BLKÖ:Meciszewski, Hilar

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 229. (Quelle)
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Meciszewski, Hilar (Schriftsteller, geb. zu Krakau im Jahre 1802, gest. ebenda im Jahre 1855). Sein Vater Kaspar [siehe die Quellen] war polnischer Oberst; der Sohn Hilar besuchte die Schulen in Krakau und vollendete die Studien auf den Universitäten zu Lemberg und Warschau. Frühzeitig zur Schriftstellerei sich hingezogen fühlend, arbeitete er schon als Studiosus in Warschau in der Redaction des Wochenblattes für das schöne Geschlecht (Tygodnik dla płci piękniej). Nach beendeten Studien machte er eine Reise durch die wichtigeren Länder des Continents, ließ sich nach seiner Rückkehr bleibend in Krakau nieder, wo er sich verheirathete. Seine Frau brachte ihm das sogenannte „russische Hôtel“, zu jener Zeit ein stark besuchter Gasthof, als Brautschatz mit, und M. besann sich nicht lange und wurde – Wirth. Als Bürger der Stadt wurde er zu öfteren Malen zum Deputirten auf den Landtag des Krakauer Freistaates gewählt. Seine Tüchtigkeit in Geschäften und seine ungewöhnliche Arbeitskraft steigerten bald seinen Einfluß, und so geschah es, daß man ihm die Direction des Zahlamtes übertrug. Auf diesem Posten lernte er die Finanz- und volkswirthschaftlichen Verhältnisse des ganzen Gebietes kennen, und er unterließ nicht, in dieser Richtung Materialien zu sammeln, welche er später bei seinen publicistischen Arbeiten und national-ökonomischen Flugschriften geistig verwerthete. Im Jahre 1834 wurde er Redacteur und Herausgeber des „Tygodnik krakowski“, d. i. Krakauer Wochenblatt, eines der Literatur und national-ökonomischen Interessen gewidmeten Journals; im Jahre 1845 nahm er auch noch das Krakauer Theater in Pacht und gab sich alle Mühe, die dortige Nationalbühne zu heben; dieses Unternehmen aber schien seinen Vermögensverhältnissen einen argen Stoß gegeben zu haben. Seine Betheiligung an den politischen Wirren, welche im Jahre 1846 im Krakauer Freistaate ausgebrochen waren, nöthigte ihn, nach dem Einmarsche der Truppen der verbündeten Mächte und der darauf erfolgten bleibenden Besetzung durch die Oesterreicher, zur Flucht, und er begab sich nun nach Berlin, wo er den Druck seines Werkes: „Sześć lat bytu politycznego rzeczypospolitej krakowskiej, to jest od Grudnia 1827 do 1833“, d. i. Sechs Jahre der politischen [230] Zustände der Krakauer Republik, das ist von December 1827 bis 1833, begann, jedoch nicht über das erste Heft herausgekommen ist. Im Jahre 1848 kehrte er nach Krakau zurück; die mächtig veränderten politischen Verhältnisse ermöglichten ihm den Aufenthalt daselbst, und er gab sich nun mit ganzer Seele der Publicistik hin. Er betheiligte sich theils als Mitarbeiter an den zu jener Zeit erscheinenden Journalen, theils begründete er selbst neue Blätter, wie den „Dziennik narodowy“, d. i. das Volksblatt, und „Polska“, d. i. Polen, welche jedoch die Dauer von nur wenigen Wochen zählten. Ende Jänner 1849 hatten bereits beide zu erscheinen aufgehört. In den folgenden Jahren veröffentlichte er einige politische Broschüren, die durch ihren Witz und die geistvolle Behandlung des Gegenstandes in den maßgebenden Kreisen ihre Wirkung nicht verfehlten; nebstbei war er Mitarbeiter an den Journalen „Dwutygodnik literacki“, d. i. Literarisches Zweiwochenblatt, und „Czas“, d. i. die Zeit, was ihn aber nicht abhielt, zu gleicher Zeit in satyrischen Correspondenzen für die „Gazeta Warszawska“, d. i. Warschauer Zeitung, gegen die genannten Blätter zu polemisiren. Von seinen im Drucke erschienenen Schriften sind außer den bereits genannten noch bekannt: „O potrzebie i użytecznosci zaprowadzenia banku publicznego rządowego w Krakowie“, d. i. Von der Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Begründung einer öffentlichen Staatsbank in Krakau (Krakau 1835, 8°.); – „O potrzebie i sposobach uposażenia banku publicznego to mieście Krakowie“, d. i. Von der Nothwendigkeit einer öffentlichen Bank in Krakau und der Art, wie sie einzurichten wäre (ebd. 1853, 8°.); – „Uwagi nad projektem do ustanowienia w mieście Krakowie banku publicznego prywatnego“, d. i. Bemerkungen über das Project zur Errichtung einer öffentlichen Privatbank in Krakau (ebd. 1835, 8°.); – „Dyjarjusz sejmu wolnego miasta Krakowa“, d. i. Tagebuch des Landtages der freien Stadt Krakau (ebd. 1838, 8°.); – „Uwagi o teatrze krakowskim“, d. i. Bemerkungen über das Theater in Krakau (ebd. 1843, 8°.); – „Kilka słów do redaktora Gazety Poznańskiej“, d. i. Einige Worte an den Redacteur der Posener Zeitung (Krakau 1845, 8°.); – „Do historyi ustawodastwa karnego tudzież sejmov prawodawczych, byłej Rzeczopospolitej krakowskiej“, d. i. Zur Geschichte der. Strafgesetzgebung wie auch der gesetzgebenden Landtage der ehemaligen Republik Krakau (ebd. 1849, 12°.), diese Schrift ward durch einen im „Czas“ enthaltenen Artikel veranlaßt; – „Posag uniwersytetu Jagiellońskiego w Krakowie, wiadomosc historyczna wedle aktu urzędowego“, d. i. Das Vermögen der Jagiellonischen Hochschule in Krakau, historische Mittheilung nach amtlichen Acten (Krakau 1850, 8°.); – „Rzecz do historyi majątku uniwersytetu krakowskiego, tudzież prawa młodzieży polskiej uczęszczania do niego na nauki“, d. i. Beitrag zur Geschichte des Krakauer Universitäts-Vermögens, wie über das Recht der polnischen Jugend, diese Hochschule zu besuchen (ebd. 1850, 8°.), diese Schrift wurde durch eine von Jac. Mieroszewski herausgegebene Gegenschrift auf die oberwähnte Meciszewski’s „Posag uniwersytetu Jagiellonskiego“ veranlaßt; – „Historja Rzeczypospolitej krakowskiej od dnia 3. Maja 1815 do dnia 26. Listopada 1848“, d. i. Geschichte des Krakauer Freistaates vom 3. Mai 1815 bis zum [231] 26. November 1848. Dieses, drei Bände Text und einen Band Urkunden umfassende Werk wurde im Jahre 1850 in der Druckerei der Krakauer Zeitschrift Czas zu drucken begonnen, aber beim zwanzigsten Druckbogen der Satz eingestellt. M. war ein Mann von ungewöhnlichen Geistesgaben, mit einem großen Freimuth verband er schlagfertigen Witz und eine seltene Rednergabe, alles Eigenschaften, die ihn zum Volksredner und Agitator, was er strenge genommen auch war, geeignet machten. Er besaß zahlreiche Anhänger, ungeachtet dessen war er in seinen Unternehmungen nichts weniger als vom Glücke begünstigt, und hat denselben das nicht unbedeutende Vermögen, das ihm durch seine Heirath zugefallen, zum Opfer gebracht.