Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 38 (1879), ab Seite: 77. (Quelle)
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3. Elsbeth Steiner, die Judith des Erzherzogthums Oesterreich, lebte um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Hans Aufspring, mit dem Spitznamen der „Waldteufel“, ein Bandit ungeheuerlichster Art, setzte in den Jahren 1369 und 1370, zur Zeit Albrechts III. von Oesterreich, durch seine im Wiener Walde vollführten Unthaten die ganze Bevölkerung des Erzherzogthums und zunächst die Umgebung Wiens in Schrecken. Es verbreitete sich der Glaube, daß er mit Zauberkräften begabt sei, da alle Versuche, ihn zu ergreifen, mißlangen und er selbst dann, als man seiner habhaft zu werden sicher schien, wie durch ein Wunder entkam. Als diese Nachrichten über die Verbrechen Aufspring’s von Mund zu Mund gingen, vernahm auch Elsbeth, die Tochter des Wiener Küfermeisters Conrad Gehringer, dieselben, und als die Nachrichten immer grausiger und furchtbarer wurden, beschloß sie, das Land von diesem Ungeheuer zu befreien. Eines Tages verschwand sie spurlos aus dem Elternhause. Die Trauer der Eltern über das Verschwinden ihrer braven Tochter kannte keine Grenzen. Da traf Elsbeth eines Tages mit einem Fuhrwerke, das stark beladen war, und in welchem sie werthvolle Fracht nach Wien zu führen vorgab, und zwei Knechten, die sie zum Schutze mitgenommen, aus Wiener-Neustadt an einer Stelle des Wiener Waldes ein, wo eine Herberge unter dem Namen die „Teufelsmühle am Wiener Berge“ gelegen war. In ihre Schlafstube ließ sie vom Wagen einen größeren Koffer, worin sie ihre Werthsachen geborgen hatte, bringen. Sie hatte eine kurze Zeit Rast gehalten, als auch schon Hans Aufspring, der mit dem Wirthe im Einverständnisse war, erschien und, als er die schöne Elsbeth erblickte, von ihrer Schönheit entzückt, sofort seine Bewerbung begann und von der Dirne ganz und gar nicht abschlägig beschieden wurde. Während Aufspring immer mehr dein Rebensafte zusprach, wurde seine Liebeswerbung auch zudringlicher. Elsbeth sprang, als fliehe sie vor ihm, in das nächste Gemach, Hans Aufspring ihr nach. Indem er sie mit lüsternen Blicken anstarrte und der Wonnestunde gedachte, die sie ihm bald bereiten sollte, warf er sich in den in der [78] Kammer befindlichen Armstuhl. Kaum aber hatte er Platz gefaßt, als mit einem Male Federn, Klammern und Spangen den Räuber umfaßten und so tief in den Körper desselben einschnitten, daß er keiner Bewegung mehr fähig war. Aufspring war gefangen, und zwar in dem Armstuhl, der sich in dem Koffer befand, den Elsbeth vom Wagen in ihre Kammer hatte bringen lassen. Das Mädchen, welches längst schon auf Mittel gesonnen, wie man dieses Unholds sich bemächtigen könnte, und mit ihrem Beichtvater sich darüber berathen halte, hatte diesen Armstuhl aus Wiener-Neustadt nach der Teufelsmühle gebracht. Sie hatte denselben früher einmal bei ihrem Oheim, der ein geschickter Waffenschmied in Wiener-Neustadt war, gesehen, und den künstlichen Mechanismus bewundert; darauf dann den kühnen Plan gebaut, der Dank ihrem Muthe und Geistesgegenwart trefflich gelang. Dieß geschah im October 1370. Im Jänner 1371 wurde Hans Aufspring auf dem Hohenmarkte zu Wien hingerichtet. Drei Monate nach seiner Hinrichtung heirathete Elsbeth Gehringer einen jungen Mann. Namens Rudolph Steiner. Auf Hans Aufspring’s Habhaftwerdung war ein großer Preis gesetzt worden. Derselbe fiel Elsbeth zu, welche die Hälfte davon den Armen, die andere Hälfte den zwei Knechten schenkte, welche sie begleitet und ihr, nachdem Aufspring im Sessel gefangen saß, den Wirth zur Teufelsmühle, der mit Aufspring im Einverständnisse war, festnehmen halfen. Diese Beiden errichteten damit ein Wirthshaus, welches das Schild zum „Wilden Mann“ erhielt, zur Erinnerung an Aufspring. [Blätter für Geist. Gemüth und Vaterlandskunde, XIV. Jahrg. (1856), Nr. 17. „Eine österreichische Judith“]. –