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Leib.

Der menschliche Leib ist das Letzte und Edelste in der sichtbaren Schöpfung Gottes und soll nach dem zeitlichen Tode am jüngsten Tage für die ganze Ewigkeit wieder auferstehen. Diese beiden Grundgedanken beweisen, welch hoher Werth im Christenthum auf den Leib gelegt ist und wie irrig mithin die manichäische Ansicht war, die im Leiblichen das böse Princip erkannte. Nach Mani besteht der Sündenfall nur darin, dass die himmlische Seele nach dem leiblichen Daseyn gelüstet und im Leibe eingefangen wird, die Erlösung daher auch nur in der Befreiung von der Leiblichkeit durch eine freiwillige Jungfräulichkeit aller Menschen, die jede neue Zeugung unmöglich macht, also durch einen Selbstmord der ganzen Menschheit. Vgl. Baur, manich. Relig. 118. 181. Nach christlichem Begriff soll der Leib nicht als ein Fremdes, Teuflisches zerstört, sondern als das uns von Gott selbst angelegte eigenste Kleid nur heilig und rein gehalten, und wenn es durch Sünde verunreinigt worden, durch Busse wieder geläutert und verklärt werden. Die christliche Ascese ist daher auch nicht als Tödtung des Fleisches, sondern nur als Reinigung desselben durch Busse zu verstehen.

Die Verdammung alles Leiblichen veranlasste auch den [19] Zweifel an der menschlichen Natur Christi. Man half sich damit, dass man sagte, Gott habe zwar unmöglich in einen wirklichen irdischen Leib eingehen können, jedoch einen Scheinleib angenommen. Das war der Doketismus, die älteste Ketzerei im Christenthum. Vgl. Philo von Gfrörer II. 369. Natürlicherweise fällt damit auch das Leiden Christi und somit aller Ernst des Erlösungswerkes hinweg, und Christus spielt in seinem Scheinleibe nur eine Comedie.

Nur wo das Leibliche auf Kosten der Seele gepflegt wird, erscheint es verdammlich. Dieser Cultus der Leiblichkeit wird ausgedrückt durch die babylonische Hure, die mit dem Taumelkelch in voller Ueppigkeit auf dem Drachen reitet. Nur diese grobe Sinnlichkeit hat zu ihrem Ausgang Tod und Verwesung, und wird in diesem Betracht gerne das Leibliche als ein übertünchtes Grab aufgestellt, als eine lachende Maske, hinter der ein Geripp mit Würmern und Schlangen sich verbirgt.

Die Leiblichkeit, in der wir dereinst auferstehen werden, ist eine Entkleidung von jener groben Sinnlichkeit und doch immer noch leibliches Wesen und Gestalt, nach der Physiognomik unserer geistigen Eigenthümlichkeit. „Gesäet wird der natürliche Leib, aber auferstehen wird der geistige Leib.“ 1. Korinth. 15, 44. „Der irdische Leib ist ein schwerer Busssack, aber der Leib im Himmel ein edel königliches Kleid, lichter denn die Sonne, schneller denn der Augenblick, gefüger denn die Luft.“ David von Augsburg in Pfeiffers Mystikern I. 385.