BLKÖ:Wrbna-Freudenthal, Hynek von (Landeshauptmann)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 58 (1889), ab Seite: 179. (Quelle)
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18. Heinrich (Hynek) lebte im 16. Jahrhunderte. Der älteste Sohn Johanns von Wrbna und Johannas Gräfin von Zierotin, nahm er von früher Jugend an, des besonderen Vertrauens Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. sich erfreuend, eine einflußreiche Stellung in den Ländern Mähren und Schlesien ein, in welch ersterem er von 1590–1594 den Posten des Landeshauptmannes versah. Aber Heinrichs Wirksamkeit fällt in eine bewegte Zeit. Reformation und Kirchentrennung blieben auch auf den Staat nicht ohne Wirkung. Treffend schildert ein Historiker jene Tage der Gährung: Die ständische Wahlfreiheit, das Recht der Selbstbewaffnung, der Selbsthilfe, des Bundes mit Auswärtigen, finstere Absonderung von einander und Concentrirung scharf getrennter deutscher, magyarischer, slavischer Nationalität (damit aber Zerstörung des österreichischen Staatenbundes) schienen allgemeine Losung zu werden. Dabei trat der Protestantismus mit Erfolg gegen den Katholicismus, von dessen sprichwörtlicher Uebermacht damals gar wenig zu sehen, auf. Von den Niederlanden, wo innerhalb dreier Tage mehr als vierhundert Kirchen geschändet und zerstört wurden, pflanzte sich die religiöse Unduldsamkeit in erschreckender Weise über Deutschland und Oesterreich aus. Bald waren die meisten Lehrkanzeln, alle ständischen Würden und die meisten einflußreichen Aemter in den Händen der Protestanten, die nun in Bücherschätzen und vorzüglich in Archiven, im Wahne papistisches Unwesen und mit den Zehnten und Stiftungen zugleich den ganzen katholischen Cultus und Clerus auszutilgen, unwiederbringlichen, ja größeren Nachtheil anrichteten, als seinerzeit die Schweden und die Türken. So z. B. predigten der berühmte Opitz[WS 1] im Wiener Landhause, Gabelmann und Odontius in Steiermark so heftig wider Fürsten und Regierung, daß ihre hingerissenen Zuhörer jedesmal Lust hatten, „alle Päpstischen, die sie als Abgötter verdammt und dem Teufel übergaben, mit blutigen Händen zu zerreißen und lieber unter den Türken zu leben, als unter katholischer Herrschaft“! Es herrschte in allen Kreisen, und selbst in denen der Protestanten, wo Evangelische und Reformirte sich gegenseitig verfolgten, verhöhnten, eine Begriffsverwirrung ohne Gleichen. Es war eine unglückselige Zeit der Verwirrung und Entzweiung, des Argwohns und des Parteigeistes, in welcher, analog der Trennung von Staat und Kirche, dieselbe leidige Spaltung von Haus zu Haus ging und nicht selten trennte, was Gott und Natur verbunden hatten: Eltern und Kinder, Brüder und Gatten; in dieser Zeit walteten in Mähren und Schlesien zwei alte und mächtige Geschlechter, die Wrbna und die Zierotin, von denen ersteres das Beispiel glänzender, heldenmüthiger Treue gab, und in demselben obenan Heinrich (Hynek) Wrbna. Auf die Hebung seines Geschlechtes bedacht, erwarb er Goldenstein (1582), Leipnik (1592), Wisternitz (1588), welch letzteres er aber nach wenigen Jahren wieder dem Olmützer Domcapitel verkaufte. –

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