BLKÖ:Probst, Johann

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Probst, Johann S.
Band: 23 (1872), ab Seite: 317. (Quelle)
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Probst, Johann (Bildhauer, geb. zu Sterzing in Tirol um 1760, Todesjahr und Ort unbekannt). Besuchte die Akademie der bildenden Künste zu Wien, wo sich unter der Leitung Hagenauer’s [Bd. VII, S. 193] sein Talent entwickelte. Hierauf ging er, um sich zu vervollkommnen, nach Venedig und von dort nach Innsbruck und Botzen. Der als Kunstmäcen bekannte Kardinal und Fürstbischof von Gurck, Franz Altgraf von Salm-Reifferscheid-Krautheim, berief ihn nach Klagenfurt, wo P. in dessen Auftrage mehrere bedeutende Bildhauerarbeiten ausführte. Von hier aus begab er sich um 1802 nach Salzburg, wo er noch um 1820 lebte. Seine bedeutendsten Werke sind: „Die Kreuzabnahme“, Gruppe von 10 Figuren [318] in Lebensgröße, nach dem Modelle des Meisters Donner in Gurck; dieselbe befindet sich in der Hauscapelle der bischöflichen Residenz in Klagenfurt; – „Der H. Johannes“, in dieser Gruppe kommt das Porträt des Fürstbischofs Franz Grafen von Salm vor; – eine zweite „Kreuzabnahme“, welche sich in der Alumnatskirche in Klagenfurt befindet; dieses und das vorige Werk sind auf Kosten des Fürstbischofes verfertigt; – der 63 Schuh hohe, aus Marmor des Salzburger Unterberges gemeißelte Obelisk auf dem Platze vor dem Völkermarktthore in Klagenfurt; – das lebensgroße Crucifix sammt den symbolischen Statuen des Glaubens und der Hoffnung, welche zu beiden Seiten das Opfer der Liebe umgeben; in der Schloßcapelle zu Zwischenwässern in Kärnthen; – ein „Vesperbild“, Gruppe von 6 lebensgroßen Figuren, P. arbeitete dieselbe in Salzburg, gleichfalls im Auftrage des Altgrafen Salm; – das gräflich Starhemberg’sche Monument auf dem St. Sebastiansfriedhofe in Salzburg; – ebenda die Grabdenkmäler des Bauamtsverwalters Hagenauer; – der Katharina Penkher; – der ersten Gattin des Kaufmannes Bolland, und auf dem St. Petersfriedhofe in Salzburg hinter der Margarethencapelle eine Statue, die, mit dem linken Arme auf ein Postament gestützt, eine Schale in der Hand hält. Auch meißelte P. mehrere Büsten, unter welchen jene des Papstes Pius VI., aufgestellt im Kloster St. Florian, und jene des Kaiser Joseph II., welche sich im erzbischöflichen Palaste zu Salzburg befindet, bekannt sind. P. war ein tüchtiger Künstler, wie dieß seine beiden, mit Sorgfalt ausgeführten und durch ihre zarte Behandlung, namentlich in den Gesichtszügen bemerkenswerthen „Kreuzabnahme-Gruppen“ in Klagenfurt bekunden.

Pillwein (Benedict), Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer, theils verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w. (Salzburg 1821, Mayr, kl. 8°.) S. 189. – Hermann (Heinrich), Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern (Klagenfurt 1860, Leon, 8°.) Bd. III, Heft 3, S. 239. – Tirolisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, Fel. Rauch, 8°.) S. 195. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) S. 1815, Nr. 15 u. 18. – Bote für Tirol und Vorarlberg 1815, Nr. 67. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XII, S. 81. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. IV, S. 1066, Nr. 2.