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Curiöses Reim-Gedichte Von Olyben oder Holhipen

Textdaten
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Autor: Philomeloedus
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Titel: Curiöses Reim-Gedichte Von Olyben oder Holhipen
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Erscheinungsdatum: 1695
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Erscheinungsort: ohne Ort
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Quelle: im VD17 unter der Nummer 3:650779P
Kurzbeschreibung: Flugschrift über die Herkunft des Worts Hohlhippe
Flugschriften des 17. Jahrhunderts
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[1]

Curiöses Reim-Gedichte
Von
Olÿben
Oder
Holhipen
ausgefertigt
Durch
Philomelœdum.
1695.


[2]
DIßmahl reißen die OLYBEN / so Path Hans im Korbe trägt /

Uns durch ihren Nahmen an / daß wir seinen Urstand suchen /
Und besehen: ob man auch diese auffgerollte Kuchen
Eben recht HOLHIPEN nenne?
Ja / warumb sie so belegt?
Erstens halten wir: a)[1] OLYBE sey ein Niederländisch Wort.
Weil die Deutung einerley / die es mit OBLYE führet /
Und es aus Metathesi ohne Zweiffel hergerühret.
(Denn wie leichtlich setzt der Pöbel eines Wortes Lettern fort.)
Ja / gleichwie das Wort OBLYE auff ein süß Gebacknes weist /
Will OLYBE gleiches thun. Doch / woferne man gedächte:
Daß der Niederländer Wort gar nichts anders mit sich brächte /
Als was hier in Ober-Sachsen überall Oblate heißt.

[3]
Und: wie treffe nun die Forme dieser beeden Sachen ein?

Könte also mit OBLY - niemand auff OLYBEN zeigen.
So versetzen wir darauff: das kan unsern Satz nicht beugen.
Denn es pflegen solche Formen nicht essential zu seyn.
Zum Exempel: Mandeltorten sind offt mancherley Gestalt.
Dennoch aber werden sie immer eben so genennet /
Weil man an der Mafla nie einen Unterschied erkennet.
Nun ist in erwehnten Sachen auch der Taig nicht mannichfalt.
Daß daher das Wort OLYBE von OBLYE stammen kan.
Nachmahls / ob man solches Brod auch a)[2] HOLHIPEN nennen dürffe?
Daß nicht die Orthographie so-geschriebnes Wort verwürffe /
(Massen unsre erste Meinung allbereit genug gethan /

[4]
Und es scheint: es sey Holhipe nicht so / als Olybe / recht.)

Ist aus der Anatomie dieses Wortes zuverstehen;
Wenn wir: HIPE / und hernach: HOL / insonderheit besehen.
HIPE ist seiner Deutung hier gantz general und schlecht.
Es notiret zwar dasselbe sonsten einen hagern Geiß;
Aber es kan auch so viel / als ein dürres corpus, gelten.
Wie der Schneider offt sich muß lassen eine HIPE schelten.
Weil gemeiniglich ein Schneider nur von Haut und Beinen weiß.
Dannenher dem Hol-Gebacknen / welches gleichfalls (a)[3] Dürre ist /
Eben nicht gar ungereymt auch der Nahme HIPE bleibet.
Doch / dieweilen HIPE hier bloß das Dürre Was beschreibet /
Und diß corpus so nichts in sich / wie ein Geiß und Schneider schlißt /
Muß es HOLE Hipe heissen. Das ist zwar weit hergebracht.
Aber / weil wir observirt / daß man unter klugen Leuten
Auch also: HOLHIPE / schreibt; mochten wir es gerne deuten.
Wem das Letzte nicht will klappen / der nimt jenes mehr in Acht.


  1. a) Vid. Hadriani Junii, Medici, Nomenclator septem diversis linguis omnium rerum nomina indicans, edit. 1591. in 8vo. qui in nomenclaturis ciborum p. 82. hæc exhibet: Crustulum, Horat. Pemmatium è farina, melle, (aut, ut nunc, saccharo) lacte, & similibus confectum opere pistorio. πεμμάτιον. AL. Offlaten. Belg. Oblaet / OBLYE / Waffele. Gal. OUBLIE, gauffre. WS: siehe Digitalisat dieser Stelle in einer Ausgabe des Nomenclator von 1606
  2. a) Georg Rudolff Widmann / in der Historie von D. Fausten, schreibet part. I. cap. 9. (da Faust seine resolution, auf die vom Teuffel fürgestellte 5. Articul, von sich giebt) folgende Fausti Worte: So wisse er wohl daß sie ihn auf der Cantzel und Predigstul werden ohne Zweiffel ausschreyen und HOLHIPEN. Da ist zwar da activum verbum holhipen gesetzt: alleine man kan doch leicht schliessen / daß das nomen auch so heisse: wie denn auch nachgehends aus der Corvini Lexico das Wort Hippen / pro crustulo genommen / gezeiget wird. WS: in der Ausgabe 1674 des Widmannschen Faust-Buchs ist davon nichts mehr zu finden (siehe Zeno.org bzw. HAAB); frühere Ausgaben bleiben zu prüfen
  3. (a) Corvinus in seinem Lexico hat hievon dieses: Crustum, vel crustulum, allerley DüRR Gebackens das man isset / Stück Kuchen / Pretzeln / ein Ranft-Brodt / Oblaten / HIPPEN / Eisen-Kuchen / etc.