Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Razstich
Band: 25 (1873), ab Seite: 76. (Quelle)
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Razga, Paul (protestantischer Theolog, geb. zu Bösing im Preßburger Comitate in Ungarn zu Ende des vorigen Jahrhunderts, hingerichtet zu Preßburg am 18. October 1849). Nachdem er die unteren Schulen und das Gymnasium in seiner Heimat beendete, begab er sich nach Wien, wo er an der dortigen evangelisch-theologischen Facultät die Berufswissenschaften hörte und im Jahre 1823 die kleine evangelische Pfarre zu Trebesin in Kärnthen erhielt, wo er auch, da er nicht gewöhnliche medicinische Kenntnisse besaß, als Arzt wirkte, indem weit und breit kein solcher zu finden war. Von Trebesin kam er im Jahre 1827 in das benachbarte Zlan. An beiden Orten machte er sich um die Förderung des Schulwesens und der Kirchenbaulichkeiten verdient. Im Jahre 1835 berief ihn die evangelische Gemeinde der Stadt Modern in Ungarn, und dort begründete er ein Pensionsstatut für die Witwen und Waisen der evangelischen Geistlichkeit des ganzen Seniorates, wie er denn auch sonst in Angelegenheiten der ihm anvertrauten Gemeinde auf das Verdienstlichste wirkte. Im Jahre 1839 folgte er einem Rufe der deutsch-evangelischen Gemeinde in Prag, organisirte dort die protestantische Schule, wozu er im November 1840 einen Aufruf an die Glaubensbrüder ergehen ließ, der auch gedruckt ist. Sechs Jahre versah er dort seine Stelle, kehrte aber im Jahre 1845 wieder in sein Vaterland zurück, nachdem er sich in Prag zahlreiche Widersacher und viele Feinde gemacht. Im Jahre 1848 schloß sich R. von allem Anbeginn der ungarischen Bewegung an, und obgleich von Geburt ein Slovak, war er doch durch und durch Magyar und hielt es mit der Partei Kossuth’s. Nachdem die Revolution niedergeschlagen war, gerieth R. in die Hände der Sieger, wurde von einem der damaligen, von Haynau bestellten, in voller Thätigkeit begriffenen Kriegsgerichte nach kurzem Processe zum Tode verurtheilt und am 18. October 1849 durch den Strang hingerichtet. Die Theilnahme über dieses Ereigniß war in protestantischen Kreisen eine große, und von Fern und Nah wurde der armen Witwe das Beileid ausgedrückt. – Aus seiner Ehe mit Johanna Luia, einer gebornen Dänin, die von einer dänischen Prinzessin die Hochzeitsausstattung erhielt, sind noch fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter, am Leben. Zwei der ersteren widmeten sich dem commerciellen Geschäfte und hat der eine in der Heimat seiner Mutter ein Großhandlungsgeschäft gegründet; der dritte und jüngste, durch Gestalt und Beruf befähigt, widmete sich der Bühne und ist bei Director Steiner im Theater an der Wien als Secretär und Schauspieler unter dem Namen Thalboth engagirt.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. VII. S. 176. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 186., Nr. vom 22. Oct.; „Vom Theater“.