Berlin am Geburtstage des Kaisers

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Titel: Berlin am Geburtstage des Kaisers
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 195
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[195] Berlin am Geburtstage des Kaisers. Selbst die Hauptstraßen der größten Weltstädte haben für den Beschauer auf die Länge ein einförmiges Gepräge. Ausnahmen von dieser Gleichartigkeit des Lebens und Treibens sind aber nicht selten, und eine solche bildet in Berlin der Geburtstag des Kaisers Wilhelm. Schon die Häuser haben an diesem Tage einen anderen, festlichen Charakter. Bunte Fahnen wehen berab von jedem Dach, ein reges Treiben macht sich bemerkbar in den Unter den Linden belegenen Hôtels. Fremde, Vergnügungslustige, hohe Herrschaften und Fürstlichkeiten aus dem ganzen Reiche sind herbeigeeilt, und wenn nun die Stunden kommen, in denen der Monarch die Glückwünsche zu empfangen pflegt, ist das Palais umlagert von Tausenden, welche herbeigeeilt sind, um das fesselnde Bild zu schauen. Unzählig sind die Karossen und Equipagen, welche die Rampe des kaiserlichen Palais hinaufrollen. Da präsentirt die Garde links und rechts; die Jäger springen herab, Prinzen und Fürsten steigen aus und die Dienerschaft öffnet die Thüren. Und so fort! Stundenlang bleibt das vielseitige, wechselnde Bild. Auf dem Palais flattert die kaiserliche Hausfahne. Aus den Fenstern der Häuser und Paläste schauen Hunderte, so weit die Linden sich dehnen, und drunten wogen Tausende in festlicher Stimmung. Nun zeigt sich der Monarch am Fenster! „Der Kaiser! Der Kaiser!“ ertönt es. Die Köpfe recken sich, die Neugierigen drängen sich zusammen. Und jetzt dringt aus den Kehlen ein nicht endendes, brausendes Hoch! Besondere Bewegung entsteht, wenn die Mitglieder des königlichen Hauses anfahren. Jeder will den Kronprinzen, den Prinzen Wilhelm sehen. Sechsspännig, mit feurigen Rappen fahren die Hofequipagen heran. Nun sind es gar 90 Jahre geworden, die des greisen, erhabenen Monarchen Scheitel decken. Kaum war wohl ein Sterblicher in seinem Wirken so berechtigt, das Dichterwort auf sich anzuwenden, wie Kaiser Wilhelm: „Die Arbeit, die uns freut, wird zum Ergötzen!“ – Ja! Er kannte nur Pflicht und Arbeit, und sie ward zum Ergötzen ihm und Millionen!