Belagerung der Stadt Stralesunth in Pommern ligende

Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Belagerung der Stadt Stralesunth in Pommern ligende
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Entstehungsdatum: 1628, einige Tage vor der Ankunft Wallensteins am 4. Juli (aus dem Inhalt erschlossen)
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Quelle: Digitalisat der HAB Wolfenbüttel auf Commons, im VD17 unter der Nummer 23:676051K
Kurzbeschreibung: Schilderung der Belagerung Stralsunds durch die kaiserlichen Truppen unter von Arnim
VD17 23:676051K, das Monogramm des Künstlers im Kupferstich WS fecit, AK exc. ist nicht auflösbar
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Contrafactur der Stadt STRALESUNTH wie dieselbe von Röm: Keys: May: Feld Marsch: Hans Georg von Arnheim Den 12. May Aº 1628 Angefangen zubelägern

A.[1] S. Niclaus[2]
B. S. Iacob[3]
C. S. Maria[4]
D. S. Catharina
E. S. Iohannis
F. das Rahthauss
G. 3 fewer, so mit fleiss in der Stadt angelegt worden.
H. Sturm so darauf erfolget
I. Ein Keyserliche Schantz bey der Windmüll
K. Obriste Hulckij Sucurs mit 1800 Man
L. Denholm so von den Stralesuntischen woll besetzt
M. Das Landt zu Rügen darauf die Keyserischen ligen vnd sich verschantzen
N. Schiffen so fur der Stadt ligen.
O. Obrist Spars Volck
P. Ausfall auss der Stadt.

DEmnach der Röm. Keys. May. Herr Feld Marschalch / der Wohl Edle vnd Gestrenge / Herr Hans Georg von Arnheymb[5] / auff Pössenburg / etc. Dero anvertrawtes Keyserliche Kriegsvolck zu Roß vnnd Fuß / so wohl in der Chur: vnnd Marck Brandenburg / als auch im Hertzogthumb Pommern / den Winter vber aller Orten (ausserhalb beyder Länder Residentz Städten) einquartirt: Als ist gedachter Herr FeldMarschalch von Arnheymb auch entschlossen gewesen / in diesen Vornehmen Seehaven vnnd HandelStadt Stralesunth / etliche Compagnien Keyserlich Volck / zu seinem Vorhaben / einzuquartiren / dessen Volck aber einzunehmen die 100. Männer genandt / neben der gesambten Bürgerschafft / gantz nicht eingehen wollen / deßwegen Herr FeldMarschalch von Anrheymb / die Stadt Stralesunth / vmb 30. tausent Thaler (so sie Baar erlegt) gestrafft / neben andern conditionibus mehr einzugehen / dessen sie aber nicht wenig sich gewiedert / dahero der Herr FeldMarschalch nicht praeteriren können / die Stadt Stralesunth / mit deren bey sich haben den Macht zu Belägern / Massen er den 12. verstrichenen Monats Tag Maij / mit 8000. Mann zu Roß vnnd Fuß / vor die Stadt gerückt / nicht weit darvon / sich zu Verschantzen vnnd ein Lager zu formiren / wie auch den Stralesuntischen hefftig zuzusetzen / einen Anfang gemacht.

Als nun die Stralesuntischen vermerckt / worauff diese Belägerung vnd Angstigung angesehen / haben sie sich ebner Gestalt / zur Gegenwehr gefast gemacht / aus ihren Zeughaus / so wohlen auch von den Orlogs vnnd andern grossen Schiffen / die Eyserne vnnd Metalline Stücke auff die Wälle / Basteyen / vnnd die hohe etlicher Häuser (an welchen sie die Dächer abgebrochen / dieselben oben her mit Wasen vnd Erden / damit ihnen nicht leichtlichen die Fewerkugeln vnnd Peckkräntze schaden möchten / verschüttet) gezogen / aus welchen sie hefftig geschossen / vnnd grossen Schaden gethan. Wie nun dieses in deren gantzen Refier herumb / Kundt vnd Lautbar worden / haben die von Adel / so wol die Bawren von allen Dörffern / mit Weib / Kind / Vieh vnd ihren besten Sachen / in die Stadt geflehet: Damit aber so ein grosses Volck / von Weibs Personen vnd Kind nicht zu viel an Proviant verzehren / noch ein Zagheit vnter ihnen verursachen möchte / haben die Stralesuntischen vor Gut- vnd Rathsamb zu sein / ermessen / nicht allein dergleichen Volck / Sondern auch ihr besten Schatz von Gold / Perlen / Baarschafft / vnd andern mobilien zur Vorsorge / beyseits zu schaffen / vnd nur die Notturfft / so wol an etlichen Alterlebten Weibes Personen zu Kochen vnd Waschen / in der Stadt behalten / welche mit heiß Wasser / Pech sieden / vnd herab giessen / dem alten Tieffenbachischen / vnd theils Torquatischen Regiment in zweyen Stürmen grossen Schaden zugefüget / Nichts desto weniger feyret Herr von Arnheymb gar nicht / lest offt vor die Stadt Sturm anlauffen / die Belagerten aber / wehren sich Ritterlich / schlagen alle Stürm ab / vnd bleiben viel vornehme Officirer mit vielem Volck darvor / dessen nicht verschonet wird.

