« Kapitel B 6 Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 8 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
7. Gemeinde Fleinheim,
bestehend aus dem evangel. Pfarrdorf dieses Namens mit 608 Einwohnern (darunter 3 kathol. Filialisten von Auernheim, Oberamts Neresheim). Diese schon zum Härdtfeld im weitern Sinne zu rechnende Gemeinde ist südlich von K. Bayrischem Gebiet, östlich und nördlich vom Oberamt Neresheim umgeben, und hängt nur westlich mit dem diesseitigen Ober-Amts-Bezirke und zwar mit der Gemeinde Nattheim zusammen. Die Markung (3626 M.), von welcher beinahe die Hälfte (1756 M.) mit Laubwaldung bedeckt ist, besteht zum Theil aus einem muldeförmigen Kessel mit einem einzigen sehr engen Einschnitt auf der Ostseite, durch welchen die Straße nach Dischingen führt, zum andern Theil aus den größtentheils bewaldeten Höhen, welche diesen Kessel rings einschließen. Die bedeutendsten derselben sind der Ahlenberg und Burgberg, zwischen welchen sich das trockene Eschthal hineinzieht. Dieser Gemeindebezirk ist schwach bewässert. Eine Quelle am westlichen Ende des Orts versiegt in den Sommermonaten jedes Jahres; eine andere, deren Wasser man aber minder gut und zuträglich findet, bildet einen kleinen Bach, der in der Regel, ohne die Ausmündung des Thalkessels zu erreichen, im Wiesengrund versinkt und nur in nassen Jahrgängen in die Egge ausmündet. Ein anderes unbedeutendes Bächlein berührt die Markung nur auf ihrer Südgränze. Das Ackerland (1430 M., darunter 392 M. Wechsel-, das übrige flürlich gebaute, Felder) liegt größtentheils in dem Thalkessel und hat einen im Ganzen fruchtbaren Boden; weniger ist dieß der Fall bei den auf der Höhe, dem sogenannten Walkendorf (s. unten) gelegenen Gütern. Hinsichtlich der Benützung der Düngungsmittel herrscht im Orte noch nicht die gehörige Sorgfalt. Der Durchschnitts-Ertrag eines Morgens stellt sich an Dinkel auf 6 Scheff., an Haber auf 5 Scheff. Dinkel und Gerste sind die | Haupterzeugnisse. Der Werth der Äcker ist sehr verschieden; in den geringsten Lagen kaum 5-10 fl. per Morgen, in den vorzüglichsten 400 fl.; die Mittelpreise halten sich zwischen 150-300 fl. Der Wiesenbau ist nicht unbedeutend; die Wiesen (257 M., wovon die besten im Thal, die übrigen zum größern Theil nur einmähdigen, auf der Höhe liegen) sind ergiebig und das Futter vorzüglich. Für Obstbau würde sich die Lage des Ortes in dem verhältnißmäßig milden Thalkessel wohl eignen, allein zur Emporbringung dieses bisher vernachlässigten Kulturzweiges ist erst in der neuesten Zeit, namentlich durch Anlegung einer Gemeinde-Baumschule, etwas geschehen. Von der Waldfläche gehören 867 M. dem Staat, 425 M. dem Fürsten von Thurn und Taxis, früher dem Kloster Neresheim, an welches die hiesige Gemeinde diesen Besitz im 30jährigen Krieg um ein geringes Geld verpfändet haben soll, um ihn nie wieder einzulösen. Noch besitzen: die Gemeinde 140, Privaten 310 und die Stiftungen 14 M. – Die Pferdezucht ist gering, auch die Rindviehzucht nicht erheblich und der Schlag ziemlich unansehnlich. Die Stallfütterung wird allmälig, jedoch unter Kämpfen mit Widerspruch und Vorurtheil, eingeführt. Waldwaiden sind in den Staats- und Taxis’schen Waldungen gestattet. Die Schafzucht hebt sich durch fortschreitende Veredlung; die