BLKÖ:Mohr, Johann Friedrich Freiherr von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 437. (Quelle)
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Mohr, Johann Friedrich Freiherr von (k. k. General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Nagy-Mihály in Ungarn 18. Juli 1765, gest. zu Clausano im Venetianischen 13. Februar 1847). Ein Sohn des Karl Christoph Freiherrn von Mohr [s. d. Folgenden]. Als er achtzehn Jahre alt war, nahm ihn Wurmser als Lieutenant in sein Huszaren-Regiment, als Oberlieutenant machte er bereits den Türkenkrieg mit. In den darauffolgenden Kriegen mit Frankreich gab er seine ausgezeichneten Proben der Tapferkeit, und zwar zuerst im Jahre [438] 1795 im Treffen bei Mannheim, wo er mehrere französische Vorposten überfiel und versprengte, und bei Ausführung dieser Waffenthat solche Umsicht bewährte, daß ihn Wurmser, als er im Jahre 1796 den Oberbefehl der Armee in Italien übernahm, zu seinem Flügel-Adjutanten ernannte, bei welcher Gelegenheit er zum Major befördert wurde. An Wurmser’s Seite wurde auch Mohr in Mantua eingeschlossen. Nach dem Frieden von Campoformio wurde M. im Jahre 1797 in das vierte Huszaren-Regiment eingetheilt. Im Kriege des Jahres 1799 gegen Frankreich that er sich in der Schlacht bei Stockach hervor, wo er auch verwundet wurde. Durch einen Angriff auf die feindlichen Posten von Philippsburg, gegen welche M. mit einem Detachement entsendet wurde, den er auch mit siegreichem Erfolge ausführte und dabei 60 Mann gefangen nahm, bewirkte er den Entsatz von Philippsburg, der noch am nämlichen Tage erfolgte. Im Juni 1800 wurde M. zum Oberstlieutenant befördert und bei Hohenlinden erwarb er sich neue Lorbeern. M. befand sich an diesem Schlachttage in der Vorhut, an seinen wiederholten Attaquen brach sich der beharrliche Widerstand des Gegners. In einem zwölfstündigen Kampfe säuberte er den Wald jenseits Hauen vom Feinde, von dem seine eigenen Leute an diesem Tage nicht weniger als ein halbes Tausend Gefangene einbrachten. Im März 1804 wurde Mohr zum Oberst im Regimente ernannt und erkämpfte sich als solcher in der Schlacht bei Austerlitz den Maria Theresien-Orden. Schon an den der Schlacht vorangegangenen Treffen bei Amstetten und Dürnstein und an dem blutigen Gefechte bei Schöngrabern hatte M. rühmlichsten Antheil genommen, in der Schlacht selbst stand er unter Feldmarschall-Lieutenant Baron Kienmayer [Bd. XI, S. 244] bei der Arrieregarde und hatte seine Aufstellung bei Aujezd. Als sich der Kampf um das Dorf Tellnitz entspann, führte Oberst Mohr persönlich zwei Schwadronen seines Regiments einer mehrere Tausend Mann starken feindlichen Infanterie-Colonne entgegen. Ohne sich weiter zu besinnen, machte M. einen raschen Angriff in die Flanke des Feindes, der theils niedergehauen, theils zerstreut, theils gefangen wurde. Die Zahl der Gefangenen betrug 300. Für diese ausgezeichnete Waffenthat erhielt M. in der 70. Promotion (vom 22. Jänner 1806), welche außer Capitel stattfand, das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Das Regiment Mohr’s, welches an diesem ganzen Feldzuge so rühmlichen Antheil genommen, wurde mit nicht weniger denn 5 goldenen und 27 silbernen Tapferkeits-Medaillen betheilt. Im August 1808 wurde Mohr General-Major und erhielt als solcher im Feldzuge des Jahres 1809 das Commando der Avantgarde bei dem siebenten Armeecorps in Polen. Die Avantgarde