Allgemeines Deutsches Kommersbuch:313

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 624, 625
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[624]

lau=ter gu=te Din=ge sind das! Val=le=ral=le=ra!


          694.     Farben des Zechers.

     Singw.: Alle Vögel sind schon da ec. oder: Lauriger Horatius etc.

     1. Heute laßt mich offen nur Farbe gleich bekennen! Alle Farben
der Natur will ich mein heut nennen: Heller blinkt als Morgentau
meiner Augen Feuer, und ist tags der Himmel blau, bin ich nachts
noch bläuer!

     2. Grün wie Knosp an Knospe schwillt in dem jungen Grase,
lacht mir meiner Hoffnung Bild aus dem zehnten Glase, und dem
Röslein gleich im Hag glühen meine Wangen, ob auch grau wie
Nebeltag dräut des Katers Bangen.

     3. Selbst vor bunter Tulpenpracht nicht die Waffen streck ich,
denn wenn Bierulk wird gemacht, lache ich mich scheckig. -- Alle Farben
der Natur leicht ich übertrumpfe; ihre schönsten Blumen nur blühn
ja auf dem Sumpfe!

R. Schultz.


          695.     Das Hildebrandlied.     (I. 138.)

     Mäßig bewegt. Franz Abt. 1878.

     1. Hil=de=brand und sein Sohn Ha=du=brand, Ha=dubrand,
rit=ten selb=an=der in Wut ent=brannt, Wut ent=brannt
ge=gen die See=stadt Ve=ne=dig, ge=gen die
[625] See=stadt Ve=ne= =dig.

     2. Hildebrand und sein Sohn |: Hadubrand, :| keiner die Seestadt
Ve |:=nedig fand. :|: Da schimpften die beiden unflätig. :|

     3. Hildebrand und sein Sohn Hadubrand ritten bis da, wo ein
Wirtshaus stand, Wirthhaus mit kühlen Bieren.

     4. Hildebrand und sein Sohn Hadubrand soffen sich beid einen
Riesenbrand, krochen heim auf allen vieren.

J. V. Scheffel. 1846.


          696.     Fuchslied.

     Singw. zusammengesetzt aus: Was fang ich armer Teufel an ec. und: O alte Burschenherrlichkeit ec.

     1. Ich bin als krasser Fuchs daher in diese Stadt gekommen, noch
ist das Herz mir zentnerschwer vom Abschied und beklommen. Ich
weiß noch weder Gicks noch Gacks von euren Lebenssitten, drum, ihr
Orakel des Geschmacks, will ich um Lehre bitten. Alle. Suchst du der
Freude Rosenbahn, so schließe fest an uns dich an; folg unsrer Becher
Klirren, so wird dein Fuß nicht irren!

     2. Potz Stern, da komm ich blindlings ja gleich vor die rechte
Schmiede; ich war bei meiner Frau Mama des Klosterlebens müde.
Sie hielt den raschen Jugendsinn in gar zu strengen Banden; denkt
nur, ich durfte nie dahin, wo Mädchen sich befanden! Alle. O böses,
böses Mütterlein, wir sollten deine Söhne sein; da frommte kein
Gebieten, kein Schmähen und kein Hüten!

     3. Auch machte mehr noch, als Mama, ein alter Hausmagister
mit Griechisch und mit Algebra den Kopf mir schwer und düster.
Doch mein Herr Vormund, Ludwig Spitz, schwur hoch bei allen
Sternen: Ich müsse fort zum Musensitz, um mores da zu lernen.
Alle. Der wackre Vormund sprach gescheit ein goldnes Wort zu rechter
Zeit: Laßt uns die Becher heben, Herr Ludwig Spitz soll leben!

     4. Ach, rief Mama, du Herzensblatt, du Krone meiner Kinder!
verdirb nicht in der Musenstadt, denn sie hat große Sünder. Es giebt
durchs ganze A B C dort Glücks= und Tugendräuber, flieh sonderlich
ein dreifach W, flieh Würfel, Wein und Weiber! Alle. Ei ei, die werte
Frau Mama trat unsrer guten Stadt zu nah! Die Würfel mag sie
schelten, das lassen wir noch gelten.

     5. Wie steht es aber mit dem Wein? Gehört der zu den Giften?
Er glänzt wie milder Sonnenschein, und sollte Böses stiften? Ich bin
vor Lust schon halb berauscht, da Flaschen mich umblinken; und weil
Mama doch hier nicht lauscht, will ich ein Gläschen trinken! Alle.