BLKÖ:Schreiber, Joseph

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schreiber, Simon
Band: 31 (1876), ab Seite: 276. (Quelle)
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Schreiber, Joseph (Arzt und Gründer des Aussee’r Sanatoriums, geb. zu Böhmisch-Leipa, Geburtsjahr unbekannt). Zeitgenoß. Ist der Sohn eines Schullehrers. Der Vater, der die juridischen Studien zurückgelegt, war durch unglückliche Familienverhältnisse in seinem Vermögen herabgekommen und wurde zuletzt Schulmeister in Böhmisch-Leipa. Der Sohn widmete sich dem Studium der Medicin und erlangte in Wien im Jahre 1860 die medicinische Doctorwürde. Dann begab er sich nach London, um daselbst die ärztliche Praxis auszuüben. Aber bald wurde er zurückberufen, um einen Kranken nach Italien, dem südlichen Frankreich und der Schweiz zu begleiten. Auf dieser Reise, welche zwei Jahre, dauerte, fand S. Gelegenheit, die verschiedenen klimatischen Curorte der genannten Länder kennen zu lernen, ihren Einfluß auf den Kranken zu beobachten, und zunächst veröffentlichte er im Jahrgange 1862 der Fachzeitschrift: „Medicinische Presse“ Berichte über das Klima Venedigs und Nizza’s. Nach beendeter Reise nahm er seinen bleibenden Aufenthalt in Wien, wo er als praktischer Arzt thätig war, in dieser Zeit aber mit dem Gedanken der Gründung eines Sanatoriums in den österreichischen Alpen, der ihn schon während der oberwähnten Reise beschäftigt hatte, sich trug, bis er denselben im Jahre 1869 auch verwirklichte. S. wählte zur Ausführung seines Vorhabens den windfreien Theil von Aussee, wo er neben frischer Alpenluft auch die Soole als Heilmittel zur Verfügung hatte und überdieß frisches Quellwasser zu hydropathischen Zwecken verwendet werden konnte. S. hatte bei seinem Unternehmen manche Hindernisse zu bekämpfen, auch mit den Widersachern desselben, meist Leuten, die sich in ihrem bisher uneingeschränkt ausgeübten Monopol beeinträchtigt hielten, manchen Strauß zu bestehen; aber trotzdem brach sich die Sache Bahn und das junge Institut wußte sich in kürzester Zeit durch seine wunderbare Lage, zweckmäßige Einrichtung und Mannigfaltigkeit der Verwendung derart zur Geltung zu bringen, daß bald wegen Andrang von Curgästen eine Erweiterung der Räume stattfinden mußte. Dabei gewann der Arzt täglich mehr das Vertrauen seiner Curgäste, die ihm dadurch einen Beweis ihrer Erkenntlichkeit zu geben suchten, daß sie eine am Alt-Aussee’r See gelegene Felsparthie, welche eine herrliche Aussicht auf den Dachstein gewählt, ankauften und ihrem Arzte zum Geschenke machten. Das anfangs kaum gekannte schlichte Soolbad erhob sich so bald zu einem [277] klimatischen Curorte, der die Beachtung der Balneologen auf sich zog, welche ihre Patienten aus fernen Gegenden dahin zur Heilung schickten. S. selbst lenkt durch wissenschaftliche Vorträge, in welchen er seine klimatologischen und meteorologschen Studien und seine an den Kranken selbst gemachten Beobachtungen praktisch verwerthet, die Aufmerksamkeit der Aerzte auf die Wichtigkeit und den Einfluß des Besuches gut gelegener Alpenthäler für Brustleidende. Dabei, um seine eigene Erfahrungen in dieser Richtung zu erweitern und um die zur Hebung eines entstehenden Curortes mit Professoren und Aerzten unerläßlichen Verbindungen anzuknüpfen, machte Dr. S. in den Jahren 1869 und 1870 neuerdings Reisen durch ganz Deutschland, Belgien, Frankreich, England und ganz Südtirol und veröffentlichte über letzteres seine medicinischen Reisebriefe über Meran und Arco. Von seinen übrigen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu nennen das Badebuch: „Soolbad Aussee in Steiermark als klimatischer Curort und das dortige Sanatorium, nebst einem Fremdenführer für Aussee und Umgebung“ (Wien 1870, Braumüller), welches Nr. 31 der Braumüller’schen Bade-Bibliothek bildet; – im Fachjournal: „Medicinische Presse“ 1870: „Die Behandlung der Lungenschwindsucht mittelst des Höhenklima’s und der comprimirten Luft“; – im „Jahrbuche für Balneologie und Klimatologie 1871: „Ueber den Einfluß des Höhenklima’s auf verschiedene Erkrankungen“, worin S. aus seinen im Jahre 1870 selbst gemachten Erfahrungen den Nachweis liefert, wie viel mit Alpenluft und Milchcuren zu erreichen ist. Im Jahre 1871 in einer wissenschaftlichen Sitzung des Wiener medicinischen Doctoren-Collegiums wies aber S. in seinem Vortrage: „Die Stellung der Meteorologie in der Medicin“ nach, wie wichtig das Studium der Meteorologie für Aerzte sei, wobei er verschiedene, in dieser Richtung herrschende Irrthümer aufdeckte.

Cur-Salon (österreichisches Badeblatt, Wien, gr. 4°.) 1871, Nr. 18: „Dr. Schreiber“. – Porträt. Ebenda im Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners und Xylographen.