bestand aus 7 Bataillonen und 6 Schwadronen. Er kämpfte mit ihr bei Raszin (am 19. April), überschritt bei Gora die Weichsel und rückte auf den Brückenkopf bei Thorn vor. Diesen nahm er mit Sturm am 15. Mai. In den folgenden Tagen bestand er noch mehrere Kämpfe mit dem von dem polnischen General Zajonezek befehligten Feinde, welche am 11. Juni mit dem Kampfe bei Jedlinsko endigten, an welchem die Truppen des General-Majors Mohr und Feldmarschall-Lieutenants Mondet theilnahmen. Der Feind hatte eine vollständige Niederlage erlitten, an 500 Todte, weit mehr Verwundete und [439] 600 Gefangene verloren, und wurde mit dem Reste über die Weichsel und Pilicza zurückgetrieben. Im Juli 1813 wurde Mohr zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. In den Befreiungskriegen befehligte er eine Division im 4., von dem General der Cavallerie Freiherrn von Klenau geführten Corps der verbündeten Heere. In der Völkerschlacht bei Leipzig führte er den Angriff auf Penig und die Vertheidigung des Kolmberges aus. Eine in dieser Schlacht erhaltene schwere Verwundung entzog ihn für längere Zeit dem Kriegsschauplatze, den er erst im Jahre 1815 wieder betrat. Er kam nun zur Armee nach Italien, welche gegen Murat operirte. Bei Eröffnung des Feldzuges übernahm er das Commando des Postens bei Occhiobello, leitete den Ausfall aus dem Brückenkopfe am 12. April und rückte gegen Ferrara vor. Dann befehligte er die erste Division des Centrums der gegen Murat operirenden Armee, traf am 30. April in Tolentino ein, seine Vorposten aber nahmen Stellung am Fuße des Berges, auf welchem Macerata liegt, wo Murat’s Hauptquartier sich befand. In der entscheidenden Schlacht bei Tolentino befehligte Mohr das Centrum und den linken Flügel unserer Armee und trug wesentlich zum siegreichen Ausgange der Schlacht bei, worauf er die Neapolitaner bis an die Meeresküste verfolgte. Als in Folge der zu Casalanza geschlossenen Militär-Convention am 21. Mai zu Capua ein Aufstand der Soldaten und des Volkes ausbrach, in welchem General Carascosa und Minister Gallo persönlich Gefahr liefen, eilte Mohr mit einer Schwadron Huszaren herbei und stillte den Aufstand in kürzester Zeit. Von Capua rückte er nach Apulien vor und nahm in Foggia sein Hauptquartier. Nachdem König Ferdinand am 17. Juni seinen Einzug in Neapel gehalten, blieb Mohr mit 14.000 Mann Oesterreichern als Commandant der Occupationsarmee im Lande zurück. Im Juli 1825 wurde er Stadt- und Festungscommandant von Venedig, im Jahre 1827 commandirender General in Siebenbürgen. Im October 1830, nachdem er schon einige Monate früher zum General der Cavallerie ernannt worden, berief ihn der Kaiser als Hofkriegsraths-Präsidenten nach Wien, wo er im folgenden Jahre Chef der Militärsection im Staatsrathe wurde. Im Jahre 1836, nach mehr als fünfzigjähriger Dienstzeit, zog sich M. in den Ruhestand zurück. Bei dieser Gelegenheit erhielt er das Großkreuz des Leopold-Ordens, dessen Commandeurkreuz ihm schon im Jahre 1815 für sein ausgezeichnetes Verhalten vor dem Feinde verliehen worden war. Seit letztgenanntem Jahre war Freiherr von Mohr auch Inhaber des Dragoner-Regiments Prinz Eugen von Savoyen Nr. 1. Im Jahre 1847 starb der Held im hohen Greisenalter von 82 Jahren als der Letzte seines Geschlechtes, über welches in den Quellen nähere Mittheilungen folgen.

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 761 u. 1745. –