Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Müller, Anton
Band: 19 (1868), ab Seite: 341. (Quelle)
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6. Müller, Anna (Schauspielerin, geb. zu Wien im Jahre 1840). Da sie frühzeitig Lust für die Bühne zeigte, wollte der Vater sie für das Ballet ausbilden lassen, und so wurde sie eine Schülerin des Ballettänzers Gollinelli. Sie zählte damals zwölf Jahre, ein Jahr später wurde sie im Ballet des Hof-Operntheaters engagirt. Die Eintönigkeit ihrer Beschäftigung sagte ihr jedoch wenig zu, und sie beschloß, sich für die Schauspielkunst auszubilden und wurde eine Schülerin der Hofschauspielerin Lukas, die manches Talent schon in ihrer Kunst unterrichtet hatte. Im Jahre 1860 trat sie zuerst in Baden bei Wien in dem Stücke: „Sie schreibt an sich selbst“, auf und gefiel. Als sie darauf nach Wien zurückkehrte und in Treumann’s Quaitheater mehrere Male auftrat, wurde sie auch daselbst engagirt. Im Jahre 1863 begab sie sich nach Prag, gab dort einige Gastrollen, ebenso in Brünn und Berlin. An letzterem Orte erregte sie die Aufmerksamkeit des Hoftheater-Intendanten v. Hülsen, und bald nach ihrer Rückkehr nach Wien, wo sie im Leopoldstädter Theater in kurzer Zeit der Liebling des Publicums geworden war, folgte sie dem Rufe nach Berlin. Dort jedoch genügte sie dem Publicum nicht oder war das Umgekehrte der Fall. Sie kehrte nach Jahresfrist in ihre Heimat und an die Bühne zurück, wo sie so viele Verehrer zählte und sich das Publicum in’s Theater drängte, um die anmuthige „Müller-Nettel“, wie sie von ihrer Partei gern genannt zu werden pflegt, zu sehen. Ohne in das überschwengliche Lob einzustimmen, das einzelne Fachblätter über sie laut werden lassen, muß doch zugestanden werden, daß die Anmuth ihrer Erscheinung von großer Wirkung auf der Bühne ist, auf welcher sie im Lustspiel und Schauspiel in mehreren, besonders gemüthvollen Rollen sehr glücklich ist. Anna Müller zählt auch viele Gegner, welche aber gerade da zu sein scheinen, um ihren ohnehin großen Anhang noch zu vermehren. In Berlin spielte sie Rollen, in welchen ehedem Charlotte von Hagn geglänzt. In Stücken, wie „Die Hochzeitreise“, „Die Journalisten“, „Zwei Ehen“, „Dir wie mir“, „Vier Uhr Morgens“, „Liebschaft in Briefen“, „Am Clavier“, „Glückliche Flitterwochen“, „Montjoye“, „Cäcilie“ u. dgl. m. leistet sie das Beste. In den letzten Tagen (Mitte Juli 1868) hat sich Fräulein Anna Müller mit dem ehemaligen Pesther Theaterdirector Landvogt verehelicht und hat, wie es verlautet, die Absicht, sich von der Bühne ganz zurückzuziehen.

Wiener Theater-Chronik 1864, Nr. 20 u. 21: „Anna Müller. Ein Künstlerporträt“. – Der Hausfreund (Unterhaltungsblatt), von Wachenhusen, 1865, Nr. 27 [auf S. 431 im Texte]. – Presse (Wiener polit. Journal) 1865, Nr. 127; 1866, Nr. 238. – Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik (Wien, Wallishausser, 4°.) VII. Jahrg. (1861), erstes Halbjahr, S. 16.