer byzantinischen Bauanlage nach wohl in das eilfte Jahrhundert zu setzen. Ihre Wände sind reich mit Figuren in erhabener Arbeit geziert. An ihrem schlanken vier- und achteckigten Thurm erkennt man die Johanniskirche weithin, wogegen durch ihren Umfang und ihre Höhe die Kreuzkirche hervorragt. Ein katholisches Schullehrerseminar, eine Taubstummen- und Blindenunterrichtsanstalt verdanken der väterlichen Fürsorge König Wilhelms Dasein und Gedeihen. Ein Besuch außer der Stadt bei der in einen Felsen gehauenen St. Salvators-Wallfahrtskirche lohnt sich noch durch liebliche Aussicht. Das Frauenkloster Gotteszell ist in ein Zuchthaus umgewandelt.

Anmerkungen (Wikisource)

Siehe auch Schwäbisch Gmünd.

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