Beschreibung des Oberamts Kirchheim/Kapitel B 7

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7. Gemeinde Holzmaden,
ev. Pfarrdorf mit 587 ev. und 4 kath. Einw., früher auch Holzmadon, liegt in der Kirchheimer Thalebene, östlich gegen den Aichelberg hin, zwischen Ohmden und Weilheim, 1 St. von K. entfernt, dessen Kameralamt es zugetheilt ist, | und steht in der III. Kl. Der große Zehente gehört vom Kl. Adelberg her dem Staat und wird seit 1839 durch einjährige Verpachtung erhoben; den kleinen und Heu-Zehenten bezieht die Pfarrei. Seit 1818 hat die Gemeinde für 565 fl. 40 kr. grundherrliche Rechte, namentlich alle Laudemien, dem Staat abgekauft. Außer diesem sind noch einige Stiftungspflegen gefällberechtigt.

H. liegt gesund und eben; ein kleiner Bach fließt vorbei. Die nach Weilheim führende Straße wurde 1839 mit einem Kosten von 2000 fl. angelegt. Die Bauart ist nicht ungefällig. Die Zahl der Hauptgebäude ist 92 und die der Nebengebäude 5, worunter 2 Gemeinde-Waschhäuser und 1 Armenhaus. Die 1634 fast ganz abgebrannte Kirche zu St. Stephan wurde 1664 durch den Armenkasten wieder aufgeführt. Das Pfarrhaus baute 1684 der Kirchenrath. Die Einwohner zeichnen sich durch religiösen und redlichen Sinn, durch Fleiß und Sparsamkeit aus, haben aber nur ein mittelmäßiges Fortkommen; doch steht keiner im öffentlichen Almosen. Hauptnahrungsquelle ist der Feldbau, für welchen aber die Markung, nächst der von Kirchheim verhältnißmäßig die kleinste des Bezirkes, nicht zureicht. Der Ackerbau ist, da der Boden viel Schiefergrund hat, nicht ergiebig. Die Wiesen aber sind gut. Der Weinbau ist ganz unbedeutend. Von Belang aber ist die Schafzucht. Der Preis von 1 M. Acker ist 125 bis 200 fl., Wiesen und Gärten 175–300 fl. Die Stallfütterung ist seit 1831 ganz eingeführt, und die 125 M. Weiden, welche die Tabelle aufführt, sind nun vertheilt und angebaut. Die Gewerbe befriedigen nur die örtlichen Bedürfnisse, mit Ausnahme der Linnen- und Baumwollen-Weberei, womit 1835 auf 50 Webstühlen 37 Meister beschäftigt waren. 2 Schildwirthschaften. Im Jahr 1838/39 waren die Einnahmen der Gemeindepflege 1927 fl. und die Ausgaben 1116 fl. Der Heilige ist nächst dem von Kirchheim der reichste im Bezirke.

Die Pfarrei hat keine Filialien. Von 1639–1684 war sie unbesetzt und der Ort nach Ohmden eingepfarrt. | Das Patronat steht vom Kl. Adelberg her dem Staat zu. An der Schule steht 1 Schulmeister und an der Industrieschule 1 Lehrerin.

H. ist alt und war frühe schon Zähringisch. Der Rotulus S. Petrinus hat folgende Stelle: »Vodalricus de Holzmadon et frater ejus Adelbero partem prati apud Vosingen siti pro IV solidis et uno talento nobis dederunt. .... Tale predium, quale apud Holzmadon habuimus, illi ecclesiae, quae apud eandem uillam est, dedimus ac predium apud Vosingen situm accepimus in concambium. Hoc autem factum est praesente aduocato ejusdem ecclesiae Cuonrado ac reliquo illius ecclesiae populo« (s. auch Notzingen). Aus diesen, in die ersten Zeiten fallenden, Erwerbungen des Klosters St. Peter ersehen wir, daß Holzmaden, wo nicht im 11., so doch im 12. Jahrhundert ein Pfarrdorf war. St. Peter verschwindet aber bald wieder aus der Reihe der Grundherren. Der Ort kam mit Weilheim an Aichelberg und Württemberg. Die Vogtei aber scheint zwischen Teck und Aichelberg getheilt gewesen zu seyn.

Mit Gunst und Willen H. Hermann von Teck vergaben 1293 Diepoldus et Conradus fratres dicti Morli cives in Kirchain ihre Güter an Häusern, Äckern, Wiesen, Gärten u. s. w., dem Kl. Kirchheim, welches auch 1367 Güter von Kunigunde Risch und 1381 einen Hof von Stephan von Scharenstetten, Kirchherrn zu Pfaffenhofen, kauft, der jenem von Eberhard v. Hibchisowe, Domherrn zu Augsburg, erblich zugefallen war. Auch der Hospital Kirchheim besaß schon 1461 einen Hof, wohl einen derselben, die er noch inne hat.

Holzmaden war übrigens immer in naher Verbindung mit Weilheim, wurde mit demselben 1432 an v. Wernau verpfändet und gehörte schon 1482 in den Gerichtszwang dahin, in welchem er bis in die neueren Zeiten verblieb.

Am 28. April 1639 wurde das ganze Dorf bis auf 2 kleine Häuschen von Soldaten in die Asche gelegt. Die Einwohner mußten in den benachbarten Orten Schutz und Unterkunft suchen und in der Noth diesen ihre Güter verkaufen. Nach einem Berichte vom Jahr 1682 war damals | noch mehr als 1/3 der Markung in fremden Händen. Auf die Bitte der Gemeinde wurde ihr am 28. Februar 1632 von dem Herzog ausnahmsweise gestattet, diese Güter wieder einzulösen.

Die Kirche scheint die Mutterkirche einiger umliegender Orte gewesen zu seyn, und es waren, wie wir unten sehen werden, mehrere Höfe zu Ohmden, Aichelberg und andern Orten dahin eingepfarrt. – Graf Ulrich von Württemberg übergab 1426 den Kirchensatz dem Kloster Adelberg, und erhielt dagegen von ihm dessen Rechte an Faurndau, worauf die Pfarrei dem Kloster einverleibt wurde. Im Jahr 1433 stellt ein bischöflicher »Succollector fructuum et prouentuum aliorumque jurium camerae apostolicae debitorum« eine Bescheinigung aus für die Annata primi anni parochialis ecclesiae in H. eidem monasterio (Adelberg) incorporatae. Die Reformation scheint einige Jahre später als in Kirchheim vollzogen worden zu seyn, denn erst am 16. Juni 1540 verzichtet Ludwig Messerschmied, bisher Pfarrer zu Holzmaden, wegen Alters „auch anderer bewegenden Ursachen“, auf die Pfarrei, und wird dagegen vom Herzog in das Kloster Maulbronn aufgenommen, wo er „gleich Andern“ verpflegt werden solle. Überdieß erhielt er jährlich 6 fl. zu Badgeld.

Die Markung ist, wie oben S. 33 bemerkt, reich an Liasschiefergruben und Versteinerungen in denselben; dort S. 36 ist auch der hier vorkommenden Pechkohle und des Schwefelkieses gedacht.


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