Man hat in Grieffswalde[6] deß Herrn FeldMarschalchen Bruder Sohne / auch eines Obristen Wachtmeister / auff einen Tag / darnach Capitän Feldtmann / einen Leutenambt / vnd viel Beschädigte / so wol in Grieffswalde / als andere Städte / dieselben zu heylen geführt / vnnd den Graffen Portio einen Italianer / Todt gefunden. Den 7. Junij / hat man wiederumb einen Rittmeister / sampt etliche vornehme Officirer, Todt nach Grieffswalde gebracht / Die andere Todte Cörper / werden bald ausgezogen in grosse Gruben geworffen vnd verscharret / denn der starcke Geruch der Todten Cörper / vnd deß Viehs vmb die Stadt gar zu groß / daß man kaum darvor bleiben kan. Die Herren Lands deputirte, haben vor etlichen Tagen / in die Stadt Stralesunth begehret / welches ihnen nicht zugelassen worden / Sondern die Belägerren haben ihre deputirte mit einer Confoy an das Thor hinaus geschickt / deren anbringen vernommen. Weil aber der Herr FeldMarschalch nochmahln bey den vorigen der Stadt vorgeschlagenen conditionen, die ihnen vnmüglichen / wie sie vermeinen / einzugehen / zu verharren gedencken thut / haben sie solchem nach / alle gütliche Handlungen rotundè abgeschlagen / vnnd dasselbe dieser Vrsachen halben / weil eben selbigen Tag / der Obriste Hulcky[7] / ein Lieffländer / mit 1200. Schotten / vnnd 3. Compagnien Hochteutsches Fußvolck / vielem Proviant / Munition / Kraut[8] vnnd Loth vor die Stadt Stralesunth / ankommen / dessen Volck er Obriste Hulcky / also balden ein Monat Soldt baar reichen / in den Gassen / vnd auff dem Marckt / Hütten bawen / vnd alles Volck / eines dem andern / biß auff den letzten Blutstropffen / bey zuspringen / schweren lassen.

Auff diesen Tag / haben 60. Bürger eine Schantzen vor der Stadt / ingehabt / welche die Keyserischen angefallen / den Büchsenmeister erschossen / auff welches die Bürger die Schantzen verlassen / vnnd sich mit der Flucht in die Stadt salvirt. Den 8. Junij / hat der Obriste Hulcky / den ersten Ausfall gethan / das Keyserische Volck / wiederumb daraus getrieben / darbey viel Volcks auff der Walstadt geblieben.

Den 10. Junij / hat der König von Dennemarck / 500. Soldaten / den Stralesuntherrn / vnd der König von Schweden 100. lebendige Ochsen / 100. Tonnen Pulver / vnd 6. halbe Carthaunen / mit ihren Zugehörungen zugeschickt / auch denselben / da sie zu Hart bedrengt werden solten / alle mügliche assistentz zu leysten / sich erbotten haben 3. in 4000. Mann in der Besatzung / vnd seind noch Wolgemuth. Nach Mittag hat der Obriste Hulcky ein Stratagema[9] gebraucht / etliche leere Tonnen mit Pech begiessen / in 3. Oerter der Stadt führen / das Volck heimlich an die Wäll- vnnd Brustwheren gestellet / die Tonnen anzünden / vnd ein groß Geschrey / als die Stadt an 3. Orten zu brennen anfienge erschallen lassen / darauff Herr FeldMarschalch daß Volck zum Sturm angetrieben / in dem / ist der verborgene Hinderhalt hervor gebrochen / mächtigen Wiederstand gethan / vnnd den Sturm abgeschlagen / darvon auff der Stralesunthischen Seyten / bey 200. Mann / auff deß HErrn FeldMarschalchs Seyten aber / ein mehrers geblieben / vnnd viel verwundet worden. Weiln nun in vnterschiedlichen Stürmmen vnd Außfallen / viel Volcks geblieben / vnnd die Armee ziemlicher massen geschwecht worden : Als erwartet man mit höchstem verlangen deß Herrn Generaln Ankunfft / mit einer stärckern Macht / vnd wo der Chur- vnd Fürstl. Herr interponenten, gütliche tractationes je nichts verfangen solte / wird alsdann die Stadt Stralesunth mit grösserm Ernst angegríeffen werden / Ferner verlauff mit negsten zu vernehmen.

Anmerkungen

  1. die Buchstaben beziehen sich auf die Buchstaben im Kupferstich
  2. Nikolaikirche
  3. Jakobikirche
  4. Marienkirche
  5. Hans Georg von Arnim-Boitzenburg
  6. Greifswald
  7. Heinrich von Holk
  8. Schießpulver
  9. Kriegslist