Kommun-Schafwaide ist gegenwärtig um 300 fl. verpachtet. – Der Gewerbebetrieb ist sehr unbedeutend. Im J. 1835 arbeiteten 16 Lohnweber auf 16 Stühlen, meistens in halb baumwollenen halb linnenen Waaren, für Heidenheimer Fabriken. Schildwirthschaften bestehen zwei. Eine im Staatswald Ahlenberg befindliche Bohnerzgrube beschäftigt 7 Bergleute von hier. Der Wohlstand steht im Ganzen auf einer sehr niedrigen Stufe, und nur wenige Bauern, in deren Händen die bessern Feldgüter und ansehnliche Privatwaldungen sich befinden, können wohlhabend genannt werden. Hinsichtlich ihres Charakters haben die Bewohner weder im Guten noch im Bösen etwas Besonderes; Lebensart und Sitten sind einfach. Das Haupteinkommen der Gemeinde ist der Ertrag der Schafwaide; sonst besitzt sie c. 3000 fl. an Capitalien. Die Nutzung aus Waldungen ist gering, und Bürgergaben werden schon seit langer Zeit nicht mehr ausgetheilt. Sonst beschränken sich die bürgerlichen Nutzungen auf ein Kraut- und ein Kartoffelland, je auf ein Haus, wovon jedoch die neu erbauten Häuser und die jeweilig jüngsten Bürger ausgeschlossen sind. An Armenstiftungen sind 180 fl. Capitalien vorhanden, deren Zinsen zu Brodaustheilungen verwendet werden. – Den Großzehenten bezieht der Staat, den kleinen und Heuzehenten die Pfarrei. Grundherrliche Gefälle erheben hier der Staat, der Fürst Thurn und Taxis und das Hospital Giengen. | Letztere gehörten dem Kl. Kaisersheim und kamen durch Schenkung von Bayern an den General Siebein, der sie an das genannte Hospital verkaufte; sie sind zum Theil, wie auch die Staatsgefälle, abgelöst. In Folge des Gesetzes von 1836 sind von der Gemeinde gegen den Staat abgelöst worden: Hundsthaler etc. jährl. 1 fl. 54 kr., von 45 Privaten Gebäudeabgaben jährl. 15 fl. 21 kr., ferner Dienstgelder, dingliche 2 fl., persönliche 4 fl. 45 kr. Gegen das Hospital Giengen von einem Privaten 42 kr., und gegen die örtl. Stiftungspflege von zwei Privaten 1 fl. 9 kr. Gebäudeabgaben.

Fleinheim ist 3 geom. St. ostnordöstl. von Heidenheim entfernt. Die Straße dorthin dient als Poststraße zwischen Heidenheim und Dischingen. [1] Der Ort liegt am Ost- und Nordabhang waldiger Höhen, theilweise an diese sich lehnend. Eine Feuersbrunst im J. 1802 verzehrte ihn bis auf wenige Häuser, was dem Wohlstand der Einwohner auf lange Zeit fühlbare Wunden schlug. Ziemlich eilfertig und unregelmäßig wieder aufgebaut, bietet das Dorf kein sehr vortheilhaftes Ansehen; auch vermißt man hin und wieder die gehörige Reinlichkeit der Straßen. Strohdächer haben übrigens nur die Gebäude aus der Zeit vor dem erwähnten Brande. Wohnhäuser zählt man 95. In der Mitte des Ortes steht die 1763 neu gebaute, hübsche Pfarrkirche; der Thurm ist alt, aber 1824 neu hergestellt worden. Die Heiligenpflege, welche die Baulast trägt, und bei deren Unvermögen bisher die Gemeinde eintrat, hat c. 70 fl. Einkünfte. Ein neuer Begräbnißplatz ist 1831 außerhalb des Ortes angelegt worden. Das angenehme und frei gelegene Pfarrhaus ist mit seinen Nebengebäuden vom Staat im Bau zu erhalten. Zu einem Schulhaus wurde 1824 ein im J. 1803 erbautes Privathaus von der Gemeinde erkauft. Schulstiftungen sind im Betrag von 25 fl. Kapitalien vorhanden. Eine Industrieschule ist eingerichtet. Ein eigenes kleines Rathhaus hat die Gemeinde neu gebaut.

