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21. Seebronn,
ein kath. Pfarrdorf, 11/2 St. von Rottenburg, zählt 625 Einw. Der Ort liegt gegen das Neckarthal sehr erhöht, und wird schon zu dem sogenannten Gäu gerechnet; er ist ziemlich regelmäßig erbaut, und viele Häuser sind ganz von Stein, indem auf dessen Markung vortreffliche Sandsteine gebrochen werden, wodurch der Ort einen bedeutenden Nahrungszweig hat, so wie die Gemeinde eine der bemittelsten im Oberamte ist. Die Einwohner zeichnen sich dadurch auch vorzüglich aus, daß nicht nur kein Bettler im Orte selbst ist, sondern daß der Bettel von Auswärtigen bey ihnen seit der theuern Zeit von 1816/17 ganz abgeschafft worden, indem wöchentlich | für die benachbarten ärmeren Ortschaften, Brod, Mehl und Grundbirnen abgereicht wird; Durchreisende aber ihren Zehrpfenning erhalten. Die monatlichen Sammlungen betragen immer gegen 2 fl. Geld und 350 Pfd. Mehl, und 300 Pfd. Brod. Der Ort hat 1 Ölmühle.

Den Großzehnten beziehen der Staat, die Universität Freyburg, der Spital und die Roggenalmosenpflege zu Rottenburg und die Heiligenpflege des Orts [1]. Den Klein-, Heu- und Blutzehnten bezieht die Universität Freyburg, welche die Hälfte davon der Pfarrey als Besoldungstheil überlassen hat. Zehentfrey sind 6 M. Äcker, 11/8 M. Wiesen, auch in der Brach der Klee durchgängig.

Aus älterer Zeit ist von dem Orte Seebronn wenig bekannt, und sein Name kommt nur in einem adelichen Geschlechte vor, das sich von demselben schrieb. 1393 machen Betha und Catharina, Töchter des Wernher von Seebronn, zu einem Gedächtniß kleine Stiftungen bey den Karmeliten zu Rottenburg und in den Spital daselbst von ihrem Lehen zu Seebronn. 1399 kommt auch öfters in Urkunden Friedrich von Seebronn vor. Graf Rudolph von Hohenberg erlaubt 1388 Katharinen von Lichtenstein, Wilhelms von Wellingen Wittwe, 20 Mltr. jährlichen Roggengeldes aus dem Layenzehnten zu Seebronn, die er 1380 an Walter Seyfried zu Rottenburg versetzt hatte, käuflich an sich zu bringen. Der Katharina zweyter Mann, Burkhard Wichsle, verschreibt sich 1406 wegen der Wiederlosung. 1409 versetzt Herzog Friedrich zu Östreich dem Schultheißen Hans Schmid zu Herrenberg, die Vogtey zu Seebronn nebst 20 Pfd. Heller jährlich auf der Steuer daselbst.

Mehrere hundert Jahre wurde Seebronn als Filial von der Stadtpfarrey zum h. Martin zu Rottenburg versehen; 1780 wurde jedoch eine eigene Pfarrey daselbst gestiftet. | Das Patronatrecht steht der Universität Freyburg zu; die Bauschuldigkeit an Kirche und Pfarrhaus liegt den Zehentherren, die Unterhaltung derselben der Kirchenpflege ob.



  1. Der Antheil des Staats ist auf 9 Jahre an die Gemeinde um jährlich 70 Sch. Dinkel, 20 Sch. Haber und 45 Sch. Gerste verliehen. A. d. H.
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