Der auf der Höhe südöstlich vom Ort gelegene Felddistrikt Walkendorf oder Walkersdorf hat seinen Namen von einem längst abgegangenen Weiler, von welchem man noch hie und da Baureste entdeckt, und wo nach der Sage in den alten Zeiten ein Schloß gestanden haben soll. – Auf der mit schönem Hochwald bedeckten, die ganze Gegend beherrschenden Spitze des Burgberges liegt die Schwedenschanze, welche aus einer doppelten Anlage besteht. Nach den Untersuchungen des Geometers Schäfer ist die | eine ein Viereck mit abgerundeten Ecken und 1903 Ruthen Flächeninhalt. Der äußere Graben, der sehr tief gewesen zu seyn scheint, hat eine Breite von 40-45 Fuß. Eben so breit und ziemlich hoch ist der Wall, an dessen Südseite der 25 Fuß breite Eingang angebracht ist. 470 Fuß östwärts befindet sich die zweite Anlage, eine 1200 Fuß lange, in der Richtung von Norden nach Süden von einem Abhang zum andern sich ziehende Linie, bestehend aus einem Graben und Wall von derselben Breite, Tiefe und Höhe, wie bei der runden Schanze. Wenn gleich diese Stelle, wie überhaupt dieser ganze (Fürstl. Taxis’sche) Walddistrikt den Namen „die Burg“ führt, so ist doch nicht die entfernteste Spur von einem ehemaligen Hochbauwesen vorhanden. Auch Römerspuren sind bis jetzt nicht entdeckt worden. Älter als der 30jährige Krieg scheint übrigens diese Befestigung jedenfalls zu seyn. Ganz ähnlich ist der „Büschelgraben“ bei Niederstotzingen, s. Ober-Amts-Beschreibung von Ulm.

Fleinheim erscheint im J. 1356 als „Flyn“ im Theilungsbriefe der Grafen von Helfenstein, welche die Besitzer des dortigen Kirchensatzes und die Herren des Ortes seit dem J. 1351 bis 1448 waren. In dem oft erwähnten Saalbuche Herzog Ludwigs von Bayern ist gesagt: „Flein gehört mit dem Gericht gegen Heidenheim und sind alle Zwing und Bänn, Ehhaft und Frevel in Etter, in Feld, in Äckern, in Holz der Herrschaft.“ Im 16. Jahrhundert hatten bedeutende Rechte und Besitzungen allhier die Herrn von Ebnet; Herzog Christoph von Württemberg erkaufte im April 1559 von Christoph Friedrich von Ebnet seine Höfe, Lehen, Sölden, Holzmarken, Renten, Dienste und Zinse mit allen Ober-und Herrlichkeiten in diesem Dorfe (Sattler, Herzoge 4,138). Einzelne Güter in Fleinheim hatte noch vor 1567 das Kloster Elchingen, welches dieselben in diesem Jahre an Württemberg abtrat (s. Gerstetten).— Im 16. Jahrhundert war Fleinheim eine Zeitlang eine gemeinschaftl. Pfarrei mit Nattheim, und in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Ort mehrere Jahre von Schnaitheim aus pastorirt. — Die unglückliche Schlacht bei Nördlingen 1634 brachte eine gänzliche Zerstörung auch über diesen Ort, und nur sieben Familien siedelten sich anfänglich auf dem Schutt wieder an. Von dem Brand 1802, s. vorhin.



  1. Zu bedauern ist, daß diese erst seit 10 Jahren angelegte Straße auf einer Strecke von 1/4 St. durch einen königl. bayerischen Staatswald führt, innerhalb dessen der Weg bei schlechter Witterung nicht zu passiren ist. Die Hoffnung auf Herstellung desselben ist neuerlich wieder ferner gerückt worden.
« [[Beschreibung des Oberamts Heidenheim/|]] Beschreibung des Oberamts Heidenheim Kapitel B 